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  BLUTZUCKER (BLUTGLUCOSE)

 

Blutzucker (Blutglucose) - Übersicht
Univ.Doz.Dr.med. Wolfgang Hübl
Info - Referenzbereich - Diabetesgrenzen - Ursachen einer Erhöhung (Hyperglykämie)

Ursachen einer Verminderung (Hypoglykämie)
 

IN DREI SÄTZEN:
Die Messung des Zuckers (genauer: der Glucose) im Blut ein wichtiger Test zur Erkennung der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Dabei treten erhöhte Blutzuckerspiegel auf. Aber auch der gefährliche "Unterzucker", also die Verminderung des Zuckers im Blut, wird mit Hilfe der Blutzuckerbestimmung erkannt.
   
NAME:
Der Name Glucose kommt vom griechischen Wort für "süß", glykys.
   
INFO:
Was ist Blutzucker?
Blutzucker ist chemisch gesehen nicht irgendein Zucker sondern ein ganz bestimmter, nämlich Glucose (=Traubenzucker). Natürlich gibt es im Blut noch viele andere Zuckerarten in kleiner Menge, aber in der Medizin versteht man unter Blutzucker immer die Glucose im Blut. Daher: Blutzucker = Blutglucose.

 

Wozu brauchen wir Blutzucker (Glucose)?
Der Zucker im Blut ist der wichtigste Energieträger für unsere Zellen. Sie nehmen Zucker aus dem Blut auf und "verbrennen" ihn, meist zu CO2 und Wasser. Dabei entsteht Energie, die für viele Vorgänge in den Zellen notwendig ist.

 

Woher kommt der Blutzucker (die Glucose)?

  • Aus der Nahrung
    Wir essen zwar meist nicht viel Traubenzucker, aber wir essen "normalen" Zucker, Milchzucker und Stärke (Mehl, Kartoffelstärke,..). In all diesen Kohlenhydraten ist Glucose enthalten. Bei der Verdauung wird sie frei und ins Blut aufgenommen. Aber auch andere Zucker in der Nahrung (Fruchtzucker, Galaktose) wandelt unser Stoffwechsel (vor allem in der Leber) rasch in die für alle Zellen brauchbare Glucose um.
  • Aus Glucosespeichern (Glykogen)
    Wir können nicht die ganze Zeit essen, trotzdem darf unser Blutzuckerspiegel nicht zu stark abfallen. Dazu wird Glucose vor allem in der Leber und im Muskel in der Form von Glykogen gespeichert. Glykogen ist also eine Speicherform der Glucose. Haben wir nach dem Essen einen Blutzuckerüberschuss, wird Glykogen aufgebaut. Haben wir zwischen den Mahlzeiten oder durch Aktivität einen Bedarf an Glucose, wird Glykogen wieder abgebaut und Glucose wird frei. Dies ist einer der Mechanismen, mit denen der Blutzuckerspiegel reguliert wird.
  • Aufbrauch von Reserven
    Die Glykogen-Speicher reichen nur für 12 bis 24h. Nehmen wir über längere Zeit zuwenig Nahrung zu uns, dann wird auch Fett und Eiweiß abgebaut. Sowohl aus Fett als auch aus Eiweiß kann unser Körper kleinere Mengen von Glucose herstellen.

 

Wer reguliert den Blutzuckerspiegel?

  • Das Hormon Insulin
    Das wichtigste Hormon der Blutzuckerregulation. In der Summe wirkt es stark blutzuckersenkend. Es wird auch als das Hormon der Energiespeicherung bezeichnet.
    • Insulin fördert den Einstrom von Glucose in die Zellen (vor allem in Fett und Muskelgewebe). Folge: Blutzuckerspiegel sinkt (das kann sehr rasch gehen - Minuten).
    • Insulin fördert den Aufbau des Glucosespeichers Glykogen (vor allem in Leber und Muskel).
    • Es hemmt den Aufbau von Glucose aus Eiweiß-Bruchstücken (das ist die sog. Gluconeogenese aus Aminosäuren).
    • Insulin fördert den Fettaufbau (u.a. aus Zucker)

Insulin steuert die Verwertung und Speicherung des Blutzuckers (Glucose)

Wirkungen des Insulins nach der Nahrungsaufnahme Die Kohlenhydrate der Nahrung werden bei der Verdauung in kleine Zuckermoleküle gespalten. Diese werden über den Dünndarm ins Blut aufgenommen. Die Insulinausschüttung aus der Bauchspeicheldrüse sorgt dafür, dass der Blutzucker rasch verwertet wird: Aufnahme in Muskel und Leber, wo der nicht unmittelbar benötigte Blutzucker in Form von Glykogen gespeichert wird. Auch der Aufbau von Fettgewebe aus überschüssigem Blutzucker wird durch Insulin gefördert.
Anmerkung: das "Bauch-Foto" soll nur das Fettgewebe symbolisieren. Insulin für sich macht nicht dick. Es ermöglicht nur den Fettaufbau.
  • Das Hormon Glukagon
    Das zweitwichtigste Hormon der Blutzuckerregulation. Es erhöht den Blutzucker. Viele Wirkungen sind denen des Insulins entgegengesetzt. Es wird auch als das Hormon der Energiebereitstellung bezeichnet.
    • Glukagon fördert den Abbau des Glucosespeichers Glykogen in der Leber. Dadurch wird Glucose frei.
    • Es fördert den Aufbau von Glucose aus Eiweiß-Bruchstücken (das ist die sog. Gluconeogenese aus Aminosäuren).
    • Glukagon fördert den Fettabbau (dabei entsteht auch Glucose).

    Nach einem Essen haben wir viel mehr Insulin im Blut als Glukagon, in Hungerphasen ist das Verhältnis ausgeglichener.

  • Hormone des Nebennieren-Marks (Adrenalin, Noradrenalin)
    Die Hormone Adrenalin und Noradrenalin (auch Katecholamine genannt) erhöhen den Blutzucker. Sie werden bei Stress, Angst, körperlicher Aktivität und anderen Anstrengungen ausgeschüttet und führen zum Abbau des Glucosespeichers Glykogen in Leber und Muskel. Der Anstieg des Blutzuckers erfolgt rasch (innerhalb von 15 bis 60 Minuten).
  • Körperliche Aktivität/ Training
    Führt zu einer vermehrten Aufnahme von Blutzucker in die Muskelzellen und vermindert dadurch den Blutzuckerspiegel.
  • Das Wachstumshormon (Somatotropin)
    Das in der Hirnanhangsdrüse gebildete Hormon wirkt in Richtung einer Erhöhung des Blutzuckerspiegels. Das Hormon hilft, zu niedrige Blutzuckerspiegel zu verhindern.
    Es tut dies vor allem durch Verminderung des Einstroms von Glucose in Muskel- und Fettzellen und durch Vermehrung des Abbaus des Glucosespeichers Glykogen in der Leber.
  • Glucocorticoidhormone der Nebennieren-Rinde ("Cortisol")
    Sie wirken Blutzuckerspiegel-steigernd. Die Glucocorticoide helfen, zu niedrige Blutzuckerspiegel zu verhindern.
    Sie fördern direkt und indirekt die Neubildung von Blutzucker aus Eiweiß-Bestandteilen (Gluconeogenese).
  • Schilddrüsenhormone
    Schilddrüsenhormone können den Blutzucker erhöhen, haben aber für die normale Regulation wenig Bedeutung.
    Sie erhöhen die Aufnahme von Glucose aus dem Darm, fördern den Abbau des Glucosespeichers Glykogen in Leber und Muskel. Außerdem steigern sie die Glucose-Neubildung aus Eiweiß-Bestandteilen (Gluconeogenese).

 

Warum bestimmt man den Blutzucker?

  • Verdacht auf Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
    Wenn Zeichen eines Diabetes vorliegen, bei anderen Erkrankungen, die mit einem Diabetes einhergehen können; routinemäßig in der Schwangerschaft.
  • Kontrolle eines Diabetes mellitus
  • Verdacht auf Unterzucker (Hypoglykämie)
    Zeichen von Unterzucker, bei der Diabetesbehandlung, routinemäßig bei Neugeborenen.
  • In der Praxis wird der Blutzucker bei einer Laboruntersuchung meist automatisch mitbestimmt ohne besonderen Verdacht.

 

Was ist Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)?
Diabetes mellitus ist die Bezeichnung für verschiedene Krankheiten, deren Gemeinsamkeit ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel ist.
Im engeren Sinn meint man damit meist den Diabetes Typ 1 ("Juveniler Diabetes" des meist jugendlichen, schlanken Patienten) und den Typ 2, den "Erwachsenen-Diabetes" des meist älteren, übergewichtigen Patienten. Daneben gibt es aber noch eine große Zahl nicht so häufiger Erkrankungen, die auch unter die Kategorie Diabetes mellitus fallen (Näheres siehe unter ERHÖHUNG).
Der Name Diabetes mellitus kommt vom Hauptsymptom des unbehandelten Diabetes: der großen Trink- und Harnmenge. Wobei der Harn süßlich ist. Diabetes heißt Durchmarsch, mellitus heißt honigsüß.

 

Bedeutet jeder erhöhte Blutzuckerspiegel, dass ein Diabetes mellitus vorliegt?
Nein. Die häufigste Form, der Typ 2 Diabetes ("Erwachsenendiabetes"), ist z.B. eine Erkrankung, die nicht plötzlich an einem Tag oder in einer Woche beginnt und dann da ist. Typ 2 Diabetes beginnt langsam, schleichend über Jahre. Daher braucht man genaue Kriterien, ab wann man die Diagnose Diabetes stellen sollte. Die wichtigste Grundlage zur Festlegung dieser Kriterien ist, ab wann eine Schädigung durch den dauernd erhöhten Blutzuckerspiegel zu erwarten ist.
 

Die Definition des Diabetes mellitus:
(American Diabetes Association, Diabetes Care, Vol. 33, Suppl.1, 2010)
 

1. HbA1c  6.5% oder höher.
2. Ein Nüchtern-Blutzuckerspiegel von 126 mg/dl (=7.0 mmol/l) oder höher. Nüchtern heißt: keine Kalorienzufuhr in den letzten 8h.
3. Ein Blutzuckerspiegel von 200 mg/dl (=11.1 mmol/l) oder höher beim 2-Stunden-Wert des Zuckerbelastungstests (oraler Glucose-Toleranz-Test, OGTT). Bei diesem Test werden 75 g Glucose in Wasser gelöst eingenommen. Danach werden Blutzuckermessungen vorgenommen.
4. Es finden sich Zeichen des Diabetes (wie große Trink- und Harnmengen) und ein Blutzuckerspiegel von 200 mg/dl (=11.1 mmol/l) oder höher. Gilt auch für Blutabnahmen nach Mahlzeiten.
 
Hinweise:
  • Ein Diabetes mellitus liegt vor, wenn eines der Kriterien erfüllt ist und an einem anderen Tag bestätigt wird.
  • Die Bestätigung kann durch Erfüllung des gleichen Kriteriums oder eines der beiden anderen erfolgen. Man sollte aber vorzugsweise den Wert wiederholen, der abnorm war.
  • Kriterium 4 kann auch bei einmaligem Auftreten zur Diagnose Diabetes mellitus ausreichen, die anderen Kriterien nur in Ausnahmefällen bei sehr typischen Symptomen.
  • Die angegebenen Blutzuckerwerte sind Werte für Bestimmungen aus der Blutflüssigkeit einer aus einer Vene abgenommenen Blutprobe. Messungen in der Blutflüssigkeit von Kapillarblut ("Fingerstich") können besonders beim Zuckerbelastungstest davon abweichen.
  • Die HbA1c-Bestimmung muss bestimmten Qualitätsnormen genügen (mobile Kleingeräte sind ungeeignet)
  • Der HbA1c Wert ist bei manchen Krankheiten (z.B.Hämolysen, Eisenmangelanämien) und in der späteren Schwangerschaft nicht für die Diabetes-Diagnose verwendbar.
  • Bei sehr rasch auftretendem Diabetes Typ 1 kann der HbA1c Wert zu Beginn der Erkrankung noch normal sein.  

Wenn Sie diese Angaben mit älteren Quellen vergleichen, werden Sie bemerken, dass die Grenze für das Vorliegen eines Diabetes beim Nüchtern-Blutzuckerspiegel von 140 mg/dl auf 126 mg/dl herabgesetzt wurde. Das hängt unter anderem mit neueren Studien zusammen, die eine langfristige Schädigung bereits bei Blutzuckerspiegeln unter 140 mg/dl nachweisen.

 

Und wenn man zwischen diesen Grenzen liegt?
Wenn der Blutzuckerwert zwar nicht normal ist, aber auch noch nicht die oben angegebenen Kriterien eines Diabetes erfüllt?
Das bezeichnet man dann entweder als "gestörte Nüchtern-Glucose" (=impaired fasting glucose, IFG), wenn der Nüchternblutzuckerwert größer oder gleich 110 mg/dl (6.1 mmol/l) aber unter 126 mg/dl (7.0 mmol/l) ist.
Oder als "gestörte Glucose-Toleranz" (=impaired glucose tolerance, IGT), wenn der 2-Stunden-Wert des Zuckerbelastungstests größer oder gleich 140 mg/dl (7.8 mmol/l) aber unter 200 mg/dl (11.1 mmol/l) ist.
Was bedeutet dies jetzt für den Patienten? Einmal wird man überlegen, ob nicht eine andere Erkrankung (also nicht der typische Diabetes) für die Erhöhung verantwortlich ist (Beispiele unter Erhöhung). Und man wird regelmäßige Blutzuckerkontrollen vorsehen, weil Personen mit gestörter Nüchternglucose oder gestörter Glucose-Toleranz ein höheres Risiko haben, einmal wirklich einen Diabetes zu entwickeln. Abgesehen davon, haben solche Personen statistisch gesehen ein höheres Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen ("Gefäßverkalkung", Infarkt, Schlaganfall u.a.).
Ob dieses Risiko aber wirklich von den leicht erhöhten Blutzuckerwerten kommt, ist nicht so klar. Personen mit gestörter Nüchtern-Glucose haben oft auch andere Riskofaktoren (Blutfette, Blutdruck, Übergewicht), die ebenfalls Ursache der Gefäßschädigungen sein könnten.

 

Wann sollte man nach Diabetes suchen (Screening)?
(American Diabetes Association, Diabetes Care, 2010; Empfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft, 2001)

  • Bei Personen über 45 Jahren: alle 3 Jahre eine Nüchtern-Blutzuckerbestimmung
  • Bei Personen unter 45 Jahren (und bei Personen über 45 Jahre häufiger als alle 3 Jahre), wenn folgende Umstände vorliegen:
    • Übergewicht, mangelnde Bewegung
    • Bluthochdruck,
    • Abnorme Blutfette (Triglyzeride > 249mg/dl, HDL-Cholesterin < 36 mg/dl),
    • frühere, auffällige Blutzuckerwerte; frühere HbA1c Werte von 5.7% oder höher.
    • Verwandter ersten Grades mit Diabetes,
    • Mütter von Kindern mit großem Geburtsgewicht (> 4000 g),
    • Schwangerschaftsdiabetes aufgetreten.
    • Patienten mit Acanthosis nigricans (braun-graue Hautveränderungen)
    • Frauen mit polycystischem Ovarsyndrom (Zysten in den Eierstöcken)

Anmerkung: diese Richtlinien der Diabetes-Gesellschaften beziehen sich vor allem auf die Suche nach dem oft lange unbemerkten Diabetes Typ 2 (Erwachsenendiabetes). Nach anderen Diabetes-Formen muss man bei Verdacht natürlich unabhängig von diesen Empfehlungen suchen.

 

Selbstmessung zur Diabetes-Diagnose ungeeignet!
Wie man aus den Definitionen für Diabetes erkennt, entscheidet theoretisch 1 mg/dl Blutzucker mehr oder weniger zwischen Diabetes oder kein Diabetes. Daher sollte die Labormethode für Blutzucker möglichst genau sein. Eine Selbstmessung ist hierzu nicht geeignet. Die Messung sollte nur mit einer unter ständiger Qualitätskontrolle stehenden Labormethode erfolgen (Empfehlungen der Deutschen Diabetes-Gesellschaft).

 

Reaktionen auf verschiedene Nüchtern-Blutzuckerwerte
(Empfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft, 2001)

  • Nüchternblutzucker 126 mg/dl (7.0 mmol/l) oder höher: Wiederholung. Bei Bestätigung ist Diabetes mellitus nachgewiesen.
  • Nüchternblutzucker 110 mg/dl (6.1 mmol/l) oder höher (aber kleiner als 126 mg/dl):
    Durchführung eines Zuckerbelastungstests.
  • Nüchternblutzucker 90 mg/dl (5.0 mmol/l) oder höher (aber kleiner als 110 mg/dl):
    Jährliche Kontrolle des Blutzuckerspiegels und anderer Risikofaktoren (Blutdruck, Blutfette, u.a.).

 

Hoher Blutzucker in Stresssituationen auch ohne Diabetes
Unter Stresssituationen wie schweren Infektionen, Verletzungen, Operationen, Herzinfarkt, Verbrennungen, starke Schmerzen oder anderen Belastungen kann der Blutzuckerspiegel beträchtlich erhöht sein. Unter solchen Umständen darf man den Blutzuckerwert nicht zur Diagnose eines Diabetes heranziehen.
Aber natürlich zeigen Diabetiker in solchen Situationen noch höhere Werte als Nicht-Diabetiker. Findet man also unter solchen Bedingungen stark erhöhte Blutzuckerwerte, sollte man eine spätere Kontrollmessung durchführen.

 

Was ist mit dem HbA1c?
Kurz gefasst: HbaA1c Bestimmung im Blut: wurde 2010 erstmals in die Diabeteskriterien aufgenommen!.
Wer sich über Blutzucker informiert, hat sicher schon vom HbA1c gehört. Das ist Hämoglobin (roter Blutfarbstoff), an das sich Blutzucker gebunden hat. Normalerweise findet man im Blut nicht viel HbA1c. Bei Personen mit häufig hohem Blutzucker findet man mehr. Und da Hämoglobin monatelang im Blut bleibt, kann die Bestimmung des HbA1c zeigen, ob der Blutzuckerspiegel in den letzten Wochen in Ordnung war. Der Nüchtern-Blutzuckerspiegel ist eine Momentaufnahme, das HbA1c sagt gewissermaßen etwas über den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel der letzten Zeit aus. Daher ist das HbA1c ein wertvoller Laborwert zur Kontrolle der Einstellung eines Diabetes. Früher wurde es aber aufgrund der nur unzreichend standardisierten Tests nicht zur Diagnose des Diabetes empfohlen. Seit 2010 ist das anders: es wurde erstmals in die Diabeteskriterien aufgenommen.
(American Diabetes Association, Diabetes Care, Vol. 33, Suppl.1, 2010)

 

Welche Zeichen hat ein erhöhter Blutzuckerspiegel (Hyperglykämie)?
Leicht erhöhte Blutzuckerspiegel werden nicht auffällig. Daher wird der Typ 2 Diabetes meist zufällig bei einer Blutuntersuchung erkannt. Höhere Gucosespiegel im Blut führen zu einer vermehrten Ausscheidung von Harn (Polyurie) und einer entsprechend vermehrten Trinkmenge (Polydipsie). Das kann mehrere Liter pro Tag ausmachen. Oft führt der Flüssigkeitsverlust über den Harn auch zur Austrocknung des Patienten (trockene Zunge, Hautfalten, die nach dem Aufheben stehen bleiben). Auch Müdigkeit und Schwindel beim Aufstehen können vorhanden sein.
Im Extremfall kann erhöhter Blutzucker einen Bewusstseinsverlust verursachen (sog. Hyperosmolares Koma; Blutzucker meist um 1000 mg/dl bzw. 55.5 mmol/l).
Ein hoher Blutzuckerspiegel führt zu häufigen Infektionen (Abszesse, Furunkel, Pilzinfektionen. Letzteres besonders bei Frauen in der Scheide - vaginale Candidainfektion).
Langfristig schädigt der erhöhte Blutzucker verschiedene Organe (Netzhaut des Auges, Niere, Nerven, Beindurchblutungsstörungen).
Andere Beschwerden und Zeichen des Diabetes kommen nicht durch den erhöhten Blutzucker sondern eher durch andere Begleiterscheinungen des Insulinmangels zu Stande: Gewichtsabnahme, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Azetongeruch der Atemluft.

 

Welche Zeichen hat ein verminderter Blutzuckerspiegel (Hypoglykämie, "Unterzucker")?
Ein starker oder plötzlich auftretender verminderter Blutzuckerspiegel ist eine Notsituation. Der Körper reagiert mit Adrenalinausstoß. Die Folgen sind Schwitzen, Nervosität, Zittern, Blässe, Herzklopfen. Auch Heißhunger tritt auf. Dazu kommt, dass dem Hirn Blutzucker fehlt. Verwirrtheit, rauschähnliche Zustände, Sehstörungen, Krampfanfälle, Lähmungen, Bewusstseinsstörungen bis zum Koma können die Folge sein.
 
Ab welchen Blutzuckerwerten passiert dies?
Das ist von Patient zu Patient sehr unterschiedlich. Es hängt davon ab, wie schnell der Blutzucker absinkt und an welche Spiegel der Patient gewohnt ist. Beschwerden können bei manchen unter 50 mg/dl auftreten, andere werden schon bei höheren Werte Symptome zeigen, wieder andere erst bei deutlich niedrigeren Werten. Gesunde Frauen, die fasten, können Werte unter 40 mg/dl ohne Beschwerden haben. Bei Werten unter 30 mg/dl ist es aber schon sehr wahrscheinlich das Beschwerden und Störungen auftreten.

Weil Patienten so unterschiedlich auf niedrige Blutzuckerspiegel reagieren, ist es manchmal gar nicht leicht zu sagen, ob ein gemessener, niedriger Blutzuckerspiegel die Beschwerden des Patienten verursacht. Im Zweifel hilft oft eine Blutzucker-Gabe (Glucose-Infusion). Bessern sich die Beschwerden, wird wohl der niedrige Blutzuckerspiegel deren Ursache gewesen sein.

Anzeichen eines erniedrigten Blutzuckerspiegels Anzeichen einer Hypoglykämie ("Unterzucker")
Nur als Beispiel zu verstehen. Wie oben erwähnt, ist die Reaktion auf niedrige Blutzuckerspiegel bei verschiedenen Patienten sehr unterschiedlich. Je nachdem, an welchen Blutzuckerspiegel der Patient gewöhnt ist.

(modifiziert nach Ganong, Review of Medical Physiology. Lange-Medical-Books/McGraw-Hill, 2001)

 

 

   
REFERENZ-
BEREICHE:
Nüchternblutzucker Bereich Einheit Bereich Einheit
Venöses Plasma* 60 - 109 mg/dl = mg% 3.3 - 6.0 mmol/l
Kapilläres Plasma* 60 - 109 mg/dl = mg% 3.3 - 6.0 mmol/l
Venöses Vollblut*
(Hämolysat)
60 - 99 mg/dl = mg% 3.3 - 5.5 mmol/l
Kapilläres Vollblut*
(Hämolysat)
60 - 99 mg/dl = mg% 3.3 - 5.5 mmol/l
*Für die Blutzuckermessung kann das Blut wie üblich aus
einer Vene abgenommen werden und in der Blutflüssigkeit
gemessen werden (Venöses Plasma). Man kann das Blut
aber auch durch Fingerstich gewinnen (Kapilläres Plasma).
Unabhängig davon kann der Blutzucker auch im "Gesamtblut"
nach Auflösung der roten Blutkörperchen (=Hämolyse)
bestimmt werden (Vollblut). Letzteres ist bei uns aber eher
unüblich.
   
DIABETES-
GRENZEN:
Empfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft, 2001
Nüchternblutzucker Bereich Einheit Bereich Einheit
Venöses
Plasma
>= 126 mg/dl = mg% >= 7.0 mmol/l
Kapilläres
Plasma
>= 126 mg/dl = mg% >= 7.0 mmol/l
Venöses Vollblut
(Hämolysat)
>= 110 mg/dl = mg% >= 6.1 mmol/l
Kapilläres Vollblut
(Hämolysat)
>= 110 mg/dl = mg% >= 6.1 mmol/l
Werden die Referenzbereiche überschritten aber die
Diabetesgrenzen (noch) nicht, spricht man von
"gestörter Nüchtern-Glucose" (=impaired fasting glucose, IFG).
   
 
Hinweis: aus isolierten, leichten Erhöhungen oder Erniedrigungen von Laborwerten kann man in den allermeisten Fällen keine Schlussfolgerungen auf irgendeine Erkrankung ziehen. Liegen also nur leichte Veränderungen vor, muss keineswegs irgendeine der nachfolgend genannten Erkrankungen oder Veränderungen vorliegen!
ERHÖHUNG DES NÜCHTERN- BLUTZUCKERS
(HYPERGLYKÄMIE,
"ZUCKER"):
Prinzipiell sind es drei Ursachen, die den Blutzucker erhöhen können:
  • Es wird zu wenig Insulin ausgeschüttet.
  • Das Insulin wirkt nicht, weil die Zellen darauf nicht reagieren.
  • Die vermehrte Wirkung blutzuckersteigender Faktoren (Hormone, Medikamente) führt zu erhöhtem Blutzucker.
  • dazu kommt eine Kombination der genannten Ursachen

 

Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) Typ 1
Diabetes mellitus Typ 1 tritt vorwiegend bei normalgewichtigen Kindern und Jugendlichen mit Symptomen wie großer Trinkmenge, großer Harnmenge, Gewichtsabnahme, Schwäche, ev. Juckreiz oder Infektionen der Haut auf. Seltener macht sich die Erkrankung gleich mit schweren Komplikationen wie Bewusstseinsverlust (Koma) bemerkbar. Blutzuckeruntersuchungen können den Verdacht meist leicht abklären (siehe Diabetes-Kriterien weiter oben). Auch die Antikörper gegen die Insulin-produzierenden Zellen sind meist nachweisbar.
Früher wurde dieser Typ von Zuckerkrankheit auch als Insulin-abhängiger Diabetes mellitus (Insulin-dependent Diabetes Mellitus, IDDM)  bezeichnet. Oder auch als Juveniler Diabetes. Und tatsächlich tritt der Diabetes mellitus Typ 1 meist bei Kindern und Jugendlichen auf und meist wird eine Behandlung mit Insulin erforderlich. Selten kann er aber in höherem Alter, ja sogar bei über 80-Jährigen auftreten. Und Insulin braucht man auch für die Behandlung anderer Diabetes-Typen. Daher hat man die Bezeichnung Insulin-abhängiger oder Juveniler Diabetes weitgehend verlassen.
Ursache des Diabetes mellitus Typ 1 ist ein Insulinmangel auf Grund einer Zerstörung der Insulin-produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse durch unser eigenes Abwehrsystem. Diabetes mellitus Typ 1 ist also eine sog. Autoimmunkrankheit, bei der sich unsere Abwehr, die uns normalerweise vor Infektionen schützen soll, gegen unsere eigenen Zellen richtet. Warum das passiert, weiß man auch beim Diabetes mellitus Typ 1 nicht, aber man weiß, dass bestimmte ererbte Eigenschaften ein erhöhtes Risiko mit sich bringen.

 

Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) Typ 2 (häufigste Form)
Der Patient mit Diabetes mellitus Typ 2 ist typischer Weise über 40, übergewichtig, hat eine rote, "gesunde" Gesichtsfarbe und vielleicht noch hohen Blutdruck. Bewegungsmangel kommt häufig hinzu. Entdeckt wird Diabetes mellitus Typ 2 meist zufällig, bei einer Kontrolle des Blutzuckerspiegels. Seltener sind es Symptome wie große Trinkmenge, große Harnmenge, Infektionsneigung (Abszesse, Furunkel, Pilzinfektionen u.a.), Müdigkeit oder andere Beschwerden die den Verdacht begründen. Die Verdachtsdiagnose wird durch Erfüllung der oben genannten Diabetes-Kriterien bestätigt.
Früher wurde dieser Typ von Zuckerkrankheit auch als Insulin-unabhängiger Diabetes mellitus (Non-Insulin-dependent Diabetes Mellitus, NIDDM)  bezeichnet. Oder auch als Erwachsenen-Diabetes. Und tatsächlich tritt der Diabetes mellitus Typ 2 meist bei Erwachsenen auf und eine Behandlung mit Insulin ist oft nicht erforderlich. Selten kann er aber in frühen Jahren auftreten. Und Insulin braucht man auch nicht so selten für die Behandlung. Daher hat man die Bezeichnung Insulin-unabhängiger oder Erwachsenendiabetes weitgehend verlassen.
Ursache des Diabetes mellitus Typ 2 ist weniger ein Mangel an Insulin, als ein Nicht-Reagieren der Zellen auf Insulin. Später kann ein Mangel an Insulin dazukommen. Warum es dazu kommt, ist weniger klar. Auch beim Diabetes mellitus Typ 2 ist eine Neigung zu der Erkrankung erblich.

 

Schwangerschaftsdiabetes
Da in der Schwangerschaft eine Neigung zu erhöhten Blutzuckerspiegeln besteht und diese dem Kind schaden könnten, wird in jeder Schwangerschaft nach dem Vorliegen eines Schwangerschaftsdiabetes der Mutter gesucht. Wann und wie getestet wird, wird nicht ganz einheitlich gehandhabt und eifrig von Experten diskutiert.
 
Wann wird nach dem Schwangerschaftsdiabetes gesucht?

Liegen Risikofaktoren vor (hohes Alter, Fettleibigkeit, starke Gewichtszunahme in der Schwangerschaft, Diabetesfälle in der Familie, frühere Früh- oder Fehlgeburten, frühere Geburten mit Geburtsgewichten >4000g) sollte man sobald wie möglich testen und die Tests in der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche wiederholen. Schwangere mit normalem Risiko testet man in der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche.

Wie erkennt man den Schwangerschaftsdiabetes?
Findet man einen Nüchternblutzuckerspiegel von 126 mg/dl (7.0 mmol/l) oder einen zu einem beliebigen Zeitpunkt gemessenen Spiegel von 200 mg/dl (11.1 mmol/l) oder höher, dann ist damit die Diagnose Diabetes gestellt (Werte gelten für die Blutflüssigkeit eines Blutes, das aus einer Vene abgenommenem wurde).
Findet man keine so hohen Werte muss man einen Zuckerbelastungstest durchführen. Dabei gibt es verschiedene Varianten, die sich in der Menge des einzunehmenden Zuckers und in den zulässigen Grenzwerten unterscheiden. Es besteht keine Einigkeit, welcher Test und welche Grenzwerte ideal sind. Nachfolgend sind die Grenzen für die 100 g Blutzucker-Belastungsprobe angeführt.

100 g Belastung mg/dl mmol/l
Nüchternwert 95 5.3
1h-Wert 180 10.0
2h-Wert 155 8.6
3h-Wert 140 7.8
Werden bei dem Test 2 oder mehr dieser Grenzen erreicht oder
übertroffen, gilt dies als Zeichen für einen Schwangerschaftsdiabetes.
Der Test sollte am Morgen nach einer 8-14h Fastenperiode durchgeführt

werden. In den letzten 3 Tagen sollte man keine Diät gehalten haben.
Während des Tests sollte die Schwangere sitzen und nicht rauchen.
Die Werte gelten für die Blutflüssigkeit eines Blutes, das aus einer
Vene entnommen wurde.
(American Diabetes Association, Diabetes Care, Vol.33, Suppl.1, 2010)

  

HbA1c zur Erkennung des Schwangeschaftsdiabetes?
(American Diabetes Association, Diabetes Care, Vol.33, Suppl.1, 2010)
Am Beginn einer Schwangerschaft, kann man die ganz normalen Diabetes-Kriterien zur Diagnose verwenden. Da spielt das HbA1c eine Rolle. [Ein am Beginn einer Schwangerschaft erkannter Diabetes ist allerdings nicht wirklich ein Schwangerschaftsdiabetes sondern ein Diabetes, den man anlässlich der Schwangerschaft entdeckt hat].
Für die Untersuchung in der 24-28 Woche ist das HbA1c ungeeignet [weil einerseits der Hämoglobinstoffwechsel verändert sein kann und andererseits das HbA1c zu sehr "in die Vergangenheit blickt", was in diesem Fall nicht erwunscht ist].

Was macht man, wenn ein Schwangerschaftsdiabetes vorliegt?
Kohlenhydratarme Diät, häufige Blutzuckerkontrollen jeweils vor und nach dem Essen, verstärkte Kontrollen in der Schwangerschaft. Eventuell Insulinbehandlung. 6 Wochen oder länger nach der Geburt und in der Folge alle 3 Jahre sollte man den Blutzuckerspiegel der Frau kontrollieren. Patientinnen mit Schwangerschaftsdiabetes haben ein erhöhtes Risiko, später (eventuell erst nach vielen Jahren) einen Diabetes zu entwickeln.


Wie groß ist bei Schwangerschaftssdiabetes das Risiko für das Kind?
Vorweg: Die Mehrzahl der Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes bringen völlig gesunde Kinder zur Welt.
Das Risiko von verschiedenen Komplikationen und Fehlbildungen ist bei Schwangerschaftsdiabetes etwas erhöht. Besonders ein zu hohes Geburtsgewicht kommt häufig vor. Für die meisten Probleme gilt: je höher der Blutzuckerspiegel, desto höher das Risiko. Bei optimaler Behandlung ist das Risiko kaum höher als bei einer ganz normalen Schwangerschaft.

 

Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse
Jede Erkrankung, bei der größere Anteile der Bauchspeicheldrüse geschädigt werden, kann einen erhöhten Blutzuckerspiegel und einen Diabetes verursachen.
  • Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis)
  • Tumor (Karzinom) der Bauchspeicheldrüse
  • Entfernung der Bauchspeicheldrüse (Operation)
  • Verletzung der Bauchspeicheldrüse
  • Schädigung der Bauchspeicheldrüse bei Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose)
  • Schädigung der Bauchspeicheldrüse bei Cystischer Fibrose (Mucoviscidose; Erbschaden mit abnorm zäher Schleimbildung in verschiedenen Drüsen)

 

Hormonstörungen, die den Blutzucker erhöhen können
Viele Hormone wirken blutzuckersteigernd, meist, weil sie die Insulinwirkung aufheben, seltener, weil sie die Insulinausschüttung verringern. Werden solche Hormone vermehrt produziert, kann der Blutzuckerspiegel erhöht sein und eine Zuckerkrankheit entstehen. Meist sind es Tumoren, die die vermehrte Hormonausschüttung verursachen. Die Tumoren sind überwiegend gutartig.
Diagnose: Bei entsprechendem Verdacht kann man den Spiegel des jeweiligen Hormons im Blut messen und dann ev. Spezialuntersuchungen anschließen.

Überproduktion von

  • Wachstumshormon - Akromegalie (meist Tumor der Hirnanhangsdrüse)
  • Cortisol aus der Nebennierenrinde - Cushing-Syndrom (Tumor der Hirnanhangsdrüse oder der Nebennierenrinde).
  • Aldosteron aus der Nebennierenrinde - Conn-Syndrom (meist Tumor der Nebennierenrinde)
  • Katecholaminen aus dem Nebennierenmark (Phäochromozytom; Tumor des Nebennierenmarks)
  • Schilddrüsenhormonen - Hyperthyreose (Autoimmunentzündung oder Tumor der Schilddrüse)
  • Glukagon - Glukagonom (Glukagon-produzierender Tumor der Bauchspeicheldrüse)
  • Vasoaktivem Intestinalen Polypeptid - Vipom in der Bauchspeicheldrüse (Verner-Morrison-Syndrom)
  • Somatostatin (Somatostatinom in der Bauchspeicheldrüse)

 

Stresssituationen
Wie schon erwähnt kann unter Stresssituationen wie schweren Infektionen, Verletzungen, Operationen, Herzinfarkt, Verbrennungen, starken Schmerzen oder anderen Belastungen der Blutzuckerspiegel beträchtlich erhöht sein. Unter solchen Umständen darf man den Blutzuckerwert nicht zur Diagnose eines Diabetes heranziehen.

 

Schädigungen des Gehirns
Schwere Infektionen, Verletzungen des Gehirns oder ein Schlaganfall können wegen der im vorigen Punkt beschriebenen Stresssituation des Organismus zu höheren Blutzuckerspiegeln führen. Darüber hinaus kann aber auch eine Fehlsteuerung der Hirnanhangsdrüse dazu beitragen.

 

Infektionen
Eine angeborene Rötelnerkrankung (Übertragung von der Mutter), eine Zytomegalie-Virusinfektion, Mumps und andere Infektionen können (selten) einen Diabetes verursachen.

 
Durch Medikamente oder Gifte verursachte Blutzuckererhöhung
Viele Medikamente können den Blutzucker erhöhen. Eher selten wird durch Medikamente ein Diabetes beim Gesunden wirklich verursacht. Es kann aber ein bisher noch nicht auffällig gewordener Diabetes durch das Medikament zu Tage treten.
Zu den in Frage kommenden Medikamenten gehören manche Blutdruckmittel, manche harntreibenden Substanzen (Diuretika), manche Psychopharmaka, Hormone und hormonähnliche Medikamente (z.B. Cortison, Wachstumshormon, Schilddrüsenhormon), manche Zytostatika, manche Parasiten-Medikamente (Pentamidin - Lomidine), Beta-Sympathomimetika (Asthmamittel, Wehenmittel; auch als Dopingmittel missbraucht) und andere. Auch die in der Intensivmedizin verwendeten Katecholamine (z.B. Adrenalin) können den Blutzucker erhöhen.

Patienten unter alpha-Interferon (Hepatitis-Behandlung) können Antikörper bilden, die die Insulin-produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstören können.
Verschiedene Gifte können ebenfalls die Insulin-produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstören und einen schweren Diabetes verursachen (z.B. Alloxan oder das Rattengift Vacor)

 

Seltene Ursachen eines erhöhten Blutzuckers
Schäden der Erbguts der Insulin-herstellenden Zellen
Die beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse schütten bei Bedarf Insulin aus. Verschiedene erbliche Fehler können diese Funktion der Zellen stören. Diese Erkrankungen treten meist bis zum 25 Lebensjahr auf, die Patienten sind nicht übergewichtig. Ansonsten ähnelt die Krankheit aber eher einem Diabetes Typ 2, also einem Erwachsenendiabetes (man kommt in der Behandlung meist ohne Insulin aus). Daher werden Erkrankungen dieser Gruppe auch "Erwachsenendiabetes des jungen Menschen" genannt (engl. "maturity-onset diabetes of the young", kurz "MODY").
 
Genetische Fehler mit verminderter Insulinwirkung
Verschiedene angeborene Fehler des Erbguts führen dazu, dass die Zellen nicht auf das Insulin reagieren. Erkrankungen treten in der Kindheit auf, manche später. Meist sind schwere Missbildungen damit verbunden.

Nur namentlich erwähnt seien: die Insulinresistenz Typ A, der Leprechaunismus, das Rabson-Mendenhall-Syndrom und der Lipatrophische Diabetes.
 
Andere Schäden des Erbguts, die manchmal mit Diabetes einhergehen können
Dazu gehören überwiegend Krankheiten, die schon im Kindes- oder Jugendalter zu Tage treten. Meist sind schwere Missbildungen damit verbunden.
Nur namentlich erwähnt seien: das Down-Syndrom (Trisomie 21),  das Klinefelter-Syndrom, das Turner-Syndrom, das Wolfram-Syndrom (= DIDMOAD-Syndrom), die Friedreich-Ataxie, die Chorea Huntington, das Laurence-Moon-Biedl-Syndrom, die Myotone Dystrophie, Porphyrien und das Prader-Willi-Syndrom.
Seltene, autoimmun-bedingte Formen von Diabetes
Bei Autoimmunerkrankungen greift unsere Abwehr unseren eigenen Körper an. Wie oben beschrieben, erfolgt beim Typ 1 Diabetes eine Zerstörung der Insulin-produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse durch unsere eigenen Abwehrzellen. Aber es gibt auch (seltene) Erkrankungen, bei denen Antikörper gegen Insulin-Rezeptoren (das sind die Stellen auf den Zellen, an die das Insulin ankoppeln muss, um zu wirken) vorkommen. Dadurch wird die Insulinwirkung blockiert. Man nennt diesen Zustand auch Insulinresistenz Typ B.
In diese Gruppe gehört auch das "Stiff-man"-Syndrom, eine Erkrankung des mittleren Lebensalters mit Steifheit der Muskulatur und erhöhtem Blutzucker. Bei dieser Erkrankung findet man Antikörper gegen ein bestimmtes Enzym der Zellen (die Glutamatdecarboxylase).
   
VERMINDERUNG DES NÜCHTERN-
BLUTZUCKERS
(HYPOGLYKÄMIE,
"UNTERZUCKER"):
Über Zeichen und Beschwerden bei Hypoglykämie (siehe oben)
 
Durch Medikamente oder Gifte ausgelöst (häufigste Ursache)
  • Medikamente gegen Zuckerkrankheit (sehr häufig)
    (Insulin, Antidiabetika-Tabletten). Ursache ist zu große Dosis, zu geringe Nahrungsaufnahme oder besondere, unvorhergesehene Situationen (z.B. Anstrengung, Unfall, Brechdurchfall, Infekt).
  • Alkohol (häufig)
    Kommt insbesondere dann vor, wenn man nach längerem Fasten Alkohol zu sich nimmt (oder wenn einige Tage nur Alkohol konsumiert wurde). Der Alkoholspiegel muss dabei gar nicht so hoch sein.  Ursache: nach längerem Fasten muss die Leber durch Zuckerneubildung dafür sorgen, dass der Blutzuckerspiegel nicht zu weit abfällt. Alkohol behindert diese Funktion - Unterzucker entsteht. Beim Alkoholiker ist die Leber oft zusätzlich vorgeschädigt.
  • Andere Medikamente (seltener)
    Z.B.: Aspirin-ähnliche-Medikamente (bes. bei Kindern), manche Betablocker (Herzmedikamente), Chinin (Malariamedikament), Pentamidin (Antibiotikum).

 

Verminderung des Blutzuckers nach Mahlzeiten
(=reaktive, auch postalimentäre oder prostprandiale Hypoglykämie genannt)

a) Spontane Hypoglykämie bei vegetativer Labilität (häufig)
Häufig kann man für einen Abfall des Blutzuckerspeigels nach Mahlzeiten keine Ursache finden. Wie nicht selten in der Medizin verschleiert man dies durch letztlich nichtssagende Fremdwörter. Wie z.B. "Spontane Hypoglykämie bei vegetativer Labilität". Deutsch: "Von selbst entstehender Unterzucker bei Unbeständigkeit des nicht unserem Willen unterworfenen Teil des Nervensystems".
Aus unbekannter Ursache zeigen manche Menschen nach Nahrungsaufnahme Zeichen (Beschwerden) eines zu geringen Blutzuckerspiegels (siehe oben). Da diese Beschwerden aber auch durch andere Ursachen auftreten könnten, sollte man sie nur dann auf niedrigen Blutzucker zurückführen, wenn eine Gabe von Zucker die Beschwerden bessert.

b) Zustand nach Operationen
Nach Operationen, die am Magen oder Dünndarm Veränderungen vorgenommen haben (z.B. Magenentfernung), kann es passieren, dass es zu einem raschen Eintritt von Nahrung in den Darm und damit zu einer plötzlichen Aufnahme von Zucker aus dem Darm kommt. Als Reaktion wird sehr viel Insulin ausgeschüttet. Dies kann dann, ca. 1 bis 3h nach der Mahlzeit, zu einer Verminderung des Blutzuckerspiegels führen.

c) Seltene, erbliche Erkrankungen des Stoffwechsels
Kommt bei Kindern vor. Manche Zuckerarten können nicht verarbeitet werden. Aufnahme des Zuckers, der nicht verarbeitet werden kann, hemmt die Zuckerneubildung in der Leber und führt zum niedrigen Blutzuckerspiegel.

  • Galaktosämie - Galaktoseintoleranz: tritt wenige Tage nach erster Milchfütterung auf
  • Fruchtzucker-Intoleranz

d) Bestimmte Eiweißbestandteile in der Nahrung (meist bei Kindern)
Die Aminosäure Leucin kann bei leucinempfindlichen Menschen einen verminderten Blutzuckerspiegel auslösen.

e) Anfangsstadium einer Zuckerkrankheit
Es wird diskutiert, ob es in der Frühphase einer Zuckerkrankheit zu Hypoglykämie kommen kann, die durch Nahrungsaufnahme ausgelöst wird. Als Ursache wird ein verzögerter, dafür aber überschießender Ausstoß von Insulin angenommen.

 

Verminderung des Blutzuckers in Hungerphasen
Mit "Hungerphase" ist gemeint: nicht im Anschluss an eine Mahlzeit auftretend (im Gegensatz zu den im vorigen Punkt beschriebenen Krankheitsbildern).

a) bei Säuglingen und Kindern

  • Erbliche Fehler des Stoffwechsels
    • Störungen der Zuckerabgabe der Leber
      (Glucose-6-Phosphatase-Mangel, Fructose-1,6-Diphosphatasemangel, Glykogen-Synthetase-Mangel,..)
    • Störungen der Fettverwertung (dadurch wird vom Körper statt Fettbestandteilen sehr viel Zucker verbraucht)
  • Selten ein Insulin-produzierender Tumor

b) bei Erwachsenen

  • Insulin-produzierender Tumor (selten, meist gutartig)
  • Ausgedehnte Tumoren, die einen Insulin-ähnlichen Faktor produzieren
  • schwere Lebererkrankungen
  • schwere Nierenerkrankungen
  • Autoimmun-verursachte Hypoglykämien (selten)
    Unser Abwehrsystem bildet dabei Antikörper, die sich gegen uns selbst richten. Diese können verschiedene, blutzuckersenkende Effekte auslösen (z.B.: Aktivierung des Insulinrezeptors der Zellen. Folge: der Blutzucker sinkt. Oder: kurzfristige Bindung eines Antikörpers an Insulin nach der Nahrungsaufnahme, Freigabe des Insulins etwas später, wenn wir es eigentlich nicht mehr brauchen würden. Folge: der Blutzucker sinkt).

c) altersunabhängig

  • schwerste Abmagerung (Kachexie)
  • Blutvergiftung mit Schockzustand (Endotoxinschock)
  • Verminderte Ausschüttung von Hormonen der Hirnanhangsdrüse (Mangel an Wachstumshormon und ACHT/Cortisol)
  • Verminderte Hormonausschüttung der Nebennierenrinde
    (Nebennierenrindeninsuffizienz - Morbus Addison)

 

   

 

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Letzte Änderung 2010-04-04

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