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  KREATININ-CLEARANCE

 

Kreatinin-Clearance - Übersicht
Univ.Doz.Dr.med. Wolfgang Hübl
Info - Referenzbereich - Clearance-Rechner - Erhöhung - Verminderung
 
NAME:
Der Wortteil Kreat- leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet Fleisch.
Clearance kommt aus dem Englischen: Säuberung, Räumung.
   
INFO:
Was ist Kreatinin?
Dazu ist es notwendig, zuerst über das Kreatin zu sprechen. Das Kreatin kommt in den Muskeln des Menschen vor. Es ist ein Stoff, der Energie speichern kann und bei Bedarf (Muskelarbeit) wieder abgeben kann. Ca. 1-2% des Muskelkreatins werden pro Tag zu Kreatinin abgebaut. Das Kreatinin ist das Abbauprodukt des Kreatins.
Das Kreatinin hat - soweit bekannt - keine Funktion, es ist eine Art Abfall, der über die Niere ausgeschieden wird.

 

Was ist die Kreatinin-Clearance?
Die Kreatinin-Clearance ist ein Test der Nierenfunktion.
Sie ist definiert als das Volumen Blutflüssigkeit, das von der Niere pro Minute vom Kreatinin komplett gereinigt wird. Das ist natürlich nur eine theoretische Zahl, denn es ist ja nicht so, dass ein bestimmter Teil der Blutflüssigkeit komplett vom Kreatinin gereinigt wird und der Rest des Blutes gar nicht. Trotzdem hat sich die Kreatinin-Clearance als anschauliches Maß für die Leistung der Niere erwiesen. Je niedriger die Kreatinin-Clearance desto schlechter funktioniert der Niere.

 

Was muss man zur Ermittlung der Kreatinin-Clearance tun?

  • Harn sammeln, am besten 24h lang
    Zum Zeitpunkt X, z.B. 7h in der Früh nach dem Aufstehen, muss die Blase komplett entleert werden (diesen Harn noch nicht sammeln!). Ab diesem Zeitpunkt muss der Harn komplett, 24h lang gesammelt werden. Die letzte Portion muss also um 7h des nächsten Tages gesammelt werden und dabei muss die Blase wieder komplett entleert werden.
  • Harnmenge messen
  • Einen Teil des Harnes in ein Röhrchen umschütten (vorher noch einmal gesamte Menge mischen)
  • Blutabnahme
    Manche empfehlen eine Blutabnahme in der Mitte der Harnsammelperiode, andere empfehlen zwei Blutabnahmen, am Anfang und am Ende.
  • Einsenden des Blutes und des Harns ins Labor, dort Bestimmung der Kreatinin-Konzentration in Harn und Blutflüssigkeit

 

Wie berechnet man die Kreatinin-Clearance?
Die Berechnung ist zwar einfach, erfordert aber etwas chemisches Vorwissen. Sie soll daher an dieser Stelle nur prinzipiell erklärt werden:
Man misst Kreatinin im Harn, den man 24h lang gesammelt hat (=24h-Harn) und dessen Volumen (Menge) man gemessen hat. Aus diesen Ergebnissen kann man die Menge Kreatinin berechnen, die innerhalb von 24h ausgeschieden wurde.
Jetzt misst man noch die Konzentration in der Blutflüssigkeit und kann dann berechnen, in wieviel Liter Blutflüssigkeit die im Harn gefundene Menge enthalten wäre. So kommt man auf die theoretische Menge Blutflüssigkeit, die vom Kreatinin gereinigt wurde.

Beispiel: Hat man im 24h-Harn 1200 mg Kreatinin gefunden und hat der Patient eine normale Kreatininkonzentration im Blut von 1 mg/dl (=10 mg/l), dann wurden also 120 Liter Blut in 24h gereinigt (1200/10=120). 120 Liter sind 120000 ml. Pro Tag. Das ergibt pro Minute 83 ml (120000/(24*60)=83).

Auch von Größe und Gewicht eines Menschen hängt seine Clearance ab. Um das zu berücksichtigen, ermittelt man aus Gewicht und Größe des Patienten die Körperoberfläche. Diese beträgt durchschnittlich 1.73 m2. Auf diese Durchschnittsoberfläche werden die Clearance-Ergebnisse standardisiert.
Für einen sehr großen, massiven Menschen ist eine Clearance von 80 ml/min etwas wenig, für einen zierlichen, kleineren ausreichend. Dadurch, dass man die Clearance auf die Körperoberfläche standardisiert, kann man Ergebnisse verschiedener Menschen besser vergleichen.

 
Die Clearance
 

Schema der Clearance

Das vielleicht ungewohnte Konzept der Clearance bildlich dargestellt: Rechts das gelbe Rechteck sei der Harn, den man in einer bestimmten Zeit, z.B. 24h ausgeschieden hat. Nehmen wir an, das wäre 1 Liter Harn. In diesem sind 48 schwarze Punkte. Diese hat die Niere in der Sammelperiode von 24h ausgeschieden. Jetzt berechnet man, in wieviel Liter Blut diese 48 schwarzen Punkte enthalten sind. Da die Konzentration der Punkte im Blut niedriger ist, ist das natürlich eine größere Menge als die Harnmenge. Sie wird durch blass-gelbe Linien eingegrenzt. Es sind etwa 3l, also 3000 ml.
Dies ist die Menge Blut, die theoretisch in 24h von den Punkten von der Niere gereinigt wurde. Da man die Clearance aber in ml pro Minute angibt, dividiert man das ganze noch durch 1440 (soviel Minuten haben 24h). Die Clearance ist ein Maß für die Leistung der Niere.

 

Die Formel
Der Vollständigkeit halber und für Interessierte:

Berechnungsformel für Kreatinin-Clearance

Clearance: Kreatinin-Clearance in ml/min
Kreat.-Konz. Harn: Kreatinin-Konzentration im Harn in beliebiger Einheit
Harnvolumen: das Volumen des gesammelten Harns in ml
Kreat.-Konz. Plasma: Kreatinin-Konzentration in der Blutflüssigkeit; gleiche Einheit wie im Urin verwenden
Sammelzeit: Angabe der Sammelzeit in Minuten; meist 24*60  (= 1440)
Körperoberfläche: Aus Diagrammen (Nomogrammen) zu ermitteln; in m2; wenn Angaben fehlen, 1.73 einsetzen

KREATININ-CLEARANCE-RECHNER
inkl. Berechnung der Körperoberfläche

(Mit Netscape 4.72 nicht verwendbar)

 

DEZIMALTRENNZEICHEN: PUNKT
(Beispiel: 3.4 nicht 3,4)

Sie können damit natürlich auch die
Clearance anderer Stoffe ausrechenen.

 

Warum gerade Kreatinin?
Es gibt viele Stoffe, die über die Niere ausgeschieden werden, was macht gerade Kreatinin so geeignet?

  • Aus den Muskeln des Körpers wird Kreatinin ziemlich gleichmäßig frei. Das ist wichtig, denn dadurch hängt der Kreatininspiegel im Blut und die Clearance fast nur von der Nierenleistung ab.
  • Die Niere hat verschiedene Funktionen (siehe Einschub "Die Funktion der Niere"). Zur Beurteilung der Schwere vieler Nierenkrankheiten ist vor allem die Filtrationsleistung der Niere wichtig. Und gerade diese Filtration lässt sich mit dem Kreatinin gut testen, weil das Kreatinin fast ausschließlich filtriert wird. Die Sekretion und Rückresorption haben bei Kreatinin im Normalfall eine geringere Bedeutung.

Die Kreatinin-Clearance hilft daher, auf relativ einfache Weise die wichtige sog. glomeruläre Filtrationsrate abzuschätzen. Diese beschreibt, wieviel Blutflüssigkeit pro Minute von der Niere abfiltriert wird. Diese Filtration geschieht in den Glomeruli der Niere, daher der Name (siehe Einschub "Die Funktion der Niere").

 

 
Die Funktion der Niere
 

Schema eines Nephrons Hauptaufgaben: entsorgt Abfallprodukte, reguliert das Körperwasser, reguliert viele andere Stoffe (z.B. Natrium, Kalium).
Dazu enthält jede Niere ca. 1 Million sog. Nephrons. Eines ist links dargestellt. In den Nephrons wird das Blut filtriert (Filtration, hellgraue Pfeile), und zwar in einem Knäuel aus kleinsten Blutgefäßen, dem Glomerulus. Dabei werden pro Tag 180(!) Liter sog. Primär-Harn (Erst-Harn) abfiltriert. Er enthält außer dem Eiweiß und den Zellen fast alles, was im Blut ist. Also viel mehr als wir loswerden wollen.
Dieser Primär-Harn fließt dann durch die Nierenröhrchen (Tubuli). Währenddessen holt sich die Niere aus dem Primär-Harn manche Stoffe und viel Wasser wieder zurück (Rückresorption, roter Pfeil) und scheidet andere Stoffe zusätzlich aus (Sekretion, gelber Pfeil). Viele Stoffe werden in den Röhrchen ausgeschieden und dann wieder rückresorbiert, oder umgekehrt. Dieser scheinbar sinnlose Vorgang ermöglicht eine genaue Regulation der Ausscheidung eines Stoffes.
Am Ende bleiben dann etwa 1.5 Liter Harn pro Tag übrig.

 
Wann bestimmt man die Kreatinin-Clearance?

  • Beurteilung der Nierenfunktion. Insbesondere die Filtrationsrate der Niere lässt sich damit abschätzen.
  • Das Kreatinin im Serum kann bei leichten Nierenschäden noch normal sein, die verminderte Clearance kann aber den Nierenschaden bereits anzeigen.
  • Kontrolle der Nierenfunktion während der Behandlung mit eventuell nierenschädigenden Medikamenten oder bei Intensivpatienten. Dabei ist wichtig ob die Clearance gleich bleibt oder sinkt.
  • Beurteilung, ob eine Blutwäsche (Dialyse) notwendig ist.
  • Erstellen eines Blutwäsche-Behandlungsplanes
    (mit der Clearance wird beurteilt, was die Niere selbst noch leisten kann)

 

Was man bei der Beurteilung des Kreatinin-Clearance beachten muss

  • Referenzwerte (Normalwerte) sind altersabhängig. Die Clearance nimmt mit dem Alter ab. Altersgerechte Vergleichswerte sind also notwendig.
  • Ist die Filtrationsrate der Niere nur leicht eingeschränkt, kann die Kreatinin-Clearance bei manchen noch im Normalbereich liegen. Erst eine Clearance über 115 ml/min/1.73 m2 lässt mit Sicherheit auf eine normale Filtrationsrate schließen.
  • Bei schwerer Herzschwäche sieht die Clearance oft schlechter aus (also niedriger) als es die Filtrationsrate rechtfertigen würde. Bei deutlichen Proteinverlust im Harn (nephrotisches Syndrom) ist es umgekehrt, da sieht die Clearance oft besser aus (ist also höher), als es der Filtrationsrate entsprechen würde.

 
Ab wann muss bei langsam verlaufendem (chronischen) Nierenversagen eine Dialyse (Blutwäsche) durchgeführt werden?

Da richtet man sich nicht nur nach der Kreatinin-Clearance. Meist wird dialysiert, wenn

  • Zeichen einer Urämie (Harnvergiftung) vorliegen,
  • eine unbeherrschbare Erhöhung des Kaliums oder
  • eine unbeherrschbare Übersäuerung (Azidose) auftritt,
  • wenn Flüssigkeitsüberladung mit Ödemen auftritt,
  • eine Blutungsneigung vorliegt oder
  • die Kreatinin-Clearance < 10 ml/min ist.
   
REFERENZ-
BEREICH:
  Bereich Einheit
Männer 97 - 137 ml/min/1.73 m2
Frauen 88 - 128 ml/min/1.73 m2
Detaillierte, altersabhängige
Referenzbereiche in Blut und Harn
   
 
Hinweis: aus isolierten, leichten Erhöhungen oder Erniedrigungen von Laborwerten kann man in den allermeisten Fällen keine Schlussfolgerungen auf irgendeine Erkrankung ziehen. Liegen also nur leichte Veränderungen vor, muss keineswegs irgendeine der nachfolgend genannten Erkrankungen oder Veränderungen vorliegen!
Erhöhung haben wenig diagnostische Bedeutung.
  • Frühstadien der Zuckerkrankheit
  • Schwangerschaft

 

   
VERMIN-
DERUNG:
Chronisch (langsam verlaufendes) Nierenversagen

Eine überaus große Anzahl von Erkrankungen kann zum chronischen Nierenversagen führen. Es seien hier nur die häufigsten angeführt:
(Quelle Ritz E., Andrassy K, 'Die Niere' in Schettler/Greten Innere Medizin, Thieme Verlag).

  • Nierenschädigung durch Zuckerkrankheit (40%)
  • Glomerulonephritis (25%)
    Entzündung der Glomeruli, also der Filter der Niere. Die häufigste Form tritt meist 1 bis 3 Wochen nach einer Infektion mit bestimmten Bakterien auf. Meist nach Angina oder Mandelentzündung, seltener nach Hautinfektionen.
  • "Chronische Pyelonephritis" (15%)
    Langandauernde oder immer wiederkehrende, bakterielle Entzündungen der Niere. Wird begünstigt durch das Vorliegen von Abflusshindernissen oder Rückflusskrankheit (Refluxnephropathie).
  • Zystennieren (=polyzystische Nierendegeneration)
    Erbkrankheiten mit einer Vielzahl von Hohlräumen (Zysten) in beiden Nieren und ev. anderen Organen. Häufigste Form wird dominant vererbt, es ist also durchschnittlich jedes 2. Kind eines Erkrankten betroffen.
    Anmerkung: es gibt auch einzelne Nierenzysten, also Hohlräume in der Niere. Diese verursachen kaum Probleme. Man findet sie zufällig im Ultraschall, werden im Alter häufiger.
     
  • Analgetika-Nephropathie (5%)
    Langfristige Einnahme von nierenschädigenden Schmerzmitteln.
  • Nierenschädigung durch Unterdurchblutung (5%)
    "Gefäßverkalkungen", Gefäßverdickungen; oft als Folge eines Bluthochdrucks.

Amerikanische Statistiken geben die Zuckerkrankheit (33%), den Bluthochdruck (24%), die Glomerulonephritis (17%) und Zystennieren (5%) als häufigste Ursachen eine chronischen Nierenversagens an.

 

Akutes (plötzliches) Nierenversagen

Ursachen:

  • Mangelnde Durchblutung der Niere
    Schock, Blutdruckabfall, Blutvergiftung (Sepsis) nach Operationen oder Verbrennungen. Führt wegen des verminderten Blutflusses durch die Niere zu einer verminderten Filtrationsrate und damit zum Kreatinin-Anstieg. Extreme Mangeldurchblutung kann auch zur Schädigung des Nierenröhrchensystems führen.
    Auch extreme Flüssigkeitsverluste bei Durchfällen, Darmlähmung (=Ileus; Flüssigkeit geht in den Darm) oder akuten Entzündungen der Bauchspeicheldrüse (Flüssigkeit geht in den Bauchraum) können ein akutes Nierenversagen auslösen.
  • Schädigung der Niere durch Gifte, Medikamente, Hämoglobin, Myoglobin
    Sehr viele Gifte aber auch viele Medikamente können die Niere schädigen. Das massive Freiwerden von Hämoglobin (roter Blutfarbstoff) aus roten Blutkörperchen (Hämolyse) kann die Niere ebenfalls schädigen. Ebenso das massive Freiwerden von Myoglobin (Muskeleiweiß) bei ausgedehntem Muskelzerfall. Im letzteren Fall steigt das Kreatinin manchmal besonders rasch (mehr als 2 mg/dl im Tag).
  • Entzündungen der Niere
    Glomerulonephritis (Entzündung der Glomeruli, also der Filter der Niere. Die häufigste Form tritt meist 1 bis 3 Wochen nach einer Infektion mit bestimmten Bakterien auf. Meist nach Angina oder Mandelentzündung, seltener nach Hautinfektionen)
    Interstitielle Nephritis (nicht die Glomeruli sondern das übrige Nierengewebe ist vor allem betroffen; eine akute interstitielle Nephritis kann durch Bakterien, Viren, Medikamentenallergien oder durch eine Autoimmunerkrankung verursacht sein)
  • Beidseitige Abflusshindernisse
    Abflusshindernisse, z.B. Nierensteine, betreffen meist nur eine Niere, die andere springt ein. Nur wenn aus irgendeinem Grund der Abfluss beider Nieren verlegt ist, (kann z.B. bei Prostatavergrößerung vorkommen), kommt es zum Anstieg des Kreatinins.

 

   

 

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Letzte Änderung 2003-07-24

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