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  LABORDIAGNOSTIK DER HEPATITIS B

 

Labordiagnostik der Hepatitis B - Übersicht
Univ.Doz.Dr.med. Wolfgang Hübl
  
   
ZUSAMMEN-
FASSUNG:
Man unterscheidet bei der Hepatitis B zwei Verlaufsformen, die akute Hepatitis B, die nach spätestens einem halben Jahr völlig ausgeheilt ist und die chronische Hepatitis B. Die chronische Hepatitis B entsteht aus einer nicht ausgeheilten akuten, kann jahrzehntelang dauern und kann eine Leberzirrhose oder einen Leberkrebs zur Folge haben.

Prinzipiell kann bei der Hepatitis B Infektion nach 3 Dingen im Blut gesucht werden:

  • Virus-Antigene (also das Virus oder Virus-Eiweißstoffe)
      
  • Antikörper, die unsere Abwehr dagegen bildet,
     
  • Virus-DNA (Desoxyribonukleinsäure), also Erbsubstanz des Virus.

Antigene: Findet man noch Virus-Antigene (HBs-Ag, HBe-Ag), dann ist die Infektion nicht überstanden: es wird eine akute oder chronische Hepatitis B vorliegen oder, im günstigsten Fall, wenn nur HBs-Ag nachweisbar ist und der Patient sonst gesund ist, ein sog. HBs-Träger-Status.
Patienten mit HBe-Ag im Blut sind hoch ansteckend aber auch bei alleinigem HBs-Ag im Blut besteht Ansteckungsgefahr.

Antikörper: Anti-HBs sind Zeichen einer Ausheilung. Man findet sie auch nach erfolgreicher Hepatitis B Impfung. Sie zeigen also eine Immunität gegen Hepatitis B an. Anti-HBc-IgM sprechen für das Vorliegen einer akuten Hepatitis. Anti-HBe können in der Heilungsphase einer akuten Hepatitis auftreten. Ihr Auftreten bei chronischer Hepatitis zeigt eine Verbesserung und eine verminderte Ansteckungsgefahr an.

DNA: Früher hat man die DNA-Messung bei Hepatitis B zur Diagnose unklarer Fälle oder zur Abschätzung der Ansteckungsgefahr eingesetzt. Heute ist die Messung auch für die Diagnose und Beobachtung der chronischen Hepatitis wichtig. Wenig Virus-DNA im Blut spricht für eine ruhende Infektion, viel DNA für eine aktive chronische Hepatitis.  

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NAMEN UND ABKÜRZUNGEN:
Hepatitis: Hepar lateinisch Leber. Die Endung -itis beschreibt in der Medizin entzündliche Veränderungen.
HBV: Hepatitis B Virus
HBs-Ag: Hepatitis B s-Antigen; ein Teil der Oberfläche (engl. surface) des Hepatitis B Virus. Früher auch Australia (Au) Antigen oder HAA (Hepatitis-assoziiertes Antigen) genannt.
HBc-Ag: Hepatitis B c-Antigen. Ein Teil des Kerns (engl. core) des Hepatitis B Virus.
HBe-Ag: Hepatitis B e-Antigen. Entstehen bei der Virusvermehrung, Funktion unbekannt.
Anti-HBs: Antikörper gegen das HBs-Antigen.
Anti-HBc: Antikörper gegen das HBc-Antigen
Anti-HBc-IgM: Ebenfalls Antikörper gegen das HBc-Antigen. Aber eine bestimmte Subklasse von Antikörpern, nämlich IgM, auch als Frühantikörper bezeichnet.
Anti-HBe: Antikörper gegen das HBe-Antigen.
HBV-DNA: Hepatitis B Virus Deoxyribonucleic Acid, dt. Desoxyribonukleinsäure, die Erbsubstanz des Virus, also ein Teil des Virus.
ALT: Alanin-Aminotransferase, auch ALAT, früher GPT. Leberenzym, zeigt Leberschädigung an.

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ALLGEMEINE INFO UND AKUTE HEPATITIS B:

 

Was ist eine Hepatitis?
Unter Hepatitis versteht man eine Entzündung der Leber. Die Leber ist dabei oft etwas vergrößert, es kommt zur Vermehrung der weißen Blutkörperchen in der Leber und je nach Schwere der Erkrankung gehen auch mehr oder weniger Leberzellen zugrunde.
Im klinischen Sprachgebrauch versteht man unter Hepatitis meist die durch Viren verursachten Formen (Hepatitis A, B, C, D und E). Eine Hepatitis kann aber auch andere Ursachen haben: Infektionen durch andere Erreger, Gifteinwirkung (z.B. Alkohol), Medikamenteneinnahme, Autoimmunerkrankung, Stoffwechselerkrankungen, Durchblutungsstörungen der Leber.

 

Was ist die Hepatitis B?
Die Hepatitis B ist eine durch Hepatitis B Viren (=HBV) verursachte Leberentzündung. Die Viren befallen vor allem die Leberzellen und vermehren sich in diesen. Unsere Leberzellen werden geschädigt, aber weniger durch die Virenvermehrung selbst sondern vor allem durch die zerstörerische Reaktion unserer Abwehrzellen, die den Erreger beseitigen wollen.
Die Erkrankung ist weit verbreitet, man schätzt, dass weltweit 2 Milliarden Menschen einmal infiziert wurden und dass davon 350 Millionen chronische (dauernde) Virusträger sind. In der westlichen Welt sind unter 0.5% Virusträger, in Teilen von China, Südostasien und im tropischen Afrika sind es bis zu 20%.
(D. Lavanchy, Journal of Viral Hepatitis, 2004 und WHO Angaben 2002)

Elektronenmikroskopisches Bild des Hepatitis B Virus Hepatitis B Viren im Elektronenmikroskop
Hepatitis B Viren sind etwa ein Fünfundzwanzig-tausendstel Millimeter im Durchmesser (42 nm).

Die Hepatitis B wurde früher auch Serumhepatitis oder Transfusionshepatitis genannt, weil sie vorwiegend über den Blutweg übertragen wird (z.B. durch Bluttransfusionen [heute fast völlig ausgeschlossen] oder durch die früher eingesetzten Serum-Impfstoffe). Man kennt die Erkrankung schon sehr lange. Dass sie durch ein Virus verursacht wird, vermutete man erst im vorigen Jahrhundert. Die Identifikation des Hepatitis B Virus gelang erst in den 70er Jahren.

 

Wie bekommt man eine Hepatitis B?
Das Hepatitis B Virus (HBV) findet sich vor allem in Blut, Speichel, Samenflüssigkeit und Scheidenabsonderungen. HBV ist ziemlich ansteckend, wesentlich ansteckender als z.B. HIV.
Die Ansteckung kann erfolgen durch

  • direkten Kontakt (meist durch ungeschützten Geschlechtsverkehr) oder
  • die Verwendung Virus-verseuchter Gegenstände (Zahnbürsten, Rasierklingen, Injektionsnadeln, Akupunkturnadeln, Tätowierbestecke).
  • Die Übertragung durch Bluttransfusionen ist durch verbesserte Testmethoden extrem selten geworden.

In Gebieten mit einem hohen Anteil von Virusträgern sind andere Infektionswege häufiger:

  • Übertragung von der Mutter auf das Neugeborene während oder nach der Geburt
  • Ansteckung durch den engen Kontakt unter Kleinkindern

 

Anteil von Hepatitis HBs-Ag-Positiven Menschen
(=HBs-Ag positive Personen / Träger; Quelle: CDC, USA)

Anteil der HBs-Positiven Personen in verschiedenen Ländern HBs-Ag positiv sind vor allem sog. Träger (Carrier), die eine ruhende Form der Infektion haben aber ansteckend sind, und chronisch Hepatitis B Kranke.

 

Wann bricht die Erkrankung aus?
Die Zeit zwischen Ansteckung und Krankheit (Inkubationszeit) beträgt 1 bis 6 Monate.

 

Welche Beschwerden hat man bei Hepatitis B?
Vorweg: Unter einem Alter von 5 Jahren verläuft die Krankheit in den meisten Fällen unbemerkt. Auch bei Erwachsenen macht die Erkrankung oft keine Beschwerden und läuft dann unbemerkt ab oder wird als "Grippe" fehlgedeutet.

  • Allgemeinsymptome: Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Fieber, Muskel- und Gelenksschmerzen. Auch Hautausschläge kommen vor.
    Manche sehen einen plötzlichen Widerwillen gegen Zigaretten als typisches Zeichen einer Hepatitis an.
  • Schmerzen oder Druckempfindlichkeit im rechten Oberbauch.
  • Zeichen der Gelbsucht (diese können ein paar Tage nach den Allgemeinsymptomen auftreten): der Harn wird bräunlich (Bilirubin im Harn), dann wird die Gelbsucht an der Haut und besonders an der weißen Lederhaut der Augen deutlich (Erhöhung des Bilirubins im Blut).
  • Der Stuhl kann lehmfarben und heller werden (Galleausscheidung der Leber wird geringer)
  • Juckreiz kann vorkommen.

 

Wie verläuft eine (akute) Hepatitis B?
Was im vorigen Abschnitt beschrieben wurde, ist der Ablauf der sog. akuten Hepatitis B. Ganz entscheidend für den Patienten ist, was aus der akuten Hepatitis B wird. Es gibt verschiedene Möglichkeiten:

  • Fulminante Hepatitis
    Selten (in ca. 1% aller im Krankenhaus behandelten akuten Hepatitis B Fälle) kommt es zu einem lebensbedrohlich schweren Leberschaden (sog. fulminante Hepatitis). Dieser Zustand hat eine hohe Sterblichkeit. Wird er überlebt, ist die Hepatitis aber oft komplett ausgeheilt.
     
  • Komplette Ausheilung mit Immunität
    Meist dauert die akute Hepatitis B weniger als 12 Wochen und heilt vollständig aus. Zurück bleiben nur Antikörper im Blut, die gegen weitere Infektionen schützen.
    Diesen Verlauf zeigen mindestens 90% aller Hepatitis B Fälle im Erwachsenenalter.
     
  • Chronische (=lang andauernde) Infektion mit Hepatitis B Viren
    In etwa 5-10%* der Fälle von Hepatitis B des Erwachsenen kann unsere Abwehr das Virus nicht vollständig beseitigen. Die akute Hepatitis B geht somit in eine chronische Infektion über.
     
    *Neuere Erkenntnisse sprechen dafür, dass in Wirklichkeit nur etwa 1% der Fälle einer (bemerkten) akuten Hepatitis B bei Erwachsenen in eine chronische Infektion übergehen. Bei den älteren Studien dürfte man auch einige chronische, gerade "aufflackernde" Hepatitis-Fälle fälschlicherweise als akut eingestuft haben. Diese Fälle blieben dann natürlich chronisch und haben die Statistik verfälscht.
     
    Unter den Personen mit chronischer Infektion gibt es solche, die abgesehen von speziellen Hepatitis-Laborbefunden völlig "gesund" sind (sog. Hepatitis B Carrier, also Träger) und andere, die mehr oder weniger schwere Leberschäden aufweisen (Chronische Hepatitis B).
    Eine chronische Hepatitis B kann zur Leberzirrhose und zum Leberkarzinom führen.

 

Wovon hängt es ab, ob eine Hepatitis B zu einer chronischen Infektion wird?
Vollständig geklärt ist das noch nicht. Man kennt aber 2 wichtige Faktoren:

  • Niedriges Alter
    Bei einer Ansteckung des Neugeborenen gehen etwa 90% aller Fälle in eine chronische Erkrankung über. Im Erwachsenenalter ist dies hingegen sehr selten.
     
  • Milder Krankheitsverlauf (schlechte Immunabwehr)
    Auf den ersten Blick paradox: Akute Hepatitis B Erkrankungen, die mild oder unbemerkt verlaufen, gehen häufiger in eine chronische Form über als schwer verlaufende Formen. Das liegt wahrscheinlich an unserer Abwehr. Vereinfacht: Gute Abwehr führt zu heftiger Reaktion und Erkrankung aber dafür zur Ausheilung. Bei schwacher Abwehr nur schwache Reaktion aber keine Ausheilung.

 

Welche Bedeutung hat die Labordiagnostik bei Hepatitis B?

  • Diagnose der Erkrankung
    Die Symptome sind vieldeutig, Laboruntersuchungen sind zur Diagnose notwendig.
     
  • Erkennung des Verlaufs
    Ist es zu einer Ausheilung gekommen? Geht die Erkrankung in ein chronisches Stadium über? Ist die chronische Erkrankung mit Leberschädigungen verbunden? Soll eine Behandlung begonnen werden?
     
  • Abschätzung der Ansteckungsgefahr (Infektiosität)
    Wie hoch ist das Risiko für Kontaktpersonen, Angehörige des Patienten mit chronischer Hepatitis B.
     
  • Abschätzung der Immunität
    Vor der Impfung: Ist eine Impfung notwendig? Nachher: Hat sie funktioniert?

 

Was kann man labordiagnostisch im Blut auswerten?

Man kann prinzipiell drei Dinge untersuchen:

  • Das Virus selbst und Virus-Eiweißstoffe (allgemein "Antigene")
    Findet man Viren oder Virus-Eiweißstoffe im Blut, dann liegt eine akute oder chronische Infektion mit Hepatitis B Viren vor!
    Virus-Antigene sind das HBs-Antigen (HBs-Ag), ein Eiweißstoff der Hülle des Virus, und das HBe-Antigen (HBe-Ag), ein vom Virus produzierter Eiweißstoff.
     
  • Die Antikörper, die unser Körper als Reaktion auf das Virus bildet
    Findet man Antikörper gegen Hepatitis B, spricht das für eine akute oder chronische Infektion oder aber für eine ausgeheilte Hepatitis B. Findet man Anti-HBs, dann spricht das bis auf Ausnahmefälle für eine ausgeheilte Hepatitis B oder einen Zustand nach Impfung.
    Es gibt Antikörper gegen das HBs-Antigen (Anti-HBs), Antikörper gegen das HBe-Antigen (Anti-HBe) und Antikörper gegen das HBc-Antigen, das zwar im Blut nicht nachweisbar ist, gegen das wir aber dennoch Antikörper produzieren (Anti-HBc).
     
  • Die DNA, die Erbsubstanz des Hepatitis B Virus (HBV-DNA)
    Findet man DNA, ist entscheidend wie viel. Kleinste Mengen findet man auch nach völlig ausgeheilter Hepatitis. Größere Mengen findet man bei akuter oder chronischer Hepatitis.

 

Das Hepatitis B Virus, Virus-Eiweißstoffe und die Antikörper, die dagegen gebildet werden können

Hepatitis B Virus Das 42 nm große Virus hat eine äußere Hülle. Auf dieser befindet sich das HBs-Antigen (HBs-Ag). Sind Hepatitis B Viren im Blut, werden die Tests, die das HBs-Ag nachweisen, positiv sein.
Weiter innen ist der Kern (core) des Virus (HBc-Ag). Ihn findet man aber im Blut nicht.
Noch weiter innen ist die Erbsubstanz des Virus, die DNA (HBV-DNA).
HBs-Antigen-Teilchen und das HBe-Antigen. Findet man im Blut HBs-Ag muss es sich nicht um ganze Viren handeln. Viel häufiger sind kleine (nicht ansteckende!) Teilchen, die an ihrer Oberfläche ebenfalls das HBs-Ag tragen. Ursache: das Virus produziert zu viel Hülle. Aus der überschüssigen Hülle werden die HBs-Ag-positiven Teilchen.
Bei der Virusvermehrung entsteht auch ein anderer Eiweißstoff, das HBe-Antigen. Auch diesen kann man im Blut nachweisen.
Antikörper, die unser Körper gegen das Hepatitis Virus und seine Eiweißstoffe bildet Gegen fremdes Eiweiß produziert unsere Abwehr Antikörper. Es entstehen bei Hepatitis B also Antikörper gegen das HBs-Ag (Anti-HBs) und gegen das HBe-Ag (Anti-HBe). Auch gegen den Kern des Virus, das HBc-Antigen entstehen Antikörper (Anti-HBc).

 

Was testet man bei Verdacht auf Hepatitis B?
Zuerst versucht man, mit wenigen Tests eine Vorauswahl zu treffen. Meist misst man dazu HBs-Ag, Anti-HBs und Anti-HBc-Antikörper.
Ist nach diesen Befunden etwas nicht eindeutig (siehe Befundmuster), dann schließt man Folgetests an: Anti-HBc-IgM, HBe-Ag und Anti-HBe. Auch die DNA des Hepatitis B Virus (HBV-DNA) wird man in der Folge oft bestimmen müssen.

 

Wen sollte man noch auf Hepatitis B testen?
Abgesehen von den eindrucksvollen akuten Verläufen, bei denen man natürlich auf Hepatitis B testen wird, wird man gelegentlich bei unklaren Beschwerden (Hepatitis B kann auch Haut-, Nieren-, Gelenks- und andere Probleme verursachen) oder bei ungeklärten abnormen Leberbefunden an Hepatitis B denken. Außerdem wird das Testen folgender Risikogruppen empfohlen: Personen aus Ländern mit hohem Anteil an HBs-Ag-Trägern, homosexuelle Männer, Drogenabhängige, Dialyse (Blutwäsche)-Patienten, HIV-Infizierte, Schwangere, Familienmitglieder, Haushaltsmitglieder und Partner von HBs-Ag-positiven Personen.

 

Laborbefunde bei einer unkomplizierten, ausheilenden akuten Hepatitis B
Als erstes, schon bevor die Krankheit Beschwerden bereitet, findet man Viren bzw. Virus-Eiweißstoffe im Blut. Aber auch Antikörper gegen den Erreger sind meist schon kurz vor dem Ausbrechen der Krankheit im Blut. Innerhalb von einigen Wochen verschwinden die Erreger und ihre Eiweißstoffe und es bleiben nur mehr die Antikörper im Blut nachweisbar.

Verlauf einer akuten, ausheilenden Hepatitis B

Nach einer Ansteckung kann man schon vor Erhöhung der Leberwerte und vor dem Auftreten der Gelbsucht (Rechteck "Symptome") Zeichen der Hepatitis B im Blut finden: einerseits findet man Virusantigene wie das HBs-Ag (gelbe, gepunktete Kurve) und das HBe-Ag (violett gepunktete Fläche), andererseits sind meist auch schon Antikörper gegen das Virus nachweisbar. Und zwar Anti-HBc (rote Kurve).

Verlauf wichtiger Laborwerte bei akuter Hepatitis B
(Graphik modifiziert nach F.Mahoney, Clinical Microbiology Reviews, 1999)

Als Zeichen, dass unsere Abwehr mit dem Erreger fertig wird, sinkt recht bald das HBs-Ag und das HBe-Ag ab und die Antikörper dagegen, das Anti-HBs (gelb) und das Anti-HBe (violett) tauchen auf. Auch der Anti-HBc-IgM, ein Frühantikörper, sinkt ab. An die überstandene Infektion erinnern nur mehr die Antikörper Anti-HBc (gesamt) und Anti-HBs, die meist lebenslang nachweisbar bleiben.
Anmerkung: in älteren Quellen wird oft eine "Lücke" zwischen dem Verschwinden des HBs-Antigens und dem Auftauchen des Anti-HBs-Antikörpers dargestellt. Man nannte dies auch diagnostische Lücke, weil in dieser Phase außer den Anti-HBc nichts auf eine Hepatitis B hinweist. Diese "Lücke" findet man mit den aktuellen, empfindlicheren Labormethoden kaum mehr: Sobald der Anti-HBs-Antikörper auftaucht, verschwindet das HBs-Ag.

HBV-DNA: in der obigen Abbildung wurde die Bestimmung der DNA des Virus nicht berücksichtigt, weil sie im Routinefall bei der akuten Hepatitis B selten durchgeführt wird. Misst man die HBV-DNA mit der empfindlichen PCR-Technik, dann ist HBV-DNA der Laborwert, der nach einer Ansteckung am schnellsten positiv wird. Schon wenige Tage nach der Ansteckung. In der akuten Krankheitsphase findet man große Mengen HBV-DNA im Blut. Und wie man in den letzen Jahren gesehen hat, bleibt HBV-DNA auch bei einer ausgeheilten Hepatitis B jahrelang nachweisbar, wenn auch nur in sehr geringen Mengen. Wie man das deuten soll, weiß man noch nicht genau.

 

Welche anderen Laborbefunde sind bei akuter Hepatitis B auffällig?

  • Die "Leberenzyme" GOT (=AST) und GPT (=ALT) sind erhöht (Spitzenwerte bis weit über 1000 U/l werden beobachtet. Hohe Werte heißen aber nicht unbedingt schwere Erkrankung).
  • Etwas nach den Leberenzymen steigt das Bilirubin an (Werte meist zwischen 5 und 20 mg/dl bzw. 85 und 340 µmol/l, höhere Werte sprechen im Allgemeinen für einen schwereren Verlauf. Im Harn findet man ebenfalls Bilirubin und das Urobilinogen ist erhöht.
  • Auch die Alkalische Phosphatase und die Gamma-GT werden erhöht sein.
  • Ein wichtiger Befund ist die Prothrombinzeit (PZ, Thromboplastinzeit), die bei vielen Lebererkrankungen vermindert ist, weil die Bildung der Gerinnungsfaktoren gestört ist. Eine deutlich und anhaltend verminderte PZ ist Ausdruck eines schwereren Leberschadens.
  • Auch andere Stoffe, die die Leber herstellt, können verminderte sein: Albumin, Cholinesterase (wenn Erkrankung länger andauert)
  • Bei der mikroskopischen Untersuchung der Blutzellen fallen sog. aktivierte Lymphozyten auf (wie bei anderen Virusinfekten).

 

Welche Befunde beweisen die akute Hepatitis B?
Neben den abnormen Leberbefunden, die die Leberschädigung anzeigen, ist folgendes Befundmuster bei akuter Hepatitis B typisch:

  • HBs-Ag positiv
    (selten bleibt es negativ, dann muss man sich bei der Diagnose auf das Anti-HBc stützen)
     
  • Anti-HBc positiv
     
  • Anti-HBc-IgM positiv
     
  • Anti-HBs negativ

 

Woran erkennt man die Ausheilung der akuten Hepatitis B?
Das Zeichen der Ausheilung ist das Auftreten von Anti-HBs.
Aber noch vor Auftreten des Anti-HBs kann das Verschwinden oder die Abnahme des HBs-Ag und des HBe-Ag ein Hinweis auf die bevorstehende Ausheilung sein.

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CHRONISCHE HEPATITIS B:
CHRONISCHE HEPATITIS B
 
Der Ablauf in Richtung chronische Hepatitis B und wie man es frühzeitig bemerkt?
Wie erkennt man eine chronische Hepatitis B und
wie wird sie heute definiert?
Welche Beschwerden hat man?
Wie unterscheidet man eine akute von einer chronischen Hepatitis B?
Was sind HBs-Träger (Carrier) und
wie werden sie heute definiert?
Welche Befunde bei chronischer Hepatitis zeigen eine Verbesserung an? Kann ein HBs-Träger ausheilen?
Welche Befunde bei chronischer Hepatitis zeigen eine Verschlechterung an?
Welche Befunde zeigen das Risiko für Zirrhose und Leberzellkarzinom?
Wie sollte eine chronische Hepatitis B Virusinfektion beobachtet werden?
Welche Laborbefunde bestimmen die Behandlung und zeigen den Erfolg an?
Welche Laborbefunde sagen etwas über die Ansteckungsgefahr?
Chronische Hepatitis B Virusinfektion und Schwangerschaft
Varianten der chronischen Hepatitis B

 

Der Ablauf in Richtung chronische Hepatitis B Virus Infektion
Ob eine Hepatitis B Infektion nach ein paar Wochen überstanden ist oder zur chronischen Infektion wird, sieht man erst im Verlauf. Am Beginn gibt es keinen Unterschied: die Hepatitis-Viren und Virus-Eiweißstoffe tauchen im Blut auf. Bei der chronischen Infektion sinken sie aber nicht oder nur wenig ab. Sie bleiben jahrelang, das HBs-Ag sogar meist lebenslang nachweisbar. Und die wichtigste Antikörper-Antwort unserer Abwehr, das Anti-HBs, bleibt aus.

Übergang in chronische Hepatitis B Infektion

Wie auch bei der akuten Hepatitis B, findet man zuerst Viren bzw. Virus-Eiweißstoffe (allgemein gesagt Viren-Antigene) im Blut: das HBs-Ag (gelbe, gepunktete Kurve) und das HBe-Ag (violett gepunktete Fläche). Auch der Antikörper Anti-HBc wird nachweisbar (rote Kurve).

Verlauf wichtiger Laborbefunde bei chronischer Hepatitis B Infektion
(Graphik modifiziert nach F.Mahoney, Clinical Microbiology Reviews, 1999)

Aber bald schon sieht man Unterschiede. Das HBs-Antigen sinkt nicht (oder kaum) ab. Auch das HBe-Antigen bleibt sehr lange positiv. Die Abwehr wird mit dem Erreger nicht fertig. Die Bildung des so wichtigen Anti-HBs bleibt aus.
Das HBe-Antigen mag zwar nach Jahren noch verschwinden, was ein gutes Zeichen ist, aber das HBs-Ag bleibt positiv, d.h. die Krankheit ist nicht ganz überwunden.

 

 

Wie merkt man, dass sich eine chronische Hepatitis B Infektion entwickelt?
Folgende Zeichen sprechen für einen Übergang in eine chronische Erkrankung:
(WHO-Dokument: WHO/CDS/CSR/LYO/2002.2: Hepatitis B, Harrison's Principles of Internal Medicine, 2001)

  • Beschwerden dauern länger
    Langes Andauern der Beschwerden (verschwinden normalerweise innerhalb von 12 Wochen).
  • Leberbefunde bleiben schlecht
    Leberbefunde (z.B. ALT, Bilirubin) nach 6-12 Monaten noch nicht normalisiert.
  • HBe-Antigen verschwindet nicht
    Das HBe-Antigen bleibt mehr als 3 Monate nach Beginn der Erkrankung nachweisbar.
  • Das HBs-Antigen fällt nicht ab
    Beobachtet man den Spiegel des HBs-Antigens im Blut, ist ein fehlender oder zu geringer Abfall 10 Wochen nach Beginn der Erkrankung ein frühes, schlechtes Zeichen sein.

 

Wie erkennt man eine chronische Hepatitis B?
Ein typisches Befundmuster wäre:

  • HBs-Ag positiv,
  • HBe-Ag positiv,
  • Anti-HBc positiv,
  • Anti-HBc-IgM negativ (mit den Routine-Tests),
  • Anti-HBs negativ
  • abnorme Leberbefunde
  • eventuell Beschwerden (Müdigkeit, Schwäche).

In der Realität ist das Befundmuster oft nicht so klar, wie oben dargestellt. Daher wurden von internationalen wissenschaftlichen Gesellschaften Kriterien festgelegt, wann man von chronischer Hepatitis B sprechen sollte.

Definition der chronischen Hepatitis B
(Richtlinien der American Association for the Study of Liver Disease, 2003)


 
  • HBs-Ag länger als 6 Monate positiv
  • HBV-DNA im Serum über 100000 Kopien pro Milliliter Serum1
  • Dauerhafte oder zeitweise erhöhte Leberenzyme (ALT/AST)
  • Zeichen der chronischen Hepatitis in der Lebergewebsprobe
    (dieser Befund ist optional, er muss nicht erhoben werden)
     
Man sieht, dass von den klassischen Hepatitis-Laborbefunden nur mehr das HBs-Ag übriggeblieben ist.
1Große Bedeutung kommt der HBV-DNA Bestimmung zu. Und da ist noch nicht alles ausdiskutiert. Manche finden die Schwelle von 100000 Kopien/ml zu hoch, zumindest für Untergruppen der chronischen Hepatitis B. Besonders für die in Mittelmeerländern und Asien häufigere HBe-Ag-negative chronische Hepatitis, wird eine niedrigere HBV-DNA Grenze vorgeschlagen (30000), um solche Fälle nicht fälschlicherweise als HBs-Träger einzustufen.

 

Welche Beschwerden hat man bei chronischer Hepatitis B?
Beschwerden sind sehr unterschiedlich, auch können sie fast völlig Fehlen. Unwohlsein, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, leicht erhöhte Temperatur und unklare Oberbauchbeschwerden kommen vor. Erhöhung des Bilirubins im Blut kommen vor, echte Gelbsucht seltener. Von den übrigen Befunden sind Erhöhung der Leberenzyme (ALT, AST) Zeichen der Hepatitis. Diese können aber phasenweise auch normal sein.

 

Wie unterscheidet man eine akute von einer chronischen Hepatitis B?
In beiden Fällen können HBs-Ag und Anti-HBc positiv sein. Bei der chronischen Hepatitis B ist aber Anti-HBc-IgM negativ.
Auch chronische Hepatitis B Fälle können phasenweise Anti-HBc-IgM zeigen. Eine Hilfe bietet dann die Höhe des Antikörperspiegels (=der Titer): chronische Fälle zeigen wesentlich niedrigere Spiegel als akute. Auch gibt es Labortests für HBc-IgM, die aus diesem Grund so eingestellt sind, dass sie nur bei den hohen IgM-Spiegeln der akuten Infektion positiv werden und bei den niedrigeren IgM-Spiegeln der chronischen Hepatitis B negativ bleiben.

 

Was sind HBs-Träger (engl. Carrier)?
Man kann den HBs-Träger als die mildeste Verlaufsform der chronischen Hepatitis B Infektion ansehen. Er hat definitionsgemäß einen positiven HBs-Ag Befund, der länger als 6 Monate andauert aber keine Zeichen einer Lebererkrankung (normale AST und ALT). Ein HBs-Träger ist aber durchaus ansteckend.
Der Ausdruck Träger ist in letzter Zeit umstritten, manche möchten ihn durch "chronische HBV Infektion ohne Zeichen einer Lebererkrankung" ersetzt sehen (SK Sarin, Journal of Gastroenterology and Hepatology, 2002).

Definition des "inaktiven HBs-Träger-Status"
(Richtlinien der American Association for the Study of Liver Disease, 2003)

 
  • HBs-Ag länger als 6 Monate positiv1
  • HBe-Ag negativ, Anti-HBe positiv
  • HBV-DNA im Serum unter 100000 Kopien pro Milliliter Serum2
  • Dauerhafte normale Leberenzyme (ALT/AST)3
  • Keine oder nur minimale Zeichen einer chronischen Hepatitis in der Lebergewebsprobe
    (dieser Befund ist optional, er muss nicht erhoben werden)
     
1Auch bei manchen ausheilenden akuten Hepatitis B Fällen bleibt das HBs-Antigen länger als 6 Monate positiv. Spätestens nach 1 Jahr wird es aber negativ.
2Große Bedeutung kommt der HBV-DNA Bestimmung zu. Und da ist noch nicht alles ausdiskutiert. Manche finden die Schwelle von 100000 Kopien/ml zu hoch, zumindest für Untergruppen der chronischen Hepatitis B. Besonders für die in Mittelmeerländern und Asien häufigere HBe-Ag-negative chronische Hepatitis, wird eine niedrigere HBV-DNA Grenze vorgeschlagen (30000), um solche Fälle nicht fälschlicherweise als HBs-Träger einzustufen.
3Auch dieser Punkt wird diskutiert: Was heißt schon dauerhaft? Auch eine chronische Hepatitis B hat lange Phasen mit normalen Leberenzymen. Wie oft soll man ALT/AST testen? Ein Vorschlag ist, zumindest vier mal innerhalb eines Jahres zu testen.

 

Welche Befunde können bei einer chronischen Hepatitis B eine Besserung anzeigen?
Auch eine chronische Hepatitis B ist nichts statisches. Die Abwehr kämpft weiter gegen den Erreger. Zeichen einer Besserung sind:

  • Normale Leberwerte (ALT, AST)
  • Verschwinden des HBe-Ag, Auftauchen des Anti-HBe
    ("Serokonversion")

    Das passiert pro Jahr in etwa 10% aller Fälle von chronischer Hepatitis B. Dabei tauchen auch meist Anti-HBe im Blut auf. Die Krankheit geht in eine ruhigere Phase über. Der HBV-DNA-Spiegel sinkt.
    Für den Patienten bedeutet das Verschwinden von HBe-Ag eine Verbesserung.
    Bevor so etwas passiert, kommt es oft zu einem kurzen Auftreten von abnormen Leberbefunden (ALT erhöht) und ev. zu Beschwerden, also einem kurzen Aufflackern der Erkrankung.
  • Sinkende HBV-DNA Spiegel
    Im Verlaufe einer chronischen Hepatitis B sinken im Allgemeinen die DNA-Konzentrationen. Auch parallel zum Verschwinden des HBe-Ag sinkt die HBV-DNA.
    Ist HBe-Ag positiv findet man etwa zwischen 10 Millionen und 1 Milliarde Viruskopien pro Milliliter Serum (107-109 Kopien/ml). Wird HBe-Ag negativ sinkt diese Zahl deutlich.

Die chronische Hepatitis B kann also in einen inaktiven (ruhenden), HBs-Träger-Status übergehen.

 

Kann ein HBs-Träger-Status ausheilen?
Von 200 HBs-Trägern verliert pro Jahr etwa einer (0.5%) das HBs-Antigen und zeigt dann meist auch Anti-HBs im Blut. In wie weit das einer Ausheilung entspricht, ist noch nicht ganz klar, aber gut ist es auf jeden Fall.

 

Welche Befunde können bei einer chronischen Hepatitis B oder bei HBs-Trägern eine Verschlechterung anzeigen?

  • erhöhte Leberenzyme (ALT, AST)
     
  • Wiederauftreten von HBe-Ag
    Etwa 20%-30% von den Patienten mit chronischer Hepatitis B, bei denen HBe-Ag verschwunden ist, werden wieder HBe-Ag positiv. Man nennt das auch Reversion.
     
  • steigende HBV-DNA Spiegel
     
  • Anti-HBc-IgM tritt kurzfristig wieder auf
    Anti-HBc-IgM kommt normalerweise nur bei akuter Hepatitis B vor. Geringe Spiegel können aber auch bei aufflammender chronischer Hepatitis B auftreten und werden dann als Gradmesser für die Leberschädigung angesehen.
    Manche Labortests für Anti-HBc-IgM sind allerdings so eingestellt, dass sie niedrige Spiegel von Anti-HBc-IgM gar nicht erfassen.

 

Sonderfall: HBe-Ag positiv, HBV-DNA hoch, aber Leberenzyme dauerhaft normal
Das kommt vor allem bei Kindern vor, die als Neugeborene infiziert wurden (bei uns selten). Man nennt das auch "Immuntoleranz-Phase". Das Virus vermehrt sich, die Abwehr schreitet aber kaum ein. Daher ist auch der Leberschaden gering. Meist wird daraus später eine chronische Hepatitis B.

 

Welche Befunde zeigen das Risiko für die Entwicklung einer Leberzirrhose und eines Leberkarzinoms?
Leberzirrhose und Leberkarzinom können als Folge einer chronischen Hepatitis B Virusinfektion auftreten.

  • Statistische Risikofaktoren* für die Zirrhose sind: HBe-Ag positiv, höheres Alter, erhöhte ALT-Spiegel, Zusatzinfektion mit Hepatitis D Virus.
     
  • Statistische Risikofaktoren* für das Leberkarzinom sind: männlich, Leberkarzinom in der Verwandtschaft, höheres Alter (>45a), HBe-Ag positiv, Leberzirrhose, gleichzeitige Infektion mit Hepatitis C.

*Wenn einer dieser Faktoren vorhanden ist, heißt das nicht, dass es dann zur Zirrhose oder zum Karzinom kommen muss. Es heißt nur, dass dann die Wahrscheinlichkeit etwas höher ist.

 

Wie sollte der Verlauf einer chronischen Hepatitis B Virusinfektion beobachtet werden?
Laboruntersuchungen sind ein wesentlicher Teil der Beobachtung von chronischen Hepatitis B Virusinfektionen. Nachfolgend sind die Richtlinien der Amerikanischen Gesellschaft für Studien von Lebererkrankungen widergegeben.

Untersuchungen bei Patienten mit chronischer HBV Infektion
(Richtlinien der American Association for the Study of Liver Disease, 2003)

 
Erstuntersuchung
  • Krankengeschichte und körperliche Untersuchung
  • Labor-Lebertests (Blutbild, Blutgerinnung, Leberenzyme, ...)
  • HBe-Antigen, Anti-HBe, HBV-DNA
  • Ausschluss von anderen Lebererkrankungen: Hepatitis C, Hepatitis D wenn Patient in Risikogruppe (aus Südeuropa, Nordafrika, Mittlerer Osten;   Drogensüchtige).
  • Ausschluss von HIV wenn Patient in Risikogruppe
  • Ausschluss eines Leberkarzinoms (Alpha-1-Fetoprotein, Ultraschall der Leber)
  • Falls die Kriterien einer chronischen Hepatitis B erfüllt sind: Mikroskopische Untersuchung einer Lebergewebsprobe (Leberbiopsie)
     
Folgeuntersuchungen bei HBe-Ag-positiver chronischer Hepatitis mit (aktuell) normalen Leberenzymen (ALT)
  • Messung der ALT alle 3 bis 6 Monate
  • Falls ALT zwischen 1- und 2-facher oberer Referenzbereichsgrenze, dann  alle 1 bis 3 Monate weitertesten. Beispiel: wenn "Normalwert" der ALT bis 50 geht, dann muss bei einer ALT von 51 bis zu einer ALT von 100 alle 1 bis 3 Monate weitergetestet werden.
  • Falls ALT 3-6 Monate lang größer als 2-fache obere Referenzbereichsgrenze, das HBe-Ag weiter positiv bleibt und auch die HBV-DNA hoch bleibt (>100000 Kopien/ml), dann  Lebergewebsprobe und Behandlung erwägen.
  • Untersuchungen zum Ausschluss eines Leberkarzinoms (Alpha-1-Fetoprotein, Ultraschall der Leber) falls Risikopopulation.
     
Folgeuntersuchungen bei HBs-Trägern
  • Messung der ALT alle 3 bis 6 Monate
  • Falls ALT zwischen 1- und 2-facher oberer Referenzbereichsgrenze: HBV-DNA messen, andere Lebererkrankungen ausschließen.
    Beispiel: wenn "Normalwert" der ALT bis 50 geht, gilt dies Regel für ALT Werte von 51 bis 100.
  • Untersuchungen zum Ausschluss eines Leberkarzinoms (Alpha-1-Fetoprotein, Ultraschall der Leber) falls Risikopopulation.
     

 

 

Laborbefunde entscheiden über die Behandlung
Die Behandlungsmöglichkeiten der chronischen Hepatitis B sind nicht ideal. Die Entscheidung zur Durchführung einer Behandlung muss daher gut überlegt werden. Laborbefunde haben auf die Entscheidung einen wesentlichen Einfluss. Nachfolgend sind die Richtlinien der Amerikanischen Gesellschaft für Studien von Lebererkrankungen widergegeben.

Empfehlungen für die Entscheidung über eine Behandlung bei chronischer Hepatitis B
(Richtlinien der American Association for the Study of Liver Disease, A.S.F. Lok, Hepatology, 2004)
 

HBe-Ag HBV-DNA ALT / Zirrhose Strategie
positiv > 100000 Kopien/ml kleiner gleich
2 x ORG*
keine Behandlung
positiv > 100000 Kopien/ml größer als
2 x ORG*
Behandlung zu erwägen
negativ > 100000 Kopien/ml größer als
2 x ORG*
Behandlung zu erwägen
positiv < 100000 Kopien/ml kleiner gleich
2 x ORG*
keine Behandlung
egal > 100000 Kopien/ml Leberzirrhose Behandlung zu erwägen
Bei schwerster (dekompensierter) Zirrhose Transplantation erwägen.
egal < 100000 Kopien/ml Leberzirrhose keine Behandlung
Bei schwerster (dekompensierter) Zirrhose Transplantation erwägen.

*ORG: obere Referenzbereichsgrenze. Geht der "Normalwertbereich" bis 50 U/l, dann ist die ORG 50 und 2 x ORG ist 100.

 

Welche Laborbefunde zeigen den Erfolg einer Behandlung an?
Erste Ziele sind das Verschwinden des HBe-Ag und die Verminderung der HBV-DNA im Blut. Optimal aber selten ist das Verschwinden des HBs-Ag.

 

Wie beurteilt man die Ansteckungsgefahr?
Personen mit akuter Hepatitis B sind extrem ansteckend. Bei chronischer Hepatitis B Infektion ist das unterschiedlich. Laborwerte, die etwas über die Ansteckungsgefahr aussagen:

  • HBs-Ag: spricht für prinzipielle Ansteckungsgefahr
  • HBe-Ag: spricht für hohe Ansteckungsgefahr
  • Anti-HBe: spricht für geringere Ansteckungsgefahr
  • HBV-DNA: bester Wert für die Beurteilung der Ansteckungsgefahr.
    • HBV-DNA-Bestimmung mit Hybridisierungstechnik: findet man damit keine HBV-DNA, ist die Ansteckungsgefahr sehr gering
    • HBV-DNA-Bestimmung mit PCR-Technik: findet man damit keine HBV-DNA, dann besteht auch keinerlei Ansteckungsgefahr. Dann liegt aber auch sicher keine Hepatitis B Virus Infektion vor.

Die Marker erlauben zwar recht gut, das Ansteckungsrisiko abzuschätzen, in der Praxis nützt das aber meist wenig. Nach einer möglichen Infektion mit HBs-Ag-positivem Material (z.B. Nadelstichverletzung) mussen immer Maßnahmen getroffen werden (Testung, ev. Impfung). Egal ob die Infektionsquelle HBe-Ag positiv oder negativ ist. Auch für den Partner eines HBs-Positiven muss in jedem Fall eine Impfung empfohlen werden. Für im medizinischen Bereich Tätige, die an Hepatitis B erkrankt sind, kann es hingegen wichtig sein, "wie ansteckend" sie sind.

 

Chronische Hepatitis B Virusinfektion und Schwangerschaft
Eine HBs-Ag positive Mutter kann ihr Kind anstecken und verursacht dann meist eine chronische Hepatitis B. Ist bei der Mutter auch das HBe-Ag positiv, ist die Gefahr einer Ansteckung wesentlich höher. Unabhängig vom HBe-Ag wird das Kind einer HBs-Ag positiven Mutter innerhalb von 12h nach der Geburt gegen Hepatitis B geimpft. Siehe Laborbefunde und Schutzimpfung.

 

Varianten der chronischen Hepatitis B
Es gibt verschiedene Varianten der Hepatitis B. Eine wichtige ist die sog. HBe-negative chronische Hepatitis B, die meist durch eine Mutation (Veränderung) des Hepatitis B Virus verursacht ist und in Südeuropa und Asien häufiger ist. Diese mutierten Hepatitis B Viren können kein HBe-Antigen bilden.
Für die Deutung der Laborbefunde hat das folgende Bedeutung: normalerweise ist die Abwesenheit oder das Verschwinden HBe-Ag im Blut ein gutes Zeichen. Nicht so beim Auftreten von diesen mutierten Viren. Da ist die Abwesenheit oder das Verschwinden von HBe-Ag und das Auftreten von Anti-HBe nicht mit einer Verbesserung der chronischen Hepatitis verbunden.

Wie bekommt man eine derartige HBe-negative Hepatitis?
Sie kann sich aus einer "normalen" chronischen Hepatitis B entwickeln oder man steckt sich schon mit den Mutanten-Viren an.

Was kann man sich unter mutanten Hepatitis Viren vorstellen?
Im Erbgut, also der DNA des Virus ist an einer oder mehreren Stellen eine Änderung eingetreten, sodass die Viren kein HBe-Ag mehr bilden können. Wo diese Änderungen liegen, weiß man ganz genau. Weil die Namen in der Fachliteratur häufig auftauchen, seien sie hier genannt: man kennt Mutationen in der sog. "Precore-Region" und in der "Basal-Core-Promoter (BCP)-Region" der Virus-DNA. Das sind bestimmte Abschnitte der Virus-DNA.

Wie erkennt man so eine HBe-negative Hepatitis?
Das ist nicht leicht, denn der direkte Nachweis der mutierten Virus-DNA ist sehr aufwändig und nur in wenigen Speziallabors möglich. Folgende Kriterien wurden vorgeschlagen (SK Sarin, Journal of Gastroenterology and Hepatology, 2002):

  • HBs-Ag länger als 6 Monate Monate positiv,
  • HBe-Ag mindestens 6-12 Monate negativ
  • HBV-DNA größer 100000/µl (manche sind für niedrigeres Limit)
  • Zur Absicherung der Diagnose: Zeichen der Hepatitis in einer Lebergewebsprobe

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ZUSÄTZLICHE INFEKTION MIT HEPATITIS D
VIRUS:
ZUSATZINFEKTION MIT HEPATITIS D VIRUS

Eine Hepatitis D Infektion kann eine Hepatitis B komplizieren
Das Hepatitis D Virus (HDV) ist kein komplettes Virus. Es kann sich nur mit Hilfe des Hepatitis B Virus ausbreiten. Man kann also eine Hepatitis D Infektion nur zusätzlich zu einer Hepatitis B Infektion bekommen. Dabei kann man sich gleichzeitig mit beiden Viren anstecken oder die Hepatitis D Infektion kommt später zur chronischen Hepatitis B Infektion dazu. Man nennt das auch (nicht ganz korrekt) "Superinfektion", weil sich die Infektion "auf die Hepatitis B Infektion setzt"
Häufiger ist eine Hepatitis D Infektion im Mittelmeerraum (oder bei Personen die von dort kommen) und bei Drogenabhängigen.

  • Steckt man sich gleichzeitig mit HBV und HDV an, läuft die Erkrankung wie eine akute Hepatitis B ab, eventuell etwas schwerer. Die Rate der fulminanten (=sehr schweren, oft tödlichen) Hepatitis-Fälle ist höher.
     
  • Erfolgt eine Ansteckung mit HDV bei chronischer Hepatitis B, dann kann die Infektion wie eine aufflammende chronische Hepatitis oder so stark wie eine akute Hepatitis B ablaufen. Es kann sogar zur fulminanten Hepatitis kommen.
     
  • Eine Zusatzinfektion mit HDV bei chronischer Hepatitis B führt auch längerfristig meist zu einer Verschlechterung.
     
  • Nachweisen kann man eine Hepatitis D indem man Antikörper gegen das Hepatitis D Virus im Blut nachweist (Anti-HDV). Der Antikörper kommt allerdings erst 30-40 Tage nach der Erkrankung.
     
  • Nach einer Hepatitis D sollte man suchen:
    • schwerer Hepatitis-Verlauf einer akuten Hepatitis B
    • schweres Aufflammen der Erkrankung bei chronischer Hepatitis B
    • Personen aus dem Mittelmeerraum
    • Drogensüchtige, Bluter

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LABORBEFUNDE
UND SCHUTZIMPFUNG:
LABORBEFUNDE UND SCHUTZIMPFUNG

Die aktive Hepatitis B Schutzimpfung wurde in Deutschland und Österreich in das offizielle Impfprogramm aufgenommen. Die Impfung beginnt im Säuglingsalter und ist dann Teil eines Kombinationsimpfstoffs. Ziel ist alle Kinder spätestens bis zum 13 Lebensjahr zu impfen. Bei Erwachsenen wird die Impfung bestimmter Risikogruppen empfohlen (z.B. berufliches Risiko, Reisen in Risikoländer, privater Kontakt mit Hepatitis B Infizierten u.a.)

  • Immunität nach Infektion
    Ist man Anti-HBs und Anti-HBc positiv, hat man eine ausgeheilte Infektion hinter sich und ist immun. Man braucht keine Impfung.
     
  • Anti-HBs-Bestimmung zur Überprüfung der Impfwirkung
    Ist man geimpft, entwickelt man Anti-HBs. Diese bieten einen wirksamen Schutz gegen die Infektion. Eine Anti-HBs Konzentration von über 100 IE/l bietet einen mindestens 10-jährigen Schutz.
    Außer bei einer Impfung von Kindern und Jugendlichen, prüft man 1-2 Monate nach der letzten Teilimpfung, wieviel Anti-HBs in der Blutflüssigkeit ist. So erkennt man, ob die Impfung funktioniert hat.
    Es herrscht aber absolut keine Einigkeit darüber, wann nachgeimpft werden muss und wann eine Auffrischungsimpfung notwendig ist:
    Nachimpfungen: Die WHO empfiehlt ein sofortiges Nachimpfen, wenn der Anti-HBs Spiegel nach der letzten Teilimpfung des Grundimmunisierung unter 10 IE/l liegt (WHO/CDS/CSR/LYO/2002.2: Hepatitis B). Die Ständige Deutsche Impfkommission (STIKO) empfiehlt ein Nachimpfen bereits unter 100 IE/l (Epidemiologisches Bulletin des RKI, August, 2003).
    Auffrischungsimpfungen werden für Menschen mit normalem Immunsystem überhaupt in Frage gestellt, weil wahrscheinlich auch ohne nachweisbares Anti-HBs ein Impfschutz besteht (European Consensus Group on Hepatitis B Immunity, Lancet, 2000). Die STIKO empfiehlt (bei Werten von >100 IE/l nach der letzten Teilimpfung) eine Auffrischung nach 10 Jahren.
     
  • Impfversager
    Entwickelt man nach der Impfung keine nennenswerten Anti-HBs Spiegel, sollte man auch andere Hepatitismarker (Anti-HBc und HBs-Ag) testen. Es könnte eine chronische Hepatitis B Infektion vorliegen. Auch die Bestimmung von Anti-HBs mit einem anderen Labortest kann man versuchen. Bezüglich Nachimpfungen siehe vorigen Punkt.
     
  • Impfung von Neugeborenen
    Neugeborene von Müttern, die HBs-Ag positiv sind, werden innerhalb von 12h nach der Geburt geimpft.
    Und zwar mit einer Kombination aus aktiver und passiver Impfung. Ist kein Ergebnis eines HBs-Ag Tests vorhanden, wird ebenfalls geimpft. Aber nur aktiv. Die passive Impfung wird innerhalb von 7 Tagen nachgeholt, wenn sich herausstellt, dass die Mutter doch HBs-Ag positiv ist (Ständige Deutsche Impfkommission, 2003)
       
  • Erkrankung trotz Impfung?
    Der Schutz der Impfung ist ausgezeichnet. Eine trotzdem eintretende Infektion ist extrem selten und führt zu keiner merkbaren Erkrankung. Nur bei den Laborbefunden sieht man, dass neben dem Anti-HBs auch noch ein Anti-HBc im Blut auftritt.
    Einzelfälle von Hepatitis B trotz Impfung wurden beschrieben. Sie waren durch mutierte (veränderte) Viren verursacht.
     

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NORMAL-
BEFUNDE
UND TYPISCHE
MUSTER:
  Nie
erkrankte
Nach ausgeheilter,
akuter Hepatitis B
Nach
Impfung
HBs-Ag negativ negativ negativ
HBe-Ag negativ negativ negativ
HBV-DNA negativ negativ
(Nur Spuren
nachweisbar)
negativ
Anti-HBc negativ positiv negativ
Anti-HBc-IgM negativ negativ negativ
Anti-HBe negativ eine Zeit lang
positiv, dann negativ
negativ
Anti-HBs negativ positiv positiv
 
  Akute
Hepatitis B
Chronische
Hepatitis B
HBs-Ag positiv positiv
HBe-Ag zuerst positiv
dann negativ
positiv
(negativ bei Besserung)
HBV-DNA positiv positiv (>100000 Kopien/ml)
Anti-HBc positiv positiv
Anti-HBc-IgM positiv negativ
Anti-HBe zuerst negativ
dann positiv
negativ
(positiv bei Besserung)
Anti-HBs negativ negativ

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DIE LABORBEFUNDE IM EINZELNEN:
HBs-AG:

Hepatitis B Virus, Hülle mit HBs-Ag gelb eingezeichnet

Virusteilchen mit HBs-Ag tragenden Hüllen

 

Das HBs-Ag zeigt eine Hepatitis B Virusinfektion an (akute Hepatitis B, HBs-Träger oder chronische Hepatitis B). HBs-Antigen-Positive sind prinzipiell ansteckend. Falsch positive HBs-Ag Befunde kommen aber vor.
 

Was ist das HBs-Ag?
Das HBs-Ag ist ein Abschnitt auf der Hülle des Hepatitis B Virus. Findet man HBs-Ag im Blut, kann das durch ein komplettes Hepatitis B Virus verursacht sein. Mengenmäßig viel größer ist aber die Anzahl der Virus-Teilchen, die eine HBs-Ag-tragende Hülle besitzen. In jedem Fall heißt aber HBs-Ag im Blut, dass Hepatitis Viren im Körper vorhanden sind.

 

Warum bestimmt man HBs-Ag im Blut?

  • Diagnose der Hepatitis B (akut und chronisch)
  • Erkennung von unauffälligen Infizierten (HBs-Ag-Träger, engl. Carrier)
  • Abschätzung des Verlaufs bei akuter Hepatitis durch Bestimmung des Spiegels des HBs-Ag

 

Wann und wie lange findet man HBs-Ag im Blut?
Schon bald nach der Infektion und schon Wochen vor Ausbruch der Hepatitis B kann man HBs-Ag im Blut finden. Abgesehen von den sehr empfindlichen Virus-DNA-Nachweisen, ist das HBs-Ag das erste Zeichen einer akuten Hepatitis B. Nur in wenigen Fällen kann man bei akuter Hepatitis kein HBs-Ag finden. Dann muss sich die Diagnose auf das Anti-HBc-IgM stützen.
Bei akuter Hepatitis bleibt HBs-Ag meist 1-4 Monate nachweisbar. Bleibt es länger als 6 Monate positiv, spricht man von chronischer Hepatitis B Virusinfektion. Die Chance, dass das HBs-Ag dann noch verschwindet ist gering, wenn es auch vorkommen kann. Wahrscheinlicher ist dann der Übergang in den HBs-Träger, der zwar keine Beschwerden hat, das Virus aber auch nicht beseitigen kann, oder es kommt sogar zur Entwicklung einer chronischen Hepatitis B.

 

Was sagt ein positiver HBs-Ag Befund aus?

Ein positiver HBs-Ag Befund kann bedeuten

  • akute Hepatitis B
  • chronische Hepatitis B Virusinfektion
    • HBs-Träger
      (beschwerdefrei aber ansteckend).
    • Chronische Hepatitis B
  • Falsch positiver Befund (etwa 1% der positiven Befunde also häufig!)

Bezüglich "HBs-Ag und Anti-HBs gleichzeitig positiv" siehe unter Anti-HBs.

Vorgehen bei positivem Befund:

  • Durchführung und Einbeziehung der Ergebnisse der anderen Hepatitis B Tests (Befundmuster).
  • Wenn HBs-Ag einzig auffälliger Befund: Ausschluss eines falsch positiven Befundes wichtig:
    • Wiederholung,
    • Wiederholung mit anderem Test,
    • Wiederholung nach Zugabe von Anti-HBs (wenn immer noch positiv, dann wahrscheinlich falsch positiv),
    • HBV-DNA untersuchen. Findet man mit modernen Methoden keine HBV-DNA, dann wird der HBs-Ag Befund falsch positiv sein.

 

Was sagt ein negativer HBs-Ag Befund aus?

  • Es liegt derzeit keine Hepatitis B Virusinfektion vor
  • Gelegentlich: Anfangsphase einer akuten Hepatitis B
    In diesem Fall können das Anti-HBc-IgM oder die HBV-DNA den Hepatitis-Verdacht bestätigen.
  • Selten: Hepatitis B mit mutiertem (verändertem) Virus
    Es kann sein, dass der Labortest das veränderte HBs-Ag nicht findet. Die anderen Hepatitis B Befunde (z.B. Anti-HBc-IgM, HBe-Ag oder HBV-DNA) werden aber die Hepatitis B anzeigen.
  • Selten: HBs-Träger mit niedriger HBs-Ag Konzentration, sog. low-level Carrier
    Der Träger-Status könnte dann mittels HBV-DNA nachgewiesen werden.

 

Quantitative Bestimmung des HBs-Ag (HBs-Ag Spiegel)
Tests, die neben der positiv/negativ-Aussage auch noch angeben, wieviel HBs-Ag vorhanden ist, erlauben zusätzliche Aussagen:

  • Ein abfallender HBs-Ag Spiegel ist das erste Zeichen einer Ausheilung einer akuten Hepatitis B
    Bei einem unkomplizierten Verlauf einer akuten Hepatitis B sinkt das HBs-Ag im Serum (Blutflüssigkeit) etwa alle 9 Tage auf die Hälfte ab (= Halbwertszeit von 9 Tagen). Ist das nicht der Fall, deutet das auf die Entwicklung einer chronischen Hepatitis B Virusinfektion hin.
  • Man bekommt bei Hepatitis B Virusinfektion einen Anhaltspunkt über die Verlaufsform:
    • die chronische Hepatitis B zeigt HBs-Ag Konzentration von etwa 40000 ng/ml Serum.
    • Beschwerdefreie, "gesunde" HBs-Träger haben nur etwa 8000 ng/ml Serum.

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HBe-AG:

Ins Blut gelangt auch das HBe-Ag, ein anderer Eiweißstoff des Hepatitis B Virus

Das Vorhandensein von HBe-Ag ist das Zeichen einer Virusvermehrung, d.h. einer aktiven Hepatitis B Virusinfektion (akute Hepatitis B, chronische Hepatitis B). HBe-positive Fälle sind infektiöser als HBe-negative.
 

Was ist das HBe-Ag?
Das HBe-Ag ist ein Eiweißstoff, den Hepatitis B Viren im Rahmen ihrer Vermehrung herstellen und der in das Blut gelangt.

 

Warum bestimmt man HBe-Ag im Blut?

  • Zur Beobachtung des Verlaufs einer akuten oder chronischen Hepatitis B
  • Prüfung des Erfolgs der Behandlung der chronischen Hepatitis B
  • Abschätzung der Infektiosität/Ansteckungsgefahr des Serums

 

Wann und wie lange findet man HBe-Ag im Blut?

  • Bei der akuten Hepatitis wird das HBe-Antigen relativ bald positiv, noch bevor die Infektion ausbricht. Innerhalb von 2-3 Monaten sollte das HBe-Ag wieder verschwinden. Tut es das nicht, ist dies ein Hinweis auf die Entwicklung einer chronischen Hepatitis B Virusinfektion.
  • Bei der chronischen Hepatitis B ist das HBe-Ag oft jahrelang nachweisbar. Sein Verschwinden zeigt eine Besserung an und ist meist mit einer Besserung der Leberwerte (ALT) und einem Abfall der HBV-DNA Spiegel verbunden.
  • HBs-Träger haben definitionsgemäß kein HBe-Ag im Blut.

 

Was sagt ein positiver HBe-Ag Befund aus?
Ein positiver HBe-Ag Befund kann bedeuten

  • akute Hepatitis B
  • chronische Hepatitis B (aktivere Form)

Vorgehen bei positivem Befund: Durchführung und Einbeziehung der Ergebnisse der anderen Hepatitis B Tests (Befundmuster).

 

Was sagt ein negativer HBe-Ag Befund aus?
Ein negativer HBe-Ag Befund kann bedeuten

  • Gesunder (bzw. überstandene Hepatitis)
  • akute Hepatitis in Heilungsphase
  • "gesunder" HBs-Ag-Träger
  • chronische Hepatitis (ruhige Phase)

Ausnahmen gibt es bei Infektionen mit der HBe-Ag-negativen Variante des Hepatitis B Virus. In diesem Fall kann das HBe-Ag auch bei aktiver Hepatitis  fehlen. Die mutierten Hepatitis B Viren können gar kein HBe-Ag bilden, sind aber sonst leider funktionsfähig.

 

Infektiosität?
Früher hat man HBe-Ag und Anti-HBe auch als Maß für die Infektiosität des Patienten, also für die Ansteckungsgefahr, die von ihm ausgeht, gesehen.
Und tatsächlich gilt:

  • HBe-Ag positiv / Anti-HBe-negativ: hohe Ansteckungsgefahr
     
  • HBe-Ag negativ / Anti-HBe-positiv: niedrige Ansteckungsgefahr

Die Infektiosität lässt sich heute aber besser über die Bestimmung der HBV-DNA Spiegel abschätzen.

 

HBe-Ag und Anti-HBe gleichzeitig positiv
Das kann in den Übergangsphasen einer akuten oder chronischen Hepatitis B vorkommen. Eine etwas später durchgeführte Wiederholungsuntersuchung kann dies abklären.

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HBV-DNA:

HBV-DNA, die Erbsubstanz des Hepatitis B Virus (blau)

Die Bestimmung der HBV-DNA dient der Abklärung unklarer Befunde, definiert die chronische Hepatitis B und den HBs-Ag-Träger und kann Infektiosität und Therapieerfolg anzeigen.
 

Was ist HBV-DNA?
HBV-DNA ist die Erbsubstanz des Hepatitis B Virus (HBV).

 

Warum bestimmt man HBV-DNA?

  • Abschätzung der Infektiosität des Serums (Bluts)
  • Prüfung von Blutprodukten (z.B. Blutkonserven, Gerinnungsfaktoren) auf Hepatitis B
  • Prüfung des Erfolgs einer Behandlung bei chronischer Hepatitis B
  • Abklärung bei unklaren Ergebnissen der anderen Hepatitis B Befunde
  • Definieren der verschiedenen HBV-Erkrankungen
    (Neuere Definitionen stützen sich auf die Menge der im Blut vorhandenen Viren)

 

Wann und wie lange findet man HBV-DNA (und wie viel)?

  • Akute Hepatitis B
    HBV-DNA findet man schon wenige Tage nach der Ansteckung im Blut. Hohe Spiegel von HBV-DNA findet man dann während akuten Hepatitis (109 bis 1010 Kopien/ml Serum =1 bis 10 Milliarden/ml). Bei der Ausheilung sinken die Spiegel sehr stark ab.
    Geringste Mengen kann auch nach vollständiger Ausheilung jahrelang nachweisen. Was für eine Bedeutung das hat, ist noch unklar.
     
  • Chronische Hepatitis
    Nach neueren Definitionen zeigt eine chronische Hepatitis einen HBV-DNA Spiegel von über 105 Kopien/ml (= 100000/ml) im Serum.
    Ca. 107 bis 109 Kopien/ml Serum (=10 Millionen bis 1 Milliarde/ml) findet man bei chronischer, HBe-Ag-positiver Hepatitis B.
    Wird die Hepatitis B HBe-Ag negativ, dann sinkt der HBV-Spiegel ab. Das kann aber Jahre bis Jahrzehnte dauern.
    Sinkende HBV-DNA Spiegel zeigen eine Besserung der Erkrankung bzw. eine erfolgreiche Behandlung an.
     
  • HBs-Ag-Träger (Carrier)
    Neuere Definitionen des HBs-Ag-Trägers beziehen auch die HBV-DNA ein: es sollten sich weniger als 105 Kopien/ml (= 100000/ml) im Serum finden.

 

 

Was sagt ein positiver HBV-DNA-Befund aus?

  • Ein mit empfindlichen Methoden (PCR) gemessener, positiver HBV-DNA-Befund sagt wenig aus, selbst nach ausgeheilter akuter Hepatitis kann HBV-DNA mittels PCR nachweisbar bleiben. Sinnvoller ist daher die quantitative HBV-DNA Bestimmung, bei der auch die Menge der Viruskopien im Blut bestimmt wird. Aus der Menge lassen sich Rückschlüsse ziehen, welche Erkrankung vorliegen könnte (siehe vorigen Absatz).
     
  • Ein mit weniger empfindlichen Methoden (Hybridisierung) erstellter, positiver HBV-Befund spricht für Infektiosität des Serums und für das Vorliegen einer Hepatitis B.
     
  • Für den Beweis der Hepatitis B Virusfreiheit von Blutprodukten ist die empfindliche PCR ideal. Jeder positive Befund muss zu einem Verwerfen des Produkts führen.

 

Was sagt ein negativer HBV-DNA-Befund aus?

  • Ein mit empfindlichen Methoden (PCR) gemessener, negativer HBV-DNA-Befund schließt (bei korrekter Durchführung) eine Hepatitis B und auch einen HBs-Trägerstatus und auch jegliche Infektiosität fast völlig aus.
    Lediglich seltene Mutationen (Veränderungen) der Virus-DNA an bestimmten Stellen könnten einen falsch negativen HBV-DNA Befund verursachen.
     
  • Ein mit weniger empfindlichen Methoden (Hybridisierung) erstellter, negativer HBV-Befund schließt weder eine Hepatitis B noch die Infektiosität völlig aus, spricht aber für niedrige Infektiosität.

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ANTI-HBc:

Anti-HBc Antikörper der Klasse IgG (oben) und IgM

Anti-HBc im Blut zeigen eine bestehende oder eine einmal abgelaufene Hepatitis B an
 

Was sind Anti-HBc Antikörper?
Anti-HBc sind Antikörper, die unsere Abwehr gegen den Kern des Hepatitis B Virus bildet. Unter diesen unterscheidet man die Anti-HBc-IgG und die Anti-HBc-IgM. Die Tests zur Bestimmung von Anti-HBc bestimmen beide Antikörper (IgG+IgM), also die gesamten Anti-HBc-Antikörper im Blut.

 

Warum bestimmt man Anti-HBc Antikörper im Blut?

  • Diagnose der Hepatitis B (akut und chronisch)
    Anti-HBc, HBs-Ag und Anti-HBs sind meist die ersten Suchtests bei Hepatitis B Verdacht.
  • Absicherung von anderen positiven Hepatitisbefunden (HBs-Ag oder Anti-HBs)
  • Abklärung der Durchseuchung mit Hepatitis B in der Bevölkerung

 

Wann und wie lange findet man Anti-HBc im Blut?
Bei akuter Hepatitis B findet man Anti-HBc meist schon kurz vor dem Auftreten der Erkrankung und danach lebenslang. Daher ist Anti-HBc auch bei chronischer Hepatitis positiv.
Anti-HBc beweisen keine Ausheilung oder Schutz vor Infektion.

 

Was sagt ein positiver Anti-HBc Befund aus?
Ein positiver Anti-HBc Befund kann bedeuten

  • ausgeheilte Hepatitis B
  • akute Hepatitis B (relativ niedrige Anti-HBc Konzentration)
  • "gesunde" HBs-Ag Träger (hohe Anti-HBc Konzentration)
  • chronische Hepatitis B (sehr hohe Anti-HBc Konzentration)
  • Selten: Neugenborene: Anti-HBs von der Mutter

Sehr hohe Konzentrationen sprechen also für eine chronische Hepatitis B.

Vorgehen bei positivem Befund: Durchführung und Einbeziehung der Ergebnisse der anderen Hepatitis B Tests (Befundmuster).

 

Was sagt ein negativer Anti-HBc Befund aus?
Ein negativer Befund spricht mit hoher Sicherheit dafür, dass keine Hepatitis B vorliegt und dass auch früher keine abgelaufen ist.
Nur sehr selten kann das Anti-HBc bei Hepatitis B negativ bleiben. Dies kommt vor bei Immungeschwächten (HIV-Infektion, Dialysepatienten, Immunschwächung nach Transplantationen). Diese bilden zwar Anti-HBc aber zu wenig. Man kann die Hepatitis aber dennoch erkennen: HBs-Ag und HBe-Ag werden positiv sein und die HBV-DNA-Spiegel werden hoch sein.

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ANTI-HBc-IGM:

Anti-HBc-Antikörper der Klasse IgM

Anti-HBc-IgM sind die Antikörper der akuten Hepatitis B
 

Was sind Anti-HBc-IgM?
Anti-HBc-IgM sind Antikörper, die unsere Abwehr gegen den Kern des Hepatitis B Virus bildet. Unter diesen unterscheidet man die Anti-HBc-IgG und eben die Anti-HBc-IgM. Die Tests zur Bestimmung von Anti-HBc bestimmen beide Antikörper, also die gesamten Anti-HBc (IgG+IgM) im Blut. Tests für Anti-HBc-IgM bestimmen nur diese.  

 

Warum bestimmt man Anti-HBc-IgM im Blut?
Meist wird beim ersten Verdacht auf Hepatitis noch kein Anti-HBc-IgM bestimmt, sondern nur Anti-HBc. Aber wenn Anti-HBc positiv ist, dann ist sehr wichtig zu wissen, ob da Anti-HBc-IgM dabei sind.
Die wichtigste Aussage des Anti-HBc-IgM ist die Unterscheidung zwischen akuter Hepatitis B (Anti-HBc-IgM positiv) und chronischer Hepatitis B (Anti-HBc-IgM negativ).

Verlaufsbeobachtung der chronischen Hepatitis B:In Sonderfällen bestimmt man HBc-IgM zur Abschätzung der Aktivität und Leberschädigung bei chronischer Hepatitis B. Dazu muss man aber spezielle Tests verwenden, weil dabei nur geringe Mengen Anti-HBc-IgM vorhanden sind, die viele normale Tests nicht erfassen.

 

Wann und wie lange findet man Anti-HBc-IgM im Blut?
Anti-HBc-IgM gehören zu den ersten Antikörpern, die man bei akuter Hepatitis nachweisen kann. Wenn die Erkrankung ausbricht, kann man sie schon nachweisen. Und sie bleiben dann auch etwa 2 bis 6 seltener 12 Monate nachweisbar.
Hingegen sind bei chronischer Hepatitis B keine Anti-IgM, oder nur sehr geringe Mengen Anti-IgM im Blut. Der Anti-HBc-IgM Test wird dann negativ sein.

Das hängt aber natürlich, wie oben angedeutet, vom Test ab. Bei vielen zur Diagnose der Hepatitis  verwendeten Tests, stellt der Hersteller die Empfindlichkeit für Anti-HBc-IgM so ein, dass die Tests nur bei den hohen Antikörpermengen während akuter Hepatitis B positiv werden. Bei chronischer Hepatitis B findet man dann meist keine Anti-HBc-IgM. Mit speziellen Tests kann man aber auch bei chronischer Hepatitis, besonders in den aktiven Phasen, Anti-HBc-IgM finden.

 

Was sagt ein positiver Anti-HBc-IgM Befund aus?
 
Ein positiver Anti-HBc-IgM Befund hat eine klare Aussage, er spricht für

  • Akute Hepatitis B

Selten findet man Anti-HBc-IgM auch bei aktiven Krankheitsphasen einer chronischen Hepatitis B und dann nur in niedrigen Konzentrationen, sodass dies nur mit bestimmten Tests zu erfassen ist.

Vorgehen bei positivem Befund: Durchführung und Einbeziehung der Ergebnisse der anderen Hepatitis B Tests (Befundmuster).

 

Was sagt ein negativer Anti-HBc-IgM Befund aus?
Ein negativer Befund sagt alleine wenig aus. Man kann nur folgendes sagen: es besteht keine akute Hepatitis und es ist in den letzten 2 Monaten höchstwahrscheinlich keine abgelaufen.

 

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ANTI-HBs:

Anti-HBs-Antikörper

Anti-HBs sind die Antikörper der Ausheilung und der Immunität gegen Hepatitis B
 

Was sind Anti-HBs Antikörper?
Anti-HBs sind Antikörper, die unsere Abwehr gegen Oberflächen-Eiweißstoffe des Hepatitis B Virus bildet.  

 

Warum bestimmt man Anti-HBs im Blut?

  • Man kann damit prüfen, ob jemand gegen Hepatitis B immun ist, ob eine Impfung funktioniert hat. Man sieht bei akuter Hepatitis, ob eine Ausheilung erfolgt.
  • Anti-HBc, HBs-Ag und Anti-HBs sind meist die ersten Suchtests bei Hepatitis B Verdacht.

 

Wann und wie lange findet man Anti-HBs im Blut?
Bei einer akuten Hepatitis B ist Anti-HBs meist 4-6 Monate nach Krankheitsbeginn nachweisbar. Es taucht meist gleich oder bald nach dem Verschwinden des HBs-Ag auf.
Zwischen dem Verschwinden des HBs-Ag und dem Auftauchen des Anti-HBs ist (mit modernen Methoden gemessen) nur selten eine größere "Lücke", wie dies früher noch oft gefunden und als "diagnostische Lücke" bezeichnet wurde.
Das Auftauchen von Anti-HBs ist eine Zeichen der Ausheilung und Immunität gegen die Erkrankung. Nach eine überstandener akuter Hepatitis B findet man Anti-HBs meist lebenslang im Blut. Auch nach Impfung bleibt es jahre- bis jahrzehntelang im Blut.

 

Was sagt ein positiver Anti-HBs Befund aus?
Ein positiver Anti-HBs Befund kann bedeuten

  • Einmal überstandene Hepatitis B
  • Gerade ausheilende Hepatitis B
  • Zustand nach aktiver Hepatitis B Impfung
    (Auch bei Transfusion von Blutprodukten könnten nicht infektiöse HBs-Ag enthalten sein. Das wirkt dann wie eine Impfung)
  • Nach einer passiven Impfung (in der ist ja Anti-HBs enthalten)
  • Selten: nach Gabe von Immunglobulinen oder Plasmaprodukten (in diesen kann Anti-HBs vorhanden sein)
  • Selten: Neugenborene: Anti-HBs von der Mutter

Vorgehen bei positivem Befund: Nur bei Unklarheiten Durchführung und Einbeziehung der Ergebnisse der anderen Hepatitis B Tests (Befundmuster).

 

Was sagt ein negativer Anti-HBs Befund aus?
Ein negativer Befund sagt alleine wenig aus. Er kann vorkommen beim Gesunden, der noch nie eine Hepatitis B hatte, beim chronisch Hepatitis B Virus Kranken der keine schützenden Antikörper ausbildet aber auch in der Anfangsphase einer akuten Hepatitis.

 

 

HBs-Ag und Anti-HBs gleichzeitig positiv
Selten findet man HBs-Ag und Anti-HBs gleichzeitig im Blut. Das kann folgende Ursachen haben.

  • Der Befund für Anti-HBs oder für HBs-Ag ist falsch
    (häufigste Ursache)
    Labormethoden sind nicht perfekt. Wenn einer der Befunde falsch positiv ist, kann es zu dieser auffälligen Konstellation kommen. Man kann die Befunde wiederholen. Oft löst sich dann das Problem. Falls es trotzdem so bleibt, ist der falsch positive Befund meist nur ganz knapp positiv, zeigt also eine sehr niedrige Konzentration an.
     
  • Übergangsphase bei akuter Hepatitis B
    Eine kurze Zeitspanne können bei akuter Hepatitis B HBs-Ag und Anti-HBs gleichzeitig im Blut auftreten. Beide sind dann in niedriger Konzentration vorhanden. Man wiederholt die Analyse etwas später: das HBs-Ag sollte verschwunden und Anti-HBs gestiegen sein.
     
  • Infektion mit anderem Typ von Hepatitis B Virus (selten)
    Es gibt verschiedene Typen (man nennt sie auch Serotypen) von Hepatitis B Viren. Und es kann passieren, dass man Antikörper gegen den einen Typ hat, sich aber mit dem anderen infiziert. Das Anti-HBs, das man im Blut findet "passt" dann gar nicht zu dem HBs-Antigen, mit dem man sich infiziert hat. Bei einer solchen Situation kann man sowohl Anti-HBs als auch HBs-Ag über längere Zeit auch in hoher Konzentration im Blut nebeneinander finden. Beweisen ließe sich das nur mit Spezialuntersuchungen.
    Für die Impfung ist das kein Problem, da entwickelt man Antikörper, die gegen alle Serotypen des Hepatitis B Virus wirken.
     
  • Infektion mit einer Mutante des Hepatitis B Virus (selten)
    Eine ähnliche Situation wie der vorige Punkt. Man hat zwar Anti-HBs, die passen aber nicht zu den mutierten (veränderten) Hepatitis B Viren. Auch diese mutierten Viren lassen sich nur in Speziallabors nachweisen.
    Im Gegensatz zu den verschiedenen Serotypen der Hepatitis B Virus sind diese mutierten Viren für die Impfung ein Problem. Ja man hat sie sogar erstmals bei Personen entdeckt, die trotz Impfung eine Hepatitis B bekamen.

 

Bezüglich Impfung siehe dort.

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ANTI-HBe:

Anti-HBe-Antikörper

Anti-HBe zeigen zwar keine Ausheilung an, wie die Anti-HBs, ihr Auftreten ist aber dennoch ein gutes Zeichen (und spricht auch für verminderte Infektiosität/Ansteckungsgefahr)
 

Was sind Anti-HBe?
Anti-HBe sind Antikörper, die unsere Abwehr gegen Eiweißstoffe des Hepatitis B Virus bildet.  

 

Warum bestimmt man Anti-HBe Antikörper im Blut?
Der Anti-HBe Test ist meist nicht unter den ersten Suchtests bei Verdacht auf Hepatitis B, er wird aber eingesetzt, wenn diese auffällig waren. Die Bestimmung des Anti-HBe hilft bei der Beobachtung der akuten und chronischen Hepatitis und lässt die Ansteckungsgefahr abschätzen.

 

Wann und wie lange findet man Anti-HBe im Blut?
Bei einer akuten Infektion wird Anti-HBe nach 2-3 Monaten positiv. Dies ist ein gutes Zeichen und deutet auf eine Ausheilung hin. Kommt es nicht dazu, ist dies ein Hinweis auf eine Entwicklung in Richtung chronische Hepatitis B. Nach überstandener akuter Hepatitis B kann Anti-HBe einige Monate lang im Blut nachweisbar sein.
Bei der chronischen Hepatitis B wird Anti-HBe oft erst nach Jahren positiv. Aber auch hier ist dies ein gutes Zeichen und bedeutet eine deutliche Besserung mit verbesserten Aussichten und geringerem Risiko eines Leberzellkarzinoms oder einer Leberzirrhose.
Ausnahmen gibt es bei Infektionen mit der HBe-Ag-negativen Variante des Hepatitis B Virus. In diesem Fall zeigt das Anti-HBe nicht unbedingt eine Verbesserung an, weil es ja gar nicht gegen das die chronische Hepatitis B verursachende Virus gerichtet ist.

 

Was sagt ein positiver Anti-HBe Befund aus?
Ein positiver Anti-HBe Befund kann bedeuten

  • akute Hepatitis B (gerade ablaufend in der Heilungsphase oder vor nicht allzu langer Zeit abgelaufen)
  • chronische Hepatitis B (in einer bereits ruhigeren Phase)
  • Zeichen des Erfolgs bei Behandlung der chronischen Hepatitis B
  • Hepatitis B Träger (Carrier; kann Anti-HBe haben)

Vorgehen bei positivem Befund: Durchführung und Einbeziehung der Ergebnisse der anderen Hepatitis B Tests (Befundmuster).

 

Was sagt ein negativer Anti-HBe Befund aus?
Ein negativer Befund ist vieldeutig, allein sagt er wenig aus. Kommt vor bei Gesunden, die noch nie an Hepatitis erkrankt waren, bei schon länger zurückliegender Hepatitis B, bei chronischer Hepatitis B und bei HBs-Trägern. Kann also praktisch immer vorkommen.

 

 

Infektiosität?
Früher hat man HBe-Ag und Anti-HBe auch als Maß für die Infektiosität des Patienten, also für die Ansteckungsgefahr, die von ihm ausgeht, gesehen.
Und tatsächlich gilt:

  • HBe-Ag positiv / Anti-HBe-negativ: hohe Ansteckungsgefahr
     
  • HBe-Ag negativ / Anti-HBe-positiv: niedrige Ansteckungsgefahr

Die Infektiosität lässt sich heute aber besser über die Bestimmung der HBV-DNA Spiegel abschätzen.

 

HBe-Ag und Anti-HBe gleichzeitig positiv
Das kann in den Übergangsphasen einer akuten oder chronischen Hepatitis B vorkommen. Eine etwas später durchgeführte Wiederholungsuntersuchung kann dies abklären.

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Letzte Änderung 2005-06-19

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