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  PSA

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  DETAILS

 

PSA (Prostata-spezifisches Antigen)- Details
Univ.Doz.Dr.med. Wolfgang Hübl

Name - Info - Referenzbereich - Bestimmung - Erhöhung - Probe - Probenlagerung
Präanalytik - Interferenzen - Fehlerquellen

 
NAME:
Prostata heißt dt. Vorsteherdrüse.
Der Ausdruck Prostata-spezifisch soll beschreiben, dass der Stoff nur in der Prostata gebildet wird.
Das PSA ist ein Eiweißstoff, der mit Hilfe von passenden Antikörpern messbar wird. Das PSA stellt bei der Messung das Antigen dar, an das sich diese Antikörper binden.
   
INFO:
Was ist PSA?
PSA ist ein Eiweißstoff, der in den Drüsenzellen der Prostata gebildet wird. PSA dürfte eine Aufgabe bei der Verflüssigung des männlichen Samens haben und daher für die Fruchtbarkeit des Mannes von Bedeutung sein.
Glaubte man früher, PSA würde nur im Prostatagewebe erzeugt werden, fand man mit sehr empfindlichen Methoden auch in vielen anderen Geweben PSA.
   
Harn- und Geschlechtsorgane des Mannes im Schnitt Harn- und Geschlechtsorgane des Mannes
Die Prostata (orange-braun) liegt unter der Harnblase (gelb) und umgibt die Harnröhre (weiß).

 
Woher kommt das PSA des Blutes?

Das PSA des Blutes stammt abgesehen von sehr seltenen Fällen von der Prostata.

 

Warum bestimmt man PSA im Blut?
Die bei weitem wichtigste Anwendung ist die Bestimmung des PSA als Suchtest für das Prostatakarzinom bei Männern über 50.
Daneben misst man PSA im Blut noch, um das Ausmaß eines bestehenden Prostatakarzinoms abzuschätzen und um den Behandlungserfolg und den Verlauf der Erkrankung zu kontrollieren.

 

Was sagt ein erhöhter PSA-Wert aus?
Vereinfacht gesagt, besteht bei einem erhöhten Wert die Möglichkeit, dass ein Prostatakarzinom vorliegt. Je höher der Wert um so höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass wirklich ein Karzinom vorhanden ist.

 

Bedeutet ein erhöhter Wert immer ein Karzinom?
Nein, absolut nicht. Studien haben gezeigt, dass etwa 70% aller Patienten mit leicht erhöhtem Wert (4 - 10 µg/l = 4 - 10 ng/ml) kein Prostatakarzinom haben.

 

Woher kommen erhöhte Werte, wenn nicht vom Prostatakarzinom?

  • Prostatahypertrophie (=gutartiger Tumor der Prostata; korrekter als Prostataadenom zu bezeichnen; sehr häufige Erkrankung! Kommt bei mehr als der Hälfte aller Männer über 50 vor!)
     
  • Entzündung der Prostata (Prostatitis; seltener)
     
  • Prostatainfarkt (sehr selten)

Andere Ursachen sind noch seltener (siehe unter ERHÖHUNG").

 

Bedeutet ein normaler Wert, dass ein Karzinom ausgeschlossen ist?
Nein, leider auch nicht. Ein nennenswerter Teil der Prostatakarzinome hat PSA-Blutspiegel unter 4µg/l.  

 

Wie kann man die Aussagekraft der PSA-Bestimmung erhöhen?

  • Durchführung einer Tastuntersuchung und einer Ultraschalluntersuchung der Prostata.
     
  • Verwendung alters-abhängiger Referenzbereiche (siehe Referenzbereiche).
    Bei jüngeren Männern sind schon niedrigere Werte verdächtig, bei älteren nur stärker erhöhte.
     
  • Bestimmung der PSA-Zunahme
    Das Karzinom produziert mehr PSA und wächst schneller als die gutartige Prostatavergrößerung. Nimmt man als Schwelle z.B. einen Anstieg des PSA um mehr als 0.75 µg/l pro Jahr dann gilt: 70% aller Fälle von Prostatakarzinom zeigen Anstiege über dieser Schwelle während 95% aller Patienten ohne Prostatakarzinom geringere Antiege zeigen. Um eine Steigerung zu beurteilen, ist natürlich eine exakte Messung mit vergleichbaren Testmethoden und immer gleicher Probenart (z.B. Heparin-Plasma) erforderlich.
     
  • Bestimmung der PSA-Dichte und des freien PSA
    Diese beiden Untersuchungen sind weiter unten erklärt.
     
  • Bestimmung des an alpha-1-Chymotrypsin (ACT) gebundenem PSA (ACT-PSA) oder Bestimmung des komplexierten PSA (cPSA).
    Auch diese beiden Untersuchungen sind weiter unten erklärt.

 

Was ist die PSA-Dichte und was sagt sie aus?
Prostatakarzinome geben viel mehr PSA ans Blut ab als gutartige Prostatatumoren. Ein kleines Karzinom kann daher den PSA-Wert relativ stark erhöhen. Dieselbe Erhöhung kann nur ein relativ großer gutartiger Prostatatumor verursachen.
Das kann man nützen: man misst nicht nur das PSA sondern auch mittels Ultraschall das Volumen der Prostata. Hohe PSA-Werte bei kleiner Prostatagröße (also eine hohe PSA-Dichte) sind verdächtig auf ein Prostatakarzinom, niedrige sprechen eher für einen gutartigen Tumor.
Nachteil: entsteht ein kleines Karzinom in einem großen gutartigen Tumor, wird die Dichte trotz Karzinom relativ niedrig sein. Bei großer Prostata ist also die Aussage der PSA-Dichte eingeschränkt.

 

Was ist das freie PSA und warum wird es gemessen?
Normalerweise liegt der Großteil des PSA im Blut in "gebundener" Form vor. Das PSA ist dabei an andere Stoffe gebunden. Nur ein Teil von weniger als 30% liegt in ungebundener, also freier Form vor - das freie PSA.

  • Der gutartige Prostatatumor ("Prostatahypertrophie") bildet PSA. Der Anteil an freiem PSA wird daher steigen.
     
  • Beim Prostatakarzinom hingegen sinkt der Anteil an freiem PSA. Warum das so ist? Dazu gibt es eine Theorie: Das Prostatakarzinom produziert nicht nur PSA sondern auch einen Stoff, an den das PSA gebunden wird (und damit nicht mehr frei ist). Daher sinkt der Anteil des freien PSA.

Berechnung: man dividiert das freie PSA durch das Gesamt-PSA (das ist der "normale", "totale" PSA-Wert) und erhält so den Quotienten. Als Grenzwert wird oft ein Wert von etwa zwischen 0.15  und 0.20 angesehen. Ist der Quotient geringer, spricht dies für ein Prostatakarzinom, ist er höher, für die gutartige Prostatahypertrophie.

Beispiel:

  • (Gesamt-)PSA war 8, das freie PSA war 2.
  • 2 dividiert durch 8 ist 0.25.
  • Der Anteil des freien PSA ist also 0.25 bzw. 25% und spricht daher eher für einen gutartigen Prostatatumor (=für eine Prostatahypertrophie).

 

Was ist alpha-1-Chymotrypsin-PSA (ACT-PSA) und komplexiertes PSA (cPSA)?
Wie im vorigen Abschnitt erwähnt, liegt das PSA im Blut zum Großteil in gebundener Form vor. Gebunden ist das im Blut mit üblichen Methoden nachweisbare PSA vor allem an das sog. alpha-1-Chymotrypsin (ACT-PSA). Die Bestimmung des ACT-PSA soll die Bestimmung von freiem und Gesamt-PSA ersetzen.
Die Tests für komplexiertes PSA (cPSA) sollen verschiedene Formen von gebundenem PSA erfassen, darunter auch das ACT-PSA. Auch diese Tests wollen die Bestimmung von freiem und Gesamt-PSA ersetzen.
Erste Studien zeigten eine verbesserte Unterscheidbarkeit von Prostatahypertrophie und Prostatakarzinom durch die Bestimmung von komplexiertem PSA. Andere Studien, z.B die des Berliner Univeritätsklinikums Charité (Baumgart und andere, J.f.Urologie und Urogynäkologie, 2001) fanden aber keine Überlegenheit von cPSA oder ACT-PSA gegenüber der herkömmlichen Bestimmung von freiem und Gesamt-PSA. Die Problematik scheint nicht restlos geklärt, in jedem Fall dürften die neuen Parameter den bisher gebräuchlichen zumindest ebenbürtig sein.

 

Wie oft sollte man PSA kontrollieren?
Bei Männern über 50 Jahre ist eine jährliche Kontrolle empfohlen.

 

Warum sagen manche, man sollte PSA nicht ungezielt bei Männern über 50 messen?
Verkürzt gesagt wird argumentiert, dass man damit mehr Schaden anrichtet als Gutes tut.
Es wird nicht bestritten, dass man damit Prostatakarzinome besser und früher erkennt. Aber die Gegner der ungezielten PSA-Vorsorgeuntersuchung kritisieren die ihrer Meinung nach naive Sicht, es muss immer richtig sein, ein bestehendes Karzinom zu entfernen. Dies klinge zwar logisch, es sei aber keineswegs bewiesen, dass damit wirklich eine Verbesserung für die Patienten mit Prostatakarzinom eintritt. Als Nachteil führen sie die durch den erhöhten PSA-Wert unnötig verunsicherten Menschen und natürlich die nach einer eventuell notwendigen Operation impotenten oder Harn verlierenden Patienten an. Niemand wisse, bei wie vielen dieser durch die Behandlung geschädigten Patienten das Prostatakarzinom selbst je als Krankheit "ausgebrochen" wäre (Frankel S., Lancet, 2003).
Um diese schwierigen Fragen tobt ein emotionell geführter Streit unter Experten zu dem wir keine Stellung beziehen wollen. Es sollte an dieser Stelle lediglich auch dem PSA-kritischen Standpunkt Raum gegeben werden und erwähnt sein, dass hinter der Diskussion natürlich leider auch enorme wirtschaftliche Interessen stehen.

   
REFERENZ-
BEREICH:
  Bereich Einheit
Männer bis 4 µg/l = ng/ml
Frauen mit Routinemethoden
nicht nachweisbar
 
Alters-spezifische Werte (Männer)
(Österling J.E., JAMA 1993)
Altersgruppe Bereich Einheit
40 - 49 J. bis 2.5 µg/l = ng/ml
50 - 59 J. bis 3.5 µg/l = ng/ml
60 - 69 J. bis 4.5 µg/l = ng/ml
70 - 79 J. bis 6.5 µg/l = ng/ml
 
Man verwendet labortechnisch hergestellte, sog. klonale Antikörper gegen das PSA. Man gibt diese zur Blutflüssigkeit dazu und sie setzen sich auf das PSA.
Um diese Reaktion sichtbar und messbar zu machen, werden die üblichen Standardmethoden eingesetzt.
   
ERHÖHUNG:
Gutartige Erkrankungen der Prostata:
  • Prostatahypertrophie (=gutartiger Tumor der Prostata; korrekter als Prostataadenom zu bezeichnen; häufige Erkrankung; kommt bei mehr als der Hälfte aller Männer über 50 vor!)
  • Entzündung der Prostata (Prostatitis)
  • Prostatainfarkt
Maligne Erkrankungen der Prostata:
  • Prostatakarzinom ("Krebs")
    Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Karzinom vorliegt, steigt mit steigendem PSA-Spiegel (folgende Werte sind nur als grobe Anhaltspunkte zu verstehen; verschiedene Studien liefern unterschiedliche Ergebnisse):
      
    PSA
    Spiegel

    Wahrscheinlichkeit dass
    ein Karzinom vorliegt

    0-2 ng/ml 1 %
    2-4 ng/ml 15 %
    4-10 ng/ml 25 %
    >10 ng/ml >50 %

    Darüber hinaus steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Karzinom vorliegt, mit sinkendem Anteil an freiem PSA (folgende Werte sind wiederum nur als Anhaltspunkte zu verstehen; verschiedene Studien liefern unterschiedliche Ergebnisse).

    freies PSA

    Wahrscheinlichkeit dass
    ein Karzinom vorliegt
    (Bei einem PSA Wert
    zwischen 4 und 10 ng/ml)

    0-10 % 56 %
    10-15 % 28 %
    15-20 % 20 %
    20-25 % 16 %
    >25 % 8 %

     

Erhöhte Werte wurden auch bei den folgenden Erkrankungen beobachtet:
  • Hepatitis A (Leberentzündung)
  • Verschiedene maligne Tumoren
  • Leberzirrhose
Bei Frauen wurden minimale Konzentrationen (wenige ng/l) nachgewiesen bei:
  • Vermännlichungs-Syndromen mit erhöhten Werte für androgenisierende ("vermännlichende") Hormone, die meist aus den Eierstöcken oder der Nebenniere kommen
   
Prinzipiell ist Serum und Plasma geeignet.
Falls die Bestimmung von freiem PSA erwünscht ist, ist Plasma (Heparin- oder EDTA-) empfohlen. Weiters sollte dann das Plasma innerhalb von kurzer Zeit (manche fordern 3h) abgetrennt werden (Zentrifugation). 

Die Blutabnahme sollte vor der digitalen Untersuchung (Abtasten) der Prostata erfolgen.
   
PROBEN-
LAGERUNG:
Haltbarkeit der Probe (Gesamt-)PSA:  
Bei 20 bis 25°C: in 1 Woche 25% Abnahme
Bei 4-8°C: 5 Tage stabil
Bei -20°C: keine Angabe
Haltbarkeit der
Plasma-Probe freies PSA:*
 
Bei 4°C 1 Tag

*Plasma sollte innerhalb von 1-3h Stunden von Zellen getrennt werden.

   
Für die Bestimmung von freiem PSA sollte das Plasma von den Zellen innerhalb von 3h abgetrennt werden.
   
Beispiel PSA Total EIAII® Fa. Roche:
  • Keine Störung durch Hämoglobin bis 1 g/dl
  • Keine Störung durch Bilirubin bis 60 mg/dl (1.03 mmol/l)
  • Keine Störung durch Triglyceride bis 2000 mg/dl
  • Verschiedene von der Herstellerfirma getestete Pharmaka zeigten keinen Einfluss
   
FEHLER-
QUELLEN:
Die Abtastung der Prostata, insbesondere aber die Prostatamassage oder operative Eingriffe an der Prostata vor der Blutabnahme können zu erhöhten PSA-Werten führen.
Erhöhte Werte sinken in etwa 2-3 Tagen auf die Hälfte (Halbwertszeit).
Bestimmte Medikamente, sog. Anti-Androgene können bei langfristiger Einnahme (z.B. wegen Prostatahypertrophie) zu einem Abfall der PSA Konzentration führen.
   

 

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Letzte Änderung 2005-04-21

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