Was ist PSA?
PSA ist ein Eiweißstoff, der in den Drüsenzellen der Prostata gebildet wird. PSA dürfte
eine Aufgabe bei der Verflüssigung des männlichen Samens haben und daher für die
Fruchtbarkeit des Mannes von Bedeutung sein.
Glaubte man früher, PSA würde nur im Prostatagewebe erzeugt werden, fand man mit sehr
empfindlichen Methoden auch in vielen anderen Geweben PSA.
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Harn- und Geschlechtsorgane des Mannes
Die Prostata (orange-braun) liegt unter der Harnblase (gelb) und umgibt die Harnröhre
(weiß). |
Woher kommt das PSA des Blutes?
Das PSA des Blutes stammt abgesehen von sehr seltenen Fällen von der Prostata.
Warum bestimmt man PSA im Blut?
Die bei weitem wichtigste Anwendung ist die Bestimmung des PSA als Suchtest für das
Prostatakarzinom bei Männern über 50.
Daneben misst man PSA im Blut noch, um das Ausmaß eines bestehenden Prostatakarzinoms
abzuschätzen und um den Behandlungserfolg und den Verlauf der Erkrankung zu
kontrollieren.
Was sagt ein erhöhter PSA-Wert aus?
Vereinfacht gesagt, besteht bei einem erhöhten Wert die Möglichkeit, dass ein
Prostatakarzinom vorliegt. Je höher der Wert um so höher ist die Wahrscheinlichkeit,
dass wirklich ein Karzinom vorhanden ist.
Bedeutet ein erhöhter Wert immer ein
Karzinom?
Nein, absolut nicht. Studien haben gezeigt, dass etwa 70% aller Patienten mit leicht
erhöhtem Wert (4 - 10 µg/l = 4 - 10 ng/ml) kein
Prostatakarzinom haben.
Woher kommen erhöhte Werte, wenn nicht vom
Prostatakarzinom?
- Prostatahypertrophie (=gutartiger Tumor der
Prostata; korrekter als Prostataadenom zu bezeichnen; sehr häufige Erkrankung!
Kommt bei mehr als der Hälfte aller Männer über 50 vor!)
- Entzündung der Prostata (Prostatitis; seltener)
- Prostatainfarkt (sehr selten)
Andere Ursachen sind noch seltener (siehe unter ERHÖHUNG").
Bedeutet ein normaler Wert, dass ein
Karzinom ausgeschlossen ist?
Nein, leider auch nicht. Ein nennenswerter Teil der Prostatakarzinome hat PSA-Blutspiegel
unter 4µg/l.
Wie kann man die Aussagekraft der
PSA-Bestimmung erhöhen?
- Durchführung einer Tastuntersuchung und einer Ultraschalluntersuchung
der Prostata.
- Verwendung alters-abhängiger Referenzbereiche
(siehe Referenzbereiche).
Bei jüngeren Männern sind schon niedrigere Werte verdächtig, bei älteren nur
stärker erhöhte.
- Bestimmung der PSA-Zunahme
Das Karzinom produziert mehr PSA und wächst schneller als die gutartige
Prostatavergrößerung. Nimmt man als Schwelle z.B. einen Anstieg des PSA um mehr als
0.75 µg/l pro Jahr dann gilt: 70% aller Fälle von Prostatakarzinom zeigen Anstiege
über dieser Schwelle während 95% aller Patienten ohne Prostatakarzinom geringere Antiege
zeigen. Um eine Steigerung zu beurteilen, ist natürlich eine exakte Messung mit
vergleichbaren Testmethoden und immer gleicher Probenart (z.B. Heparin-Plasma)
erforderlich.
- Bestimmung der PSA-Dichte und des freien PSA
Diese beiden Untersuchungen sind weiter unten erklärt.
- Bestimmung des an alpha-1-Chymotrypsin (ACT) gebundenem PSA (ACT-PSA)
oder Bestimmung des komplexierten PSA (cPSA).
Auch diese beiden Untersuchungen sind weiter unten erklärt.
Was ist die PSA-Dichte und was sagt
sie aus?
Prostatakarzinome geben viel mehr PSA ans Blut ab als gutartige Prostatatumoren. Ein
kleines Karzinom kann daher den PSA-Wert relativ stark erhöhen. Dieselbe Erhöhung kann
nur ein relativ großer gutartiger Prostatatumor verursachen.
Das kann man nützen: man misst nicht nur das PSA sondern auch mittels Ultraschall das
Volumen der Prostata. Hohe PSA-Werte bei kleiner Prostatagröße (also eine hohe
PSA-Dichte) sind verdächtig auf ein Prostatakarzinom, niedrige sprechen eher für einen
gutartigen Tumor.
Nachteil: entsteht ein kleines Karzinom in einem großen gutartigen Tumor, wird die
Dichte trotz Karzinom relativ niedrig sein. Bei großer Prostata ist also die Aussage der
PSA-Dichte eingeschränkt.
Was ist das freie PSA und warum wird
es gemessen?
Normalerweise liegt der Großteil des PSA im Blut in "gebundener" Form vor. Das
PSA ist dabei an andere Stoffe gebunden. Nur ein Teil von weniger als 30% liegt in
ungebundener, also freier Form vor - das freie PSA.
- Der gutartige Prostatatumor ("Prostatahypertrophie") bildet
PSA. Der Anteil an freiem PSA wird daher steigen.
- Beim Prostatakarzinom hingegen sinkt der Anteil an freiem PSA.
Warum das so ist? Dazu gibt es eine Theorie: Das Prostatakarzinom produziert nicht
nur PSA sondern auch einen Stoff, an den das PSA gebunden wird (und damit nicht mehr frei
ist). Daher sinkt der Anteil des freien PSA.
Berechnung: man dividiert das freie PSA durch das Gesamt-PSA (das
ist der "normale", "totale" PSA-Wert) und erhält so den Quotienten.
Als Grenzwert wird oft ein Wert von etwa zwischen 0.15 und 0.20 angesehen. Ist der
Quotient geringer, spricht dies für ein Prostatakarzinom, ist er höher, für die
gutartige Prostatahypertrophie.
Beispiel:
- (Gesamt-)PSA war 8, das freie PSA war 2.
- 2 dividiert durch 8 ist 0.25.
- Der Anteil des freien PSA ist also 0.25 bzw. 25% und spricht
daher eher für einen gutartigen Prostatatumor (=für eine Prostatahypertrophie).
Was ist alpha-1-Chymotrypsin-PSA
(ACT-PSA) und komplexiertes PSA (cPSA)?
Wie im vorigen Abschnitt erwähnt, liegt das PSA im Blut zum Großteil in gebundener Form
vor. Gebunden ist das im Blut mit üblichen Methoden nachweisbare PSA vor allem an das
sog. alpha-1-Chymotrypsin (ACT-PSA). Die Bestimmung des ACT-PSA soll die
Bestimmung von freiem und Gesamt-PSA ersetzen.
Die Tests für komplexiertes PSA (cPSA) sollen verschiedene Formen von
gebundenem PSA erfassen, darunter auch das ACT-PSA. Auch diese Tests wollen die Bestimmung
von freiem und Gesamt-PSA ersetzen.
Erste Studien zeigten eine verbesserte Unterscheidbarkeit von Prostatahypertrophie
und Prostatakarzinom durch die Bestimmung von komplexiertem PSA. Andere Studien, z.B die
des Berliner Univeritätsklinikums Charité (Baumgart und andere, J.f.Urologie und
Urogynäkologie, 2001) fanden aber keine Überlegenheit von cPSA oder ACT-PSA gegenüber
der herkömmlichen Bestimmung von freiem und Gesamt-PSA. Die Problematik scheint nicht
restlos geklärt, in jedem Fall dürften die neuen Parameter den bisher gebräuchlichen
zumindest ebenbürtig sein.
Wie oft sollte man PSA kontrollieren?
Bei Männern über 50 Jahre ist eine jährliche Kontrolle empfohlen.
Warum sagen manche, man sollte PSA
nicht ungezielt bei Männern über 50 messen?
Verkürzt gesagt wird argumentiert, dass man damit mehr Schaden anrichtet als Gutes tut.
Es wird nicht bestritten, dass man damit Prostatakarzinome besser und früher erkennt.
Aber die Gegner der ungezielten PSA-Vorsorgeuntersuchung kritisieren die ihrer Meinung
nach naive Sicht, es muss immer richtig sein, ein bestehendes Karzinom zu entfernen. Dies
klinge zwar logisch, es sei aber keineswegs bewiesen, dass damit wirklich eine
Verbesserung für die Patienten mit Prostatakarzinom eintritt. Als Nachteil führen sie
die durch den erhöhten PSA-Wert unnötig verunsicherten Menschen und natürlich die nach
einer eventuell notwendigen Operation impotenten oder Harn verlierenden Patienten an.
Niemand wisse, bei wie vielen dieser durch die Behandlung geschädigten Patienten das
Prostatakarzinom selbst je als Krankheit "ausgebrochen" wäre (Frankel S.,
Lancet, 2003).
Um diese schwierigen Fragen tobt ein emotionell geführter Streit unter Experten zu
dem wir keine Stellung beziehen wollen. Es sollte an dieser Stelle lediglich auch dem
PSA-kritischen Standpunkt Raum gegeben werden und erwähnt sein, dass hinter der
Diskussion natürlich leider auch enorme wirtschaftliche Interessen stehen. |