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  BNP (B-TYPE NATRIURETIC PEPTIDE)

 

BNP (Brain Natriuretic Peptide, B-Type Natriuretic Peptide) - Übersicht
Univ.Doz.Dr.med. Wolfgang Hübl
Name - Info - Referenzbereich - Erhöhung - Verminderung
IN ZWEI SÄTZEN:
Das vor allem von der Herzkammer bei Überlastung und Überfüllung des Herzens ausgeschüttete Hormon BNP bewirkt die Ausscheidung von Flüssigkeit über die Niere und die Erweiterung von Blutgefäßen und reguliert so das Herz-Kreislauf-System.
Die Bestimmung der BNP-Spiegel im Blut wird zur Beurteilung der Herzschwäche (Herzinsuffizienz) und zur Abschätzung der Schwere anderer Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt und kann vielleicht aufwändigere Herzuntersuchungen unnötig machen.
   
NAME:
Peptide: BNP besteht chemisch gesehen aus 32 Aminosäuren, ist also ein Peptid.
Brain (Gehirn): BNP wurde ursprünglich in Schweinehirnen gefunden, daher die irreführende Bezeichnung "Brain". Später änderte man "Brain" zu "B-type", weil das BNP im Blut ja vorwiegend aus dem Herzen kommt, nicht aus dem Hirn.
Natriuretic (natriuretisch): BNP fördert die Natriumausscheidung in der Niere. Stoffe, die eine solche Wirkung haben, bezeichnet man allgemein als natriuretisch.
   
INFO:
Was ist BNP?
Chemisch gesehen ist BNP ein aus 32 Aminosäuren bestehender Stoff, also ein Peptid.
(Peptide sind Verbindungen aus 2 bis 100 Aminosäuren, ab 101 nennt man eine Aminosäurekette dann Eiweiß).

 

Wo im Körper wird BNP produziert?
BNP wird im Herzen produziert und zwar vor allem in den Herzkammern aber auch in den Vorhöfen.

Ausschüttung von BNP ins Blut Ausschüttung von BNP
ProBNP ist eine Vorstufe des BNP, die in der Herzmuskelzelle entsteht. Das ans Blut abgegebene BNP ist ein Bruchstück hiervon. Auch das andere Bruchstück, das zwar größere aber biologisch unwirksame NT-proBNP wird ans Blut abgegeben. Beides kann man im Blut bestimmen.

 

Welche Aufgabe hat BNP beim Gesunden?
Die natriuretischen Peptide, dazu gehören vor allem das Atriale Natriuretische Peptid (ANP) und das BNP, spielen bei der Regelung des Wasserhaushalts und des Blutdrucks eine Rolle. Wenn die Herzwand gedehnt wird (bei starker Füllung und hohem Füllungsdruck), dann werden ANP und BNP ausgeschüttet. Sie führen dann zu einer Ausscheidung von Natrium und Flüssigkeit über die Niere und zu einer Erweiterung von Blutgefäßen, was den Blutdruck und die Füllung des Herzens senkt.
Auch die Ausschüttung von Renin und Aldosteron wird vermindert.

 

Warum bestimmt man BNP im Blut?
Wenn auch noch viele Fragen offen sind, dürfte die BNP-Bestimmung der erste Bluttest sein, der eine Aussage über das Vorliegen einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) erlaubt. Der BNP-Spiegel zeigt die Überlastung des Herzens an.
Man kann durch die Bestimmung von BNP eine

  • Herzschwäche erkennen,
  • ihre Schwere einschätzen,
  • den Verlauf beobachten und
  • Behandlungserfolge beurteilen.

Die anderen dafür geeigneten Untersuchungen sind aufwändig und teilweise für den Patienten belastend (Herzkatheter- oder nuklearmedizinische Untersuchungen).
So kann durch die Bestimmung von BNP im Blut z.B. bei Vorliegen einer Atemnot auf einfache Weise untersucht werden, ob eine Herzschwäche oder eine Lungenerkrankung vorliegt (diese Entscheidung ist manchmal problematisch und mit einfachen Mitteln schwer zu treffen). Bei einer Herzschwäche ist BNP erhöht, bei einer durch eine Lungenerkrankung verursachten Atemnot meist normal.

BNPbeiAOStenose.gif (14407 Byte) BNP bei Herzschwäche
BNP bei Gesunden und bei verschiedenen Graden von Herzinsuffizienz, die in die sog. NYHA Grade I bis IV eingeteilt wird. Ursache der Herzschwäche waren in dieser Untersuchung Verengungen der  Herzklappe (Aortenstenosen).

Gerber I.L., Circulation, 2003.

 

Andere Erkrankungen können BNP ebenfalls erhöhen
In vielen Studien wurde deutlich, dass BNP-Erhöhungen keineswegs nur bei Herzschwäche (=Herzinsuffizienz), sondern auch bei einigen anderen Herzerkrankungen vorkommen. Daher kann es verschiedene Ursachen haben, wenn man einen erhöhten Spiegel findet. Die Bestimmung bei Verdacht auf Herzschwäche ist aber dennoch sinnvoll: fast jede Herzschwäche zeigt einen erhöhten BNP-Spiegel. Ein normaler BNP-Spiegel schließt daher eine Herzschwäche mit hoher Wahrscheinlichkeit aus.

 

Andere Anwendungen sind möglich, vieles ist noch im Fluss
BNP ist ein sehr junger Laborwert. Seine Anwendungsmöglichkeiten in der Medizin sind noch nicht vollständig erforscht und mögen letztlich weit über seine Bedeutung bei der Herzschwäche hinausgehen. Andere Anwendungen wären die

  • Vorhersage des Verlaufs bei einem Herzinfarkt,
  • Erkennung der Verdickung des Herzmuskels bei Hochdruckpatienten oder Herz- oder Gefäßmissbildungen (linksventrikuläre Hypertrophie),
  • Erkennen von Funktionsstörungen der linken Herzkammer (linksventrikuläre Dysfunktionen),
  • Auswahl der Patienten, bei denen ein Herz-Ultraschall oder andere Herzuntersuchungen notwendig sind.

 

BNP zeigt die Auswurfleistung des Herzens an
Bei jedem Herzschlag wird ein großer Teil des Blutes im Herzen ausgeworfen. Bei Herzschwäche sinkt dieser Anteil. Man kann dies mit aufwändigen Untersuchungen messen. BNP ist der Laborwert, der die Auswurfleistung am besten anzeigen kann (je höher das BNP desto niedriger die Auswurfleistung).

 

NT-proBNP-Spiegel im Blut liefern vergleichbare Information
Wie in der obigen Graphik dargestellt entsteht BNP aus dem in Herzmuskelzellen gebildeten proBNP. BNP ist ein Teil des proBNP. Wenn BNP vom Herzen abgegeben wird, wird auch der andere Teil des proBNP abgegeben, man nennt diesen Teil NT-proBNP. Seine Bestimmung im Blut scheint die gleichen Informationen zu liefern wie die des BNP selbst.

 

Behandlung mit "künstlichem" BNP
Man versucht, synthetisch hergestelltes BNP (Nesiritide) bei der Behandlung der Herzschwäche einzusetzen. Auch Medikamente, die die natürliche BNP-Wirkung verstärken, sind in Entwicklung.

 

   
REFERENZ-
BEREICH:
Bereich Einheit
1.5 - 9 pmol/l

- Referenzbereiche testabhängig;
- im Alter Werte durchschnittlich etwas höher
- Blutabnahmen sollen nach 15-minütiger Ruhephase im Liegen erfolgen

   
 
Hinweis: aus isolierten, leichten Erhöhungen oder Erniedrigungen von Laborwerten kann man in den allermeisten Fällen keine Schlussfolgerungen auf irgendeine Erkrankung ziehen. Liegen also nur leichte Veränderungen vor, muss keineswegs irgendeine der nachfolgend genannten Erkrankungen oder Veränderungen vorliegen!
ERHÖHUNG:
Allgemein: Erhöhungen entstehen, wenn die Herzkammern gedehnt werden, wenn sie überfüllt werden, wenn sie überlastet sind. Dazu kommt es, wenn die Pumpleistung des Herzens aus irgendeinem Grund nicht in Ordnung ist oder wenn zuviel Flüssigkeit im Kreislauf ist. Dann ist in der Phase der Erschlaffung des Herzens, also in der Phase zwischen den "Herzschlägen", zu viel Blut in der Herzkammer, die Wände werden gedehnt und geben BNP ab.
Neuere Untersuchungen sprechen dafür, dass auch die Blut- bzw. Sauerstoffunterversorgung (Ischämie) zu einer vermehrten BNP Ausschüttung führen kann.

 

Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
Bei Herzschwäche aus den verschiedensten Ursachen werden erhöhte BNP-Spiegel gefunden. Je höhergradig die Herzschwäche, desto höher der Spiegel. Im Durchschnitt. Bei einzelnen Patienten gibt es aber auch deutliche Abweichungen (d.h. höhere BNP-Spiegel bei relativ geringer Herzschwäche und umgekehrt).
Als Suchtest ist das BNP nicht geeignet, wohl aber bei begründetem Verdacht auf Herzschwäche. Ein normaler Spiegel kann eine Herzschwäche mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen.

 

Dilatative Kardiomyopathien
Herzmuskelerkrankungen teils unbekannter Ursache mit Vergrößerung der Herzkammern bei normal dicker Wand. Führen rasch zur Herzschwäche.

 

Hypertrophe Kardiomyopathien
Herzmuskelerkrankungen teils unbekannter Ursache mit Verdickungen des Herzwand. Erhöhte BNP Werte wurden bereits in Stadien gefunden, in denen noch keine Beschwerden auftraten.

 

Herzinfarkt / Akutes Koronarsyndrom (ACS)
Unter akutem Koronarsyndrom versteht man alle Beschwerdebilder (Schmerzen und Druckgefühl auf der Brust, Ausstrahlung in den linken Arm, usw.), die durch eine Blutunterversorgung des Herzmuskels verursacht sein können. Im wesentlichen sind das Beschwerden des Herzinfarkts und der Herzenge (Angina pectoris).
Patienten mit erhöhtem BNP-Spiegel zeigten im Durchschnitt einen schwereren Krankheitsverlauf  (häufiger wiederkehrende Attacken, höhere Sterblichkeit).
Bisher hatte man bei ACS bzw. beim Herzinfarkt nur Labor-Marker, die anzeigten, ob und wie viele Herzmuskelzellen zu Grunde gegangen sind (cTroponin, CK-MB). BNP-Erhöhungen sind aber ein Hinweis auf eine gestörte Funktion des Herzens und wahrscheinlich auch auf eine Blutunterversorgung. Damit würde die BNP Bestimmung eine neue Dimension bei der Laboruntersuchung des Infarkts und der Angina pectoris eröffnen.

 

Verdickung der linken Herzkammer (linksventrikuläre Hypertrophie)
Bei länger andauerndem erhöhten Blutdruck, bei Verengungen einer Herzklappe oder der Aorta kann es zu Verdickungen des stark belasteten Herzmuskels (der linken Herzkammer) kommen.
Bei Hochdruckpatienten ist es wichtig, diese Veränderung festzustellen. Ein erhöhter BNP-Spiegel kann ein Hinweis darauf sein.

 

Fehlfunktion der linken Herzkammer (linksventrikuläre Dysfunktion)
Der Ausdruck ventrikuläre Dysfunktion ist vor allem in der Ultraschalluntersuchung des Herzens gebräuchlich, wenn man dabei sieht, dass die linke Herzkammer nicht regelrecht arbeitet. Man hat gesehen, dass in diesen Fällen meist auch BNP erhöht ist.
Es wird diskutiert, in manchen Fällen vor der doch aufwändigen Ultraschalluntersuchung einen BNP Bestimmung im Blut vorzunehmen, um die Notwendigkeit der Ultraschall-Untersuchung abzuklären.

 

Vorhofflimmern
(=relativ häufig vorkommende Herzrhythmusstörung)

 

Bluthochdruck
Erhöhte BNP-Spiegel vor allem bei Patienten mit Verdickung der linken Herzkammer (linksventrikuläre Hypertrophie).

 

Belastung der rechten Herzkammer
Bei Überdruck in der Lungenstrombahn (=pulmonale Hypertonie; wegen Lungenproblemen, Gefäßverstopfungen u.a.) kommt es zu Überlastung der rechten Herzkammer. Auch dabei sind BNP-Spiegel im Blut erhöht.

 

Nierenversagen
Nierenversagen kann zur Flüssigkeitsüberladung des Körpers führen, was den BNP-Spiegel erhöht. Verminderter Abbau des BNP spielt ebenfalls eine Rolle.
Die Beurteilung des BNP-Spiegels bezüglich Herzschwäche ist also bei Nierenversagen schwieriger.
Bis zu einem Kreatininspiegel von 200 µmol/l (=2.26 mg/dl) sollen der Einfluss des Nierenschadens auf das BNP nicht entscheidend sein und man kann sich nach den üblichen Referenzbereichen richten (Buser P., Swiss Med Wkly, 2002).

 

Leberzirrhose
Die Leberzirrhose führt oft zur Flüssigkeitsüberladung des Körpers, was den BNP-Spiegel erhöht. Verminderter Abbau des BNP könnte auch eine Rolle spielen.
Die Beurteilung des BNP-Spiegels bezüglich Herzschwäche ist also bei Leberzirrhose schwieriger.

 

Körperliche Belastung
Führt kurzfristig zu Erhöhungen (ca. 1h lang).
Blutabnahme nach Ergometrie ("Fahrradfahren") kann erhöhte Werte zeigen. Dies ist aber kein Zeichen von Herzschwäche.
Bei extremen körperlichen Belastungen (Ultramarathonläufern - 100km!) fand man in einer Studie Anzeichen der Zerstörung von Herzmuskelzellen (Erhöhung cTroponin) und parallel dazu Erhöhungen des BNP. 

 

Hirnhautblutung (Subarachnoidalblutung)
Bei dieser wurden erhöhte BNP-Werte gefunden. Später wurde vermutet, dass die Infusionen, die den Patienten viel Flüssigkeit zugeführt haben, zu der Erhöhung geführt haben. In dem Fall wäre also die Behandlung die Ursache für die erhöhten BNP-Werte gewesen, nicht die Erkrankung.
   
  • Über das Vorkommen und die Bedeutung erniedrigter BNP-Spiegel ist  wenig bekannt.
     
  • Unerwartet niedrige Werte findet man bei übergewichtigen Patienten. Diese zeigen bei Herzschwäche niedrigere BNP-Spiegel als man erwarten würde. Warum, ist noch nicht ganz klar.
    (B.Puschendorf, Uni Innsbruck, persönl. Mitteilung 2004)
   

 

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Letzte Änderung 2004-12-29

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