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  KREATININ

 

Kreatinin (Creatinin) - Übersicht
Univ.Doz.Dr.med. Wolfgang Hübl
Info - Referenzbereich - Erhöhung - Verminderung - Kreatinin im Harn
 
IN VIER SÄTZEN:
Erhöhungen des Kreatinins im Serum (Blutflüssgikeit) sind oft Ausdruck einer Schädigung der Nieren. Der Kreatininspiegel hängt aber auch von anderen Faktoren ab (z.B. von der Muskelmasse). Daher findet man einerseits leicht erhöhte Werte ohne Vorliegen eines Nierenschadens und andererseits können leichte Nierenschäden ohne erhöhten Kreatininpsiegel vorkommen. In unklaren Fällen kann die Bestimmung der Kreatinin-Clearance weiterhelfen.

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Buchempfehlungen

   
NAME:
Der Wortteil Kreat- leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet Fleisch.
   
INFO:
Was ist Kreatinin?
Dazu ist es notwendig, zuerst über das Kreatin zu sprechen. Das Kreatin kommt in den Muskeln des Menschen vor. Es ist ein Stoff, der Energie speichern kann und bei Bedarf (Muskelarbeit) wieder abgeben kann. Ca. 1-2% des Muskelkreatins werden pro Tag zu Kreatinin abgebaut. Das Kreatinin ist das Abbauprodukt des Kreatins.
Das Kreatinin hat - soweit bekannt - keine Funktion, es ist eine Art Abfall, der über die Niere ausgeschieden wird.

 

Warum misst man Kreatinin im Blut?
Kreatinin wird über die Niere ausgeschieden. Wenn die Niere nicht ordentlich funktioniert, dann funktioniert auch die Ausscheidung nicht ordentlich. Es wird dann weniger ausgeschieden. Aus dem Muskel wird aber weiter unvermindert Kreatinin freigesetzt. Folge: der Spiegel im Blut steigt an. Das Kreatinin im Blut (genauer: in der der Blutflüssigkeit) ist daher ein Anzeiger für die Funktion der Niere.

 

Warum gerade Kreatinin?
Es gibt viele Stoffe, die über die Niere ausgeschieden werden, was macht gerade Kreatinin so geeignet?

  • Aus den Muskeln des Körpers wird Kreatinin ziemlich gleichmäßig frei. Das ist wichtig, denn dadurch hängt der Kreatininspiegel im Blut wirklich fast nur von der Niere ab.
  • Die Niere hat verschiedene Funktionen (siehe Einschub "Die Funktion der Niere"). Zur Beurteilung der Schwere vieler Nierenkrankheiten ist vor allem die Filtrationsleistung der Niere wichtig. Und gerade diese Filtration lässt sich mit dem Kreatinin gut testen, weil das Kreatinin fast ausschließlich filtriert wird. Die Sekretion und Rückresorption haben bei Kreatinin im Normalfall eine geringere Bedeutung.

Der Kreatininspiegel im Blut hilft daher, auf relativ einfache Weise die wichtige, sog. glomeruläre Filtrationsrate abzuschätzen. Diese sagt uns, wieviel Blutflüssigkeit pro Minute von der Niere abfiltriert wird. Diese Filtration geschieht in den Glomeruli der Niere, daher der Name (siehe Einschub "Die Funktion der Niere")

 

 
Die Funktion der Niere
 

Schema eines Nephrons Hauptaufgaben: entsorgt Abfallprodukte, reguliert das Körperwasser, reguliert viele andere Stoffe (z.B. Natrium, Kalium).
Dazu enthält jede Niere ca. 1 Million sog. Nephrons. Eines ist links dargestellt. In den Nephrons wird das Blut filtriert (Filtration, hellgraue Pfeile), und zwar in einem Knäuel aus kleinsten Blutgefäßen, dem Glomerulus. Dabei werden pro Tag 180(!) Liter sog. Primär-Harn (Erst-Harn) abfiltriert. Er enthält außer dem Eiweiß und den Zellen fast alles, was im Blut ist. Also viel mehr als wir loswerden wollen.
Dieser Primär-Harn fließt dann durch die Nierenröhrchen (Tubuli). Währenddessen holt sich die Niere aus dem Primär-Harn manche Stoffe und viel Wasser wieder zurück (Rückresorption, roter Pfeil) und scheidet andere Stoffe zusätzlich aus (Sekretion, gelber Pfeil). Viele Stoffe werden in den Röhrchen ausgeschieden und dann wieder rückresorbiert, oder umgekehrt. Dieser scheinbar sinnlose Vorgang ermöglicht eine genaue Regulation der Ausscheidung eines Stoffes.
Am Ende bleiben dann etwa 1.5 Liter Harn pro Tag übrig.

 
Was man bei der Beurteilung des Kreatininspiegels beachten muss

  • Referenzwerte (Normalwerte) beachten
    Der Kreatininwert hängt von der Muskelmasse ab. Daher haben muskulösere Menschen höhere Werte als andere, Männer höhere als Frauen, Kinder andere als Erwachsene und alte Menschen. Soweit vorhanden muss man den Wert also mit den passenden Referenzwerten vergleichen.
  • Fleischreiche Ernährung führt zu (etwas) höheren Werten
    Im Fleisch ist nach dem Kochen eine nennenswerte Menge Kreatinin. Unter normalen Verhältnissen wird das keinen entscheidenden Einfluss auf den Kreatininwert haben, in Extremfällen kann es ihn erhöhen (Bodybuilder mit großer Muskelmasse und hohem Fleischkonsum und ev. auch Kreatinkonsum).
      
  • Kreatinin steigt erst bei stärkerer Nierenfunktionseinschränkung
    Die normale Filtrationsmenge der Niere liegt bei etwa 125 ml (= 1/8 Liter) pro Minute. Erst wenn diese Rate auf etwa 60 - 40 ml/min vermindert ist, beginnt das Kreatinin im Blut anzusteigen. Dazwischen erkennt man den Nierenschaden nicht. Man nennt das auch den Kreatinin-blinden Bereich. Zur Früherkennung von Nierenschäden ist Kreatinin daher nicht geeignet.
      
  • Die Höhe des Kreatinins sagt nur bedingt etwas über das Ausmaß des Nierenschadens aus
    Natürlich ist es schon so, dass bei größerem Nierenschaden ein höheres Kreatinin auftritt als bei kleinem Schaden. Diese Beziehung ist aber nicht streng, ein verdoppeltes Kreatinin heißt nicht halbierte Filtrationsrate. Das liegt daran, dass wir bei eingeschränkter Filtration Kreatinin auch auf andere Weise loswerden können: Die Niere scheidet Kreatinin dann vermehrt aktiv aus (Sekretion), außerdem wird Kreatinin dann auch über den Darm ausgeschieden. Das bedeutet, dass man mit dem Kreatininspiegel das Ausmaß des Nierenschadens unterschätzt.
    Das gilt aber auch umgekehrt. Wenn sich unsere Niere nach einem plötzlichen (akuten) Nierenversagen wieder erholt und die Filtrationsleistung zunimmt, dann sinkt der Kreatininspiegel anfangs kaum. Eine Verbesserung der Filtrationsrate um 15 ml/min, was nicht wenig ist, senkt den Spiegel nur um ca. 0.2 mg/dl, was bei hohem Spiegel sehr wenig ist (Thomas L., Labor und Diagnose, 5.Aufl., TH-Books).

  • Kreatinin-Clearance ist aussagekräftiger
    Manche der erwähnten Einschränkungen vermeidet man durch Berechnung der Kreatinin-Clearance, bei der man auch die Harn-Ausscheidung des Kreatinins einbezieht. Die Clearance sagt mehr über die Nierenfunktion aus als der Kreatininspiegel.
     
  • Harnstoff-Kreatinin-Quotient bringt Zusatzaussagen
    Bestimmt man gleichzeitig Harnstoff (bzw. BUN) im Blut kann man den sog. Harnstoff-Kreatinin-Quotienten berechnen, der die verschiedenen Ursachen des erhöhten Kreatininspiegels unterscheiden helfen kann (siehe unter Harnstoff/BUN).

 

Welche Beschwerden und Zeichen (Symptome) bestehen bei erhöhtem Kreatininspiegel?
Nimmt man den Kreatininspiegel und die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) als Anzeiger für das Ausmaß eines langsam verlaufenden (chronischen) Nierenversagens, dann kann man grob folgende Einteilung treffen:
(nach G.Bönner u. V.Lent, in W.Kaufmann, Internistische Differentialdiagnostik, 4.Aufl., Schattauer Verlag.)

Stadium GFR*
(ml/min)
Kreatinin (mg/dl) Beschwerden / Symptome
volle Kompensation > 60 normal keine
kompensierte Retention 60-40 erhöht; bis 2 Appetitmangel, Müdigkeit, Leistungsmangel, Bluthochdruck
Dekompensation 40-15 bis 10 körperliche Schwäche, Gewichtsverlust, Juckreiz
Urämie (= terminale Niereninsuffizienz, Harnvergiftung) < 15 über 10 Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall, Ödeme (Wassersucht), Lungenödem, Herzbeutelentzündung, Gehirnschäden bis zum Koma
*Glomeruläre Filtrationsrate: wieviel Flüssigkeit die Nieren pro Minute durch ihre Filter (die Glomeruli) abfiltern. Kann durch Messung der sog. Kreatinin-Clearance geschätzt werden.

 
Ab wann muss bei langsam verlaufendem (chronischen) Nierenversagen eine Dialyse (Blutwäsche) durchgeführt werden?

Da richtet man sich nicht nach dem Kreatininwert. Meist wird dialysiert, wenn

  • Zeichen einer Urämie (Harnvergiftung) vorliegen (siehe oben),
  • eine unbeherrschbare Erhöhung des Kaliums oder
  • eine unbeherrschbare Übersäuerung (Azidose) auftritt,
  • wenn Flüssigkeitsüberladung mit Ödemen (Schwellungen, "Wassersucht") auftritt,
  • eine Blutungsneigung vorliegt oder
  • die Kreatinin-Clearance (ein ungefähres Maß der Filtrationsrate) < 10 ml/min ist.
   
REFERENZ-
BEREICH:
  Bereich Einheit Bereich Einheit
Männer 0.5 - 1.2 mg/dl = mg% 44 - 106 µmol/l
Frauen 0.5 - 1.0 mg/dl = mg% 44 - 88 µmol/l
Detaillierte, altersabhängige
Referenzbereiche in Blut und Harn
   
 
Hinweis: aus isolierten, leichten Erhöhungen oder Erniedrigungen von Laborwerten kann man in den allermeisten Fällen keine Schlussfolgerungen auf irgendeine Erkrankung ziehen. Liegen also nur leichte Veränderungen vor, muss keineswegs irgendeine der nachfolgend genannten Erkrankungen oder Veränderungen vorliegen!
Akutes (plötzliches) Nierenversagen
Bei akutem Nierenversagen steigt das Kreatinin meist etwa 1-2 mg/dl im Tag an.

Ursachen:

  • Mangelnde Durchblutung der Niere
    Schock, Blutdruckabfall, Blutvergiftung (Sepsis), nach Operationen oder Verbrennungen. Führt wegen des verminderten Blutflusses durch die Niere zu einer verminderten Filtrationsrate und damit zum Nierenversagen. Extreme Mangeldurchblutung kann auch zur Schädigung des Nierenröhrchensystems führen.
    Auch extreme Flüssigkeitsverluste bei Durchfällen, Darmlähmung (=Ileus; Flüssigkeit geht in den Darm) oder akuten Entzündungen der Bauchspeicheldrüse (Flüssigkeit geht in den Bauchraum) können ein akutes Nierenversagen auslösen.
  • Schädigung der Niere durch Gifte, Medikamente, Myoglobin, Hämoglobin
    Sehr viele Gifte aber auch viele Medikamente können die Niere schädigen. Das massive Freiwerden von Hämoglobin (roter Blutfarbstoff) aus roten Blutkörperchen (Hämolyse) kann die Niere ebenfalls schädigen. Ebenso das massive Freiwerden von Myoglobin (Muskeleiweiß) bei ausgedehntem Muskelzerfall. Im letzteren Fall steigt das Kreatinin manchmal besonders rasch (mehr als 2 mg/dl im Tag).
  • Entzündungen der Niere
    Glomerulonephritis (Entzündung der Glomeruli, also der Filter der Niere. Die häufigste Form tritt meist 1 bis 3 Wochen nach einer Infektion mit bestimmten Bakterien auf. Meist nach Angina oder Mandelentzündung, seltener nach Hautinfektionen)
    Interstitielle Nephritis (nicht die Glomeruli sondern das übrige Nierengewebe ist vor allem betroffen; eine akute interstitielle Nephritis kann durch Bakterien, Viren, Medikamentenallergien oder durch eine Autoimmunerkrankung verursacht sein)
  • Beidseitige Abflusshindernisse
    Abflusshindernisse, z.B. Nierensteine, betreffen meist nur eine Niere, die andere springt ein. Nur wenn aus irgendeinem Grund der Abfluss beider Nieren verlegt ist, (kann z.B. bei Prostatavergrößerung vorkommen), kommt es zum Anstieg des Kreatinins.

 

Chronisch (langsam verlaufendes) Nierenversagen

Eine überaus große Anzahl von Erkrankungen kann zum chronischen Nierenversagen führen. Es seien hier nur die häufigsten angeführt:
(Quelle Ritz E., Andrassy K, 'Die Niere' in Schettler/Greten Innere Medizin, Thieme Verlag).

  • Nierenschädigung durch Zuckerkrankheit (40%)
  • Glomerulonephritis (25%)
    Entzündung der Glomeruli, also der Filter der Niere. Die häufigste Form tritt meist 1 bis 3 Wochen nach einer Infektion mit bestimmten Bakterien auf. Meist nach Angina oder Mandelentzündung, seltener nach Hautinfektionen.
  • "Chronische Pyelonephritis" (15%)
    Langandauernde oder immer wiederkehrende, bakterielle Entzündungen der Niere. Wird begünstigt durch das Vorliegen von Abflusshindernissen oder Rückflusskrankheit (Refluxnephropathie).
  • Zystennieren (=polyzystische Nierendegeneration)
    Erbkrankheiten mit einer Vielzahl von Hohlräumen (Zysten) in beiden Nieren und ev. anderen Organen. Häufigste Form wird dominant vererbt, es ist also durchschnittlich jedes 2. Kind eines Erkrankten betroffen.
    Anmerkung: es gibt auch einzelne Nierenzysten, also Hohlräume in der Niere. Diese verursachen kaum Probleme. Man findet sie zufällig im Ultraschall, werden im Alter häufiger.
     
  • Analgetika-Nephropathie (5%)
    Langfristige Einnahme von nierenschädigenden Schmerzmitteln.
  • Nierenschädigung durch Unterdurchblutung (5%)
    "Gefäßverkalkungen", Gefäßverdickungen; oft als Folge eines Bluthochdrucks.

Amerikanische Statistiken geben die Zuckerkrankheit (33%), den Bluthochdruck (24%), die Glomerulonephritis (17%) und Zystennieren (5%) als häufigste Ursachen eine chronischen Nierenversagens an.

   
VERMIN-
DERUNG:
Verminderungen haben nur geringe diagnostische Bedeutung. Kommt bei frühen Stadien der Zuckerkrankheit und in der Schwangerschaft vor. Auch bei Alkoholismus werden niedrige Werte beobachtet.
   
   
 
Kreatinin im Harn
INFO:
Wie die Konzentration im Blut ist auch die Ausscheidung im Harn von der Muskelmasse und der Nahrungsaufnahme abhängig.

Detaillierte Normalwerte.

   
ERHÖHUNG:
  • Hoher Fleischverzehr
  • Bodybuilder
  • Beobachtet, aber ohne wesentliche diagnostische Bedeutung, auch bei Schilddrüsenunterfunktion, Infektionskrankheiten, Zuckerkrankheit, hypophyseärem Riesenwuchs

 

   
VERMIN-
DERUNG:
  • Unvollständige Harnsammlung
    Bei intakter Nierenfunktion kann eine scheinbar niedrige Kreatininausscheidung anzeigen, dass der Harn nicht wirklich 24h lang komplett gesammelt wurde.
    Für viele Laboruntersuchungen im Harn muss man unbedingt 24h lang den kompletten Harn sammeln. Das geschieht aber leider oft nicht. Die Ergebnisse sind dann meist wertlos. Eine niedrige Kreatininausscheidung im Harn kann eine unvollstandige Harnsammlung "verraten".
  • Muskelerkrankungen
    Erbliche Muskeldystrophien, Dermatomyositis/Polymyositis (Autoimmunerkrankungen mit Entzündungen der Haut und der Muskeln), Muskellähmungen
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Schweres Nierenversagen
   

 

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Letzte Änderung 2004-12-04

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