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  KETONKÖRPER IM HARN

 

Ketonkörper im Harn - Übersicht
Univ.Doz.Dr.med. Wolfgang Hübl
    
IN DREI SÄTZEN:
Ketonkörper entstehen im Körper beim Abbau von Fett. Ihre Vermehrung im Harn findet man vor allem in Hungerphasen, bei der Zuckerkrankheit und bei Alkoholismus. Beim Neugeborenen können Ketonkörper im Harn ein Zeichen einer angeborenen Stoffwechselerkrankungen sein.
   
NAME:
Der Name hat chemische Wurzeln: in der organischen Chemie wird ein Sauerstoffatom, das über eine Doppelbindung an Kohlenstoff gebunden ist, als Keto-Gruppe bezeichnet. Und die 3 Stoffe, die man im engeren Sinn unter Ketonkörpern versteht, haben alle eine solche Gruppe.
   
KURZINFO:
Was sind Ketonkörper?
Ketonkörper sind beim Abbau von Fett entstehende Substanzen. Im engeren Sinn versteht man darunter das Azetoazetat, das Beta-Hydroxybutyrat und das Azeton.
Oft werden auch die Säure-Formen der Ketonkörper genannt, also statt dem Azetoazetat die Azetessigsäure und statt dem Beta-Hydroxybutyrat die Beta-Hydroxybuttersäure. Chemisch ist das zwar ein kleiner Unterschied, in der Medizin meint man damit aber das gleiche.
 
ketonkoerper.gif (7415 Byte)

 

Welche Bedeutung besitzen Ketonkörper?
Ketonkörper sind Energielieferanten für viele Gewebe, auch für das Gehirn. Besonders im Hungerzustand wird Energie aus Ketonkörpern gewonnen.
Die Ketonkörper entstehen  aus dem Fettabbau, besonders die Leber produziert große Mengen. Von der Leber gelangen die Ketonkörper über das Blut zu den anderen Geweben. Sie werden sehr rasch aufgenommen sodass normaler Weise kaum Ketonkörper im Blut zu finden sind.

 

Warum bestimmt man Ketonkörper im Harn?
In den allermeisten Fällen werden die Ketonkörper ohne spezielle Begründung bei der Harnuntersuchung einfach mitbestimmt, weil es ein Testfeld auf Mehrfelder-Harnteststreifen ist.
 
Die Bestimmung der Ketonkörper kann helfen

  • bei der Abklärung der Ursache einer Übersäuerung (Azidose) des Körpers
  • zur Unterscheidung verschiedener Formen von diabetischem Koma (Bewusstlosigkeit wegen entgleister Zuckerkrankheit)
  • als Begleitbefund bei der Erstdiagnose oder des Nachweises einer schlechten Einstellung einer Zuckerkrankheit (bes. beim Diabetes Typ I)
  • zur Erkennung von Hungerzuständen
  • als Hilfsbefund zur Erkennung von angeborenen Stoffwechselerkrankungen bei Neugeborenen

 

Wie misst man die Ketonkörper im Harn?
Alle 3 Ketonkörper ließen sich mit chemischen Analysen im Harn bestimmen, in der Praxis wird aber meist nur der Harntstreifentest durchgeführt.
Dies reicht auch im Allgemeinen aus. Es muss aber berücksichtigt werden, dass die Streifentests das Beta Hydroxybutyrat nicht erfassen. Das macht auch meist nichts, weil ja das Azetoazetat und das Azeton ohnehin erhöht sind und den Streifen verfärben. Es gibt aber nicht so selten Störungen, bei denen vor allem das Beta-Hydroxybutyrat erhöht ist, die anderen Ketonkörper weniger. Hat man also mit dem Streifentest ein unerklärlich negatives Resultat, muss man bedenken, dass dies daran liegen könnte.

Harnteststreifen Ketonkörper-Feld

Harnteststreifen Ketonkörper-Feld

Man taucht den Teststreifen kurz in den Harn, das Ketonkörper-Feld wird sich verfärben, falls Ketonkörper im Harn sind. Nach einer Minute vergleicht man die Farbe mit den oben abgebildeten Farbfeldern. Die Farbe erlaubt eine Einteilung in gering (+), mittel (+++) und stark (+++) positiv.

Ketonkörper sollten in frischem Urin gemessen werden. Acetoacetat geht beim Stehen des Harns in Azeton über. Azeton ist mit dem Teststreifen viel schlechter messabr, außerdem entweicht es aus dem Harn als Gas (Azetongeruch des Harns, Nagellackentferner-artig).

 

 

Wie kommt es prinzipiell zu einer Erhöhung der Ketonkörper?

Es ist vor allem das Zusammentreffen zweier Ursachen

  • der Fettabbau ist gesteigert
    Beim Fettabbau entsteht das sog. Azetyl-CoA. Aus diesem können wiederum die Ketonkörper entstehen.
     
  • Zucker- (Glucose-) Verwertung ist gestört
    Wenn die Glucoseverwertung nicht "läuft" dann kann das beim Fettabbau entstehende Azetyl-CoA nicht weiter verarbeitet werden. Es entstehen dann daraus vermehrt Ketonkörper.

 

Wann findet man Ketonkörper im Harn?

  • Hungern (nach 48h meist nachweisbar, oft schon früher)
     
  • Schweres Erbrechen, schwere Durchfälle
     
  • Extreme körperliche Belastung
    Besonders bei schlechtem Trainingszustand oder bei körperlicher Belastung in der Kälte.
     
  • Zuckerkrankheit
    Obwohl bei der Zuckerkrankheit (Diabetes) der Blutzucker erhöht ist, leiden die Zellen unter Zuckermangel. Auch ist bei Diabetes der Fettabbau gesteigert. Dies führt zu einer Erhöhung der Ketonkörper in Blut und Harn. Besonders gilt dies für den Diabetes Typ I (Insulinmangel-Diabetes, früher auch Juveniler Diabetes genannt).
    Beim gut eingestellten Diabetiker sollte es zu keiner Erhöhung der Ketonkörper kommen. Behandlungsfehler, Infektionskrankheiten, andere Medikamente, Schwangerschaft, Alkoholismus oder schwere Stresssituationen (z.B. Herzinfarkt) können aber eine Vermehrung der Ketonkörper auslösen.
     
  • Diabetisches Koma
    Durch die Zuckerkrankheit verursachte Bewusstlosigkeit. Vereinfacht gesagt gibt es da zwei Ursachen:
     
    • eine extreme Übersäuerung des Körpers (Azidose) durch Erhöhung der Ketonkörper oder
    • eine extreme Blutzuckererhöhung (>600 mg/dl / 33,3 mmol/l).

    Bei der Unterscheidung dieser Formen hilft der Ketonkörpernachweis, da die Ketonkörper vor allem bei der ersten Form erhöht sind.

  • Alkoholismus
    Meist bei Patienten mit längerfristigem Alkoholmissbrauch. Oft ausgelöst durch eine 2-3 tägige verminderte Nahrungsaufnahme wegen einer Magenschädigung (Gastritis) bzw. Erbrechen.
     
  • Selten bei plötzlichen, schweren Entzündungen der Bauchspeicheldrüse (akute Pankreatitis)
     
  • Angeborene Stoffwechselerkrankungen
    Ketonkörper im Harn von Neugeborenen können auf eine angeborene Stoffwechselerkrankung zurückzuführen sein. Fruktose-Verwertungsstörung, Galaktose-Verwertungsstörung, Tyrosinämie, Ahornsirupkrankheit und andere.


Unerwartet negatives Ketonkörper-Ergebnis
Wenn ein Patient mit Zuckerkrankheit oder Alkoholismus eine Übersäuerung (Azidose) zeigt und dazu noch im Blut eine erhöhte Anionenlücke, die einem sagt, dass im Blut irgendein Anion vermehrt sein muss, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass es Ketonkörper sind, die da vermehrt sind. Dann würde man erwarten, dass der Harnstreifen-Test Ketonkörper im Harn anzeigt. Manchmal ist es nicht so.
Das liegt daran, dass der Streifentest nicht alle Ketonkörper anzeigt. Und wenn nicht das Azetoazetat oder das Azeton sondern vorwiegend das Beta-Hydroybutyrat erhöht ist, dann kann der Streifentest trotz Ketonkörper-Erhöhung negativ bleiben, weil er Beta-Hydroxybutyrat nicht anzeigt.
Das kommt bei Alkoholikern vor, auch bei Diabetikern, wenn eine Minderdurchblutung größerer Gewebsabschnitte vorliegt (z.B. durch Blutgefäßverengungen).
Eine andere Möglichkeit wäre ein zu lange gestandener Harn, aus dem die Ketonkörper bereits als Azeton (Gas) entwichen sind.

 

   
REFERENZ-
BEREICH:

Qualitative Bestimmung (Harnteststreifen)
Normalerweise findet man mit dem Harnteststreifen keine Ketonkörper, der Normalbefund ist also "negativ".
Der Test erfasst nur Azetoazetat und Azeton. Die Nachweisgrenze für Azetoazetat liegt bei etwa 50 mg/l, für Azeton bei 500 mg/l.
 

Quantitative Bestimmung
Ketonkörper im Morgenharn unter 50 mg/l.

   

 

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Letzte Änderung 2004-04-13

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